Franziskaner fährt mit "rollendem Kloster" durch Deutschland

"Das war schon lange meine Idee, einfach loszuziehen"

Als Ordenspriester möchte Gabriel Zörnig unterwegs sein. Diesen Traum hat der Franziskanerbruder mit einem Wohnmobil als "rollendem Kloster" umgesetzt. Auch die Kirche wäre gut beraten, nicht an erster Stelle über den Glauben zu reden.

Ein Wohnwagen als rollendes Kloster - Symbolbild (shutterstock)
Ein Wohnwagen als rollendes Kloster - Symbolbild / ( shutterstock )

DOMRADIO.DE: Wie kam es dazu, mit Ihrem Wohnwagen als eine Art "rollendem Kloster" unterwegs zu sein?

Bruder Gabriel Zörnig (privat)
Bruder Gabriel Zörnig / ( privat )

Bruder Gabriel Zörnig OFM (Franziskaner mit dem Projekt "franziskanisch unterwegs"): Die Idee ist eigentlich schon schon uralt. Die Franziskaner leben itinerant, das heißt Unterwegssein von Anfang an. Wir sind ja ein apostolischer Orden, wie Jesus mit den Jüngern, mit den Aposteln durch die Gegend gezogen ist, so haben es die Franziskaner ja auch gemacht. Wir sind Wanderprediger. Und das war schon lange meine Idee, einfach loszuziehen. Die Idee mit dem Wohnmobil ist in Münsterschwarzach geboren, im Recollectio-Haus letztes Jahr.

DOMRADIO.DE: Was kann man bei Ihnen erleben, wenn Sie jetzt mit Ihrem Wohnwagen um die Ecke kommen?

Bruder Gabriel: Das ist im Vorhinein schwer zu sagen. Ich reagiere immer auf das, was gerade kommt. Ich weiß vorher nie, was passiert. Ich stehe irgendwo oder spreche Menschen an und wundere mich dann, was für Menschen ich angesprochen habe. Ich war zum Beispiel beim Ostermarkt in Göhren-Lebbin, an der Müritz.

Dann sprach ich ein Ehepaar an und fragte sie, wo sie herkommen. Sie kamen aus der Lutherstadt Wittenberg, hätten aber mit der Kirche nichts zu tun und sind auch nicht getauft. In Wittenberg nicht getauft, fragte ich. Eine halbe Stunde haben wir miteinander geredet. Also ich versuche da zu sein, wo die Leute sind und das aufzunehmen, was die Leute erzählen. Ganz oft habe ich mit Nichtchristen zu tun. Hier oben gibt es ja kaum Christen in Mecklenburg.

Bruder Gabriel Zörnig

"Und ich glaube, Kirche ist gut beraten, wenn sie bei den Menschen ist. Wenn es dann passt, dann kann man immer noch vom Glauben erzählen."

DOMRADIO.DE: Ist diese Art den Glauben zu den Menschen zu bringen die Zukunft der Kirche?

Bruder Gabriel: Ich würde gar nicht sagen, den Glauben zu den Menschen bringen. Jesus hat zwar auch von der frohen Botschaft erzählt, aber er war erstmal bei den Menschen, bei den Kranken, bei den Sündern. Und ich glaube, Kirche ist gut beraten, wenn sie bei den Menschen ist. Wenn es dann passt, dann kann man immer noch vom Glauben erzählen.

Also wir kommen in der Regel ganz klar immer auf tiefe Gespräche. Es plätschert erst mal so dahin. Relativ schnell entwickelt sich etwas und die Leute erzählen von sich, von ihrem Leben, vielleicht auch vom Frust über die Kirche  – das ist vorher nicht zu planen. Wenn es angesagt ist, vom Glauben zu erzählen, dann geschieht das in der Regel von ganz alleine.

DOMRADIO.DE: Ist der Ukraine-Krieg aktuell auch ein großes Thema, was in Gesprächen verarbeitet werden muss?

Bruder Gabriel: Eher weniger. Die Leute erzählen von sich, von ihren Problemen, von Brüchen im Leben, aber auch von Kirchenfrust und so. Also ich habe jetzt zum Beispiel ein Polizeiseminar gehabt hier in der Nähe von Waren, ich kam in Kutte und sofort kam die Frage: Darf ich mal ein Foto mit Dir machen, meine Kinder glauben das sonst nicht. Das sind so kleine Punkte, worüber wir ins Gespräch kommen. Und meistens brauche ich keine zehn Minuten, um bei wichtigen Lebensfragen zu sein.

DOMRADIO.DE: Kann man sie auch buchen?

Bruder Gabriel: Kann man durchaus. Also in der nächsten Woche bin ich beim Provinzkapitel der der Franziskaner in Haus Ohrbeck bei Osnabrück. Da ist eine Art Parteitag und da geht es um die Zukunft der deutschen Franziskanerprovinz. Da kann man mich nicht buchen, da bin ich schon fest eingespannt.

Bruder Gabriel Zörnig

"Aber ich bin erst mal da. Und in der Regel geschieht immer was. Ich habe noch keine Langeweile gehabt."

Franziskaner

Der heilige Franz von Assisi (1181/82-1226) gründete zwischen 1210 und 1220 den Orden der Franziskaner, der sich bis heute auf vielen Gebieten für Gerechtigkeit und Frieden einsetzt. Mit Suppenküchen und Kleiderkammern helfen die Patres und Brüder Menschen in Not. Außerdem leisten sie Seelsorge in Gefängnissen, Altenheimen und Krankenhäusern. In Initiativen und Menschenrechtsgruppen engagieren sich Franziskaner für Umweltschutz und eine gerechtere Wirtschaft.

Orden der Franziskaner / © Dr. Gilad Fiskus (shutterstock)
Orden der Franziskaner / © Dr. Gilad Fiskus ( shutterstock )

Aber ich reagiere auch auf Anfragen. Diese Tage fragte eine Firmengruppe, ob ich mal kommen kann und von meinem Projekt erzählen kann und was mit den Jugendlichen machen kann. Kein Problem. Oder ich habe in 14 Tagen eine Tour, da fahre ich nach Friedland, das ist südlich von Neubrandenburg. Da wird es wahrscheinlich eher darum gehen, Menschen aufzusuchen, die in sozialschwachen Gebieten leben, wo nichts mehr los ist. Da stehe ich einfach auf dem Marktplatz, quatsche Leute an oder bin in der Fußgängerzone, stehe vor der Kirche, also das wird sich zeigen. Da weiß ich noch nicht genau, was passieren kann. Aber ich bin erst mal da. Und in der Regel geschieht immer was. Ich habe noch keine Langeweile gehabt.

DOMRADIO.DE: Könnte ich auch vorbeikommen mit meinem neugeborenen Kind und das Kind im Wohnwagen taufen lassen?

Bruder Gabriel: Offiziell müsste ich glaube ich sagen, so einfach geht es nicht, weil es über Kirchenbücher läuft, aber so im Prinzip schon. Möglich ist fast alles.

Das Interview führte Oliver Kelch.

Quelle:
DR