Experten für Missbrauchskommissionen benannt

Je zwei Personen pro NRW-Bistum

Nach beinahe einem Jahr Suche hat die nordrhein-westfälische Landesregierung ihre Experten für die Aufarbeitungskommissionen in den fünf katholischen NRW-Bistümern benannt. Für jede Diözese sind das jeweils zwei Personen.

Symbolbild Missbrauch in der Kirche / © Andreas Gebert (dpa)
Symbolbild Missbrauch in der Kirche / © Andreas Gebert ( dpa )

Die Namen der zehn Frauen und Männer schickte der Chef der Staatskanzlei, Nathanael Liminski, am Montag an Landtagspräsident Andre Kuper, wie die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) aus Regierungskreisen erfuhr. Liminskis Bericht soll am Donnerstag in den Hauptausschuss beraten werden. Die Grünen-Fraktion hatte um eine solche Stellungnahme gebeten.

In den Diözesen sollen Kommissionen entstehen

Nach einer Absprache des bisherigen Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, und der deutschen Bischöfe sollen in den Diözesen Kommissionen entstehen, die Missbrauch durch Geistliche aufarbeiten.

Diesen Gremien sollen neben Betroffenen und Vertretenden der jeweiligen Diözese weitere Experten etwa aus dem Bereich Wissenschaft oder Justiz angehören. Die Fachleute sollen die Landesregierungen benennen. Für einige Bistümer außerhalb von NRW ist dies bereits geschehen.

Nathanael Liminski im September 2020 / © Roland Weihrauch (dpa)
Nathanael Liminski im September 2020 / © Roland Weihrauch ( dpa )

Ende März 2021 wandte sich die Vertretung der fünf NRW-Bistümer an die Landesregierung mit der Bitte, je zwei Experten pro Diözese zu benennen. Die Landesregierung setzte verschiedene Kriterien an, wie aus Liminskis Schreiben hervorgeht. So soll es zum Beispiel eine ausgewogene Verteilung von Männern und Frauen sowie der Fachgebiete geben.

Schwierige Suche

Den Personalvorschlägen aus einigen Bistümern sei die Staatskanzlei nicht gefolgt, da dies der Idee der Unabhängigkeit widersprochen hätte. Mehrere von der Staatskanzlei angesprochene Experten hätten Bedenken geäußert und schließlich abgelehnt, so Liminski.

Nun sind dem Bericht zufolge benannt: die ehemalige Richterin am Amtsgericht Aachen, Dorothee Roggendorf, und die frühere Abteilungsleiterin in der NRW-Staatskanzlei, Maria Huesmann-Kaiser, für das Bistum Aachen; die Ex-Oberstaatsanwältin Gerda Berens und der frühere Regierungspräsident des Regierungsbezirks Münster, Reinhard Klenke, für das Bistum Essen; die ehemalige Staatssekretärin im NRW-Familienministerium, Marion Gierden-Jülich, und der Rechtswissenschaftler Stephan Rixen für das Erzbistum Köln; der Vorsitzende des Münsteraner Instituts für soziale Arbeit, Christian Schrapper, und die Jugenddezernentin des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe, Birgit Westers, für das Bistum Münster; die frühere Leitende Oberstaatsanwältin Birgit Cirullies und der Präsident des Landgerichts Arnsberg, Peter Clemen, für das Erzbistum Paderborn.

Bischof Wilmer für größere Rolle des Staates bei Missbrauchsaufarbeitung

Der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer plädiert dafür, dass der Staat eine größere Rolle bei der Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs in seiner Kirche übernimmt.

Wenn die Staatsanwaltschaften noch stärker als jetzt die Initiative dazu übernehmen wollten, sei er sofort dazu bereit, sagte Wilmer in einem Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Er begrüße es, dass die neue Bundesregierung laut Koalitionsvertrag die Aufarbeitung zumindest begleiten und kontrollieren wolle.

Heiner Wilmer, Bischof von Hildesheim / © Harald Oppitz (KNA)
Heiner Wilmer, Bischof von Hildesheim / © Harald Oppitz ( KNA )
Quelle:
KNA