Extremisten zerstören Kirchen in Pakistan

"Es ist absolut schrecklich"

In Pakistan haben Medienberichten zufolge muslimische Extremisten mindestens 15 kirchliche Gebäude und Häuser von mehreren hundert Christen zerstört. Auslöser der Angriffe war eine mutmaßliche Schändung des Koran.

 Eine wütende Menschenmenge hat in Pakistan Kirchen in Brand gesetzt.  / © K.M. Chaudary (dpa)
Eine wütende Menschenmenge hat in Pakistan Kirchen in Brand gesetzt. / © K.M. Chaudary ( dpa )

Auch die Beleidigung des Propheten Mohammeds durch einen Christen soll Grund dafür sein. Besonders betroffen war die Stadt Jaranwala, nahe der Großstadt Faisalabad im Osten des Landes. Zahlreiche Christen flüchteten aus ihren Häusern, nachdem Fanatiker Steine geworfen und Gebäude angezündet haben, wie lokale Ansprechpartner dem weltweiten katholischen Hilfswerk "Kirche in Not" (ACN) berichten.

"Situation ist besorgniserregend"

Der Generalvikar der Diözese Faisalabad, Abid Tanveer, berichtete nach einem Besuch in Jaranwala von einer großen Unsicherheit unter der Bevölkerung. "Die Situation ist besorgniserregend. Die Christen haben Angst. Viele Leute haben alles verloren. Sie wissen nicht, was sie nun tun sollen oder wohin sie gehen können. Bitte beten Sie für uns", sagte er. Ein weiterer Priester berichtete, dass aufgrund der Ausschreitungen bis zu 2000 Menschen ihre Häuser verlassen hätten.

13 Kirchen angegriffen und teilweise in Brand gesteckt

Der Generalvikar bestätigte, dass 13 Kirchen unterschiedlicher christlicher Konfessionen angegriffen und teilweise in Brand gesteckt worden seien. Der Priester einer Pfarrei in Jaranwala, so der Generalvikar weiter, hatte sich in seinem Pfarrhaus eingeschlossen, nachdem eine Gruppe aufgebrachter Menschen das Haus umstellt habe. Später hätte der Mob einen Teil des Gebäudes angezündet.

"Es ist absolut schrecklich"

Weitere Augenzeugen, die das Hilfswerk "Kirche in Not" kontaktiert hat, berichteten, dass die wütende Menge Möbel auf die Straße geworfen und den Tod des mutmaßlichen Gotteslästerers gefordert hätten. Es gibt sogar Berichte, dass per Lautsprecher von Moscheen zur Gewalt aufgerufen worden sei. Eine Kontaktperson sagte gegenüber "Kirche in Not": "Es ist absolut schrecklich. Wir wissen nicht, was als nächstes passiert".

Blasphemie kann in Pakistan mit Haft oder dem Tod bestraft werden. Die Zahl der Christen in Pakistan liegt bei unter zwei Prozent der Gesamtbevölkerung.

Christen in Pakistan

Staatsreligion in Pakistan ist der Islam, 96 Prozent der Einwohner sind Muslime. Das Christentum ist nach dem Hinduismus die zweitgrößte Minderheitsreligion im Land. Gleichzeitig sind die Christen dort besonders bedroht. Wegen Blasphemie verhängen die Gerichte immer wieder Todesstrafen. Dabei genügen schon des Trinken aus einem Brunnen oder eine unliebsame Kurznachricht als Grund. (DR, 01.01.2021)

Pakistanische Christen feiern wegen Corona-Maßnahmen zu Hause Gottesdienst / © Fareed Khan (dpa)
Pakistanische Christen feiern wegen Corona-Maßnahmen zu Hause Gottesdienst / © Fareed Khan ( dpa )
Quelle:
KiN