Fakultätentag wirbt für Gespräche im Regensburger Streit

"Es geht um die Qualität der Lehre"

Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer blockiert die Besetzung mehrerer Professuren, um einen höheren Anteil von Priestern an der Fakultät für katholische Theologie zu erzwingen. Theologe Dirk Ansorge schätzt den Konflikt ein.

Hörsaal einer theologischen Fakultät / © Stefano Dal Pozzolo/Romano Siciliani (KNA)
Hörsaal einer theologischen Fakultät / © Stefano Dal Pozzolo/Romano Siciliani ( KNA )

DOMRADIO.DE: Die internationale katholische Zeitschrift communio.de hat diesen Streit aufgedeckt. Was hat es mit dieser "Priesterquote" bei der Besetzung von theologischen Lehrstühlen auf sich? 

Professor Dirk Ansorge, Vorsitzender des Katholisch-Theologischen Fakultätentags (KThF) / © Annika Schmitz (KNA)
Professor Dirk Ansorge, Vorsitzender des Katholisch-Theologischen Fakultätentags (KThF) / © Annika Schmitz ( KNA )

Prof. Dr. Dirk Ansorge (Vorsitzender des Katholisch-Theologischen Fakultätentages): Traditionell ist es so, dass an theologischen Einrichtungen, Fakultäten oder Hochschulen bis vor 100 Jahren ausschließlich Priester gelehrt haben. In Deutschland haben wir die Entwicklung – nicht zuletzt durch das Konzil –, dass auch Laien habilitiert werden konnten, sowohl Männer als auch Frauen. Zunehmend haben dann mehr Laien und Laiinnen solche Lehrstühle besetzt.

Zugleich will man – und ich halte das auch für nachvollziehbar – den Charakter einer Fakultät wahren, dass weiterhin auch Priester dort lehren. Dann stellt sich natürlich sofort die Frage, wie viele das sein sollen. Muss das die Mehrheit sein? Reicht es, wenn zwei oder drei Priester da sind? Und ich denke, der aktuelle Konflikt, der kreist genau um diese Frage. 

DOMRADIO.DE: Gibt es vom Vatikan oder zum Beispiel im Konkordat rechtliche Vorgaben, dass es eine bestimmte Quote zu geben hat? 

Dirk Ansorge

"Was ist angemessen? – Darum geht es in der Debatte."

Ansorge: Nein, es ist von einer angemessenen Zahl an Priestern die Rede. Das ist natürlich auslegungsfähig. Man könnte sagen, das sollen 50 Prozent sein, andere würden sagen, es muss mehr oder weniger sein. Was ist angemessen? Und darum geht es in der Debatte. 

DOMRADIO.DE: Nun gibt es aber angesichts des Priestermangels die berechtigte Frage, ob wir Priester auf theologischen Lehrstühlen benötigen und nicht viel mehr in der Seelsorge. Auch der Kirchenrechtler Rafael Rieger hält das entsprechende vatikanische Dekret für dringend überarbeitungsbedürftig. Wie sehen Sie das? 

Ansorge: Mir scheint für die Theologie insgesamt eine gute Durchmischung im Lehrkörper hilfreich zu sein. Das betrifft Frauen und Männer, Verheiratete und nicht Verheiratete, das betrifft Priester und Laien. 

Das scheint mir für die Theologie wirklich gut zu sein, wenn unterschiedliche Erfahrungen, Lebenserfahrung und Kompetenzen mit in den Lehrkörper einfließen. Darum würde ich sagen, es ist zeitgemäß, diese unterschiedlichen Erfahrungsbereiche zu repräsentieren. 

DOMRADIO.DE: Der eben schon angesprochene Kirchenrechtler Rafael Rieger sieht laut communio.de im Regensburger Streit Fakultät und Bischof in der Pflicht, eine Einigung zu finden. Die Fakultät könne sich dem Dialog mit dem Bischof nicht entziehen und behaupten, die Bestimmung des allgemeinkirchlichen Hochschulrechts sei in einer staatlichen Fakultät grundsätzlich nicht zu beachten. Gibt es zwischen kirchlichen und staatlichen Fakultäten einen Unterschied in der Regelung? 

Dirk Ansorge

"Es wird Gespräche geben müssen zwischen Fakultät und Bischof."

Ansorge: Es gibt Unterschiede in den Regelungen, was kirchliche Hochschulen angeht und theologischen Fakultäten an staatlichen Universitäten. Ob das von Ihnen zitierte Wort so gefallen ist, das ist mir nicht bekannt. Das wäre sehr pointiert und zugespitzt. 

Bischof Rudolf Voderholzer während der vierten Synodalversammlung / © Julia Steinbrecht (KNA)
Bischof Rudolf Voderholzer während der vierten Synodalversammlung / © Julia Steinbrecht ( KNA )

Meiner Ansicht nach wird es in jedem Fall Gespräche geben müssen zwischen der Fakultät und dem Bischof. Ob dann so eine dezidierte Position "ist nicht zu beachten, das gilt für uns nicht", da hilfreich ist, kann ich so nicht beurteilen. 

Man wird dort gemeinsam Wege finden müssen, die sich sicherlich in der von mir favorisierten Durchmischung des Lehrkörpers abbilden. 

DOMRADIO.DE: Welcher Mittel und Wege bedarf es denn Ihrer Ansicht nach, damit es nicht mehr zu solchen Auseinandersetzungen anlässlich der Besetzung einzelner Lehrstühle kommt? 

Ansorge: Verständlicherweise werden die Bischöfe natürlich ein Interesse daran haben, dass Priester im Lehrkörper vertreten sind. Auf der anderen Seite haben wir einen Priestermangel in Deutschland. Das bildet sich natürlich auch in den Berufungsverhandlungen und in den Berufungsverfahren an den Fakultäten ab. Dort gibt es das nachvollziehbare Bestreben der Bischöfe, die sogenannte "Priesterquote" sehr hoch zu halten. Faktisch scheitert das aber oft auch daran, dass gar nicht hinreichend Priester zur Habilitation freigestellt werden und die entsprechenden akademischen Qualifikationen mitbringen.

Darum bewirbt sich auch ein größerer Anteil an Laiinnen und Laien. Für eine Fakultät stellt sich dann auch immer die Frage der Qualität. Mit welcher wissenschaftlichen Expertise sollen jetzt unsere Lehrstühle besetzt werden? Und da ist universitär natürlich vollkommen klar, dass es um die Kompetenz geht, um die Qualität der Lehre. An dieser Stelle muss eine Fakultät auch darauf bestehen, dass hier ein formales Kriterium, etwa Lebensstand, keine Rolle mehr spielen kann.

Das Interview führte Jan Hendrik Stens.

Katholisch-Theologischer Fakultätentag

Der Katholisch-Theologische Fakultätentag (KThF) repräsentiert rund 50 Fakultäten und Institute in der Bundesrepublik.

Zu den Gästen gehören deutschsprachige Ausbildungsstätten für katholische Theologiestudierende aus der Schweiz, Österreich und Italien.

Als wichtigste Aufgabe gilt, gemeinsame Interessen der wissenschaftlichen Einrichtungen gegenüber Staat und Kirche wahrzunehmen sowie die hochschulpolitischen Aufgaben der Fakultäten und Institute zu koordinieren. Enge Verbindungen bestehen zum Evangelisch-Theologischen und zum Philosophischen Fakultätentag.

Eine Studentin blättert in einem Buch im Lesesaal einer theologischen Fakultät / © Cristian Gennari/Romano Siciliani (KNA)
Eine Studentin blättert in einem Buch im Lesesaal einer theologischen Fakultät / © Cristian Gennari/Romano Siciliani ( KNA )
Quelle:
DR