DOMRADIO.DE: Es war Ihre erste Fastenpredigt als Abt in Maria Laach. Welches Gefühl hatten Sie anschließend?“
Pater Dr. Mauritius Wilde OSB (Abt von Maria Laach): Ich habe mich sehr gefreut, dass so viele Menschen da waren. Das war überraschend und sehr schön.
DOMRADIO.DE: Ihre Predigt war auch ein Appell gegen den Materialismus dieser Zeit. Gleichzeitig betonten Sie, man solle dankbar sein für Dinge, die man besitzt, und auch für etwas, was man nicht besitzt. Wie kann man das lernen?
Wilde: Das ist das typische Maß der Benediktiner. Die sind nie extrem und schließen nie etwas komplett aus, sondern versuchen, eine gute Balance zu halten. Es gehört dazu, dass man nicht an etwas festklebt und sich auch mal was gönnt.
DOMRADIO.DE: Es liegt vermutlich in der Natur des Menschen, sich eher etwas zu gönnen als sich etwas nicht zu gönnen. Haben Sie einen Tipp für den Verzicht?
Wilde: Learning by doing. Nur wenn man die Erfahrung gemacht hat, auf etwas verzichten zu können, kann man schauen, ob es einem damit besser geht. Man muss das mal schlichtweg ausprobieren. Dann merkt man, dass weniger mehr sein kann und dass man spirituell vor allem offener wird. Bei uns geht es ja darum, spirituell zu wachsen. Und tatsächlich: Das wirkt wirklich!
DOMRADIO.DE: Besonders jetzt in der Fastenzeit kann man das ja versuchen. Auf was verzichten Sie denn?
Wilde: (lacht) Das verrate ich nicht. Das gehört zum Beichtgeheimnis.
DOMRADIO.DE: Jetzt steht in Maria Laach wieder eine Reihe von Fastenpredigten an. Den Auftakt haben Sie gestaltet. Auch politische Prominenz hat sich angekündigt, etwa Altbundeskanzlerin Angela Merkel. Warum kommen diese bekannten Gesichter nach Maria Laach?
Wilde: Diese Menschen sind ja wichtige Stimmen im gesellschaftlichen Konzert. Unser Ansatz ist, dass aus der Vesper und aus dem Abendgebet der Mönche heraus etwas gesprochen wird. Und dass dies dann ein Impuls für die Menschen ist, damit und daran weiterzudenken.
DOMRADIO.DE: Diese Fastenpredigten sind für Sie von großer Relevanz – stimmen Sie dem zu?
Wilde: Ja, die Fastenzeit ist so eine wichtige Zeit. Wir lernen ja gerade von unseren muslimischen Brüdern und Schwestern, wie sie den Ramadan feiern und wie das auch Gemeinschaft schafft. Wir wollen mit den Fastenpredigten ein wenig dazu beitragen, dass wir auch als Christinnen und Christen wieder zusammenwachsen und diese Zeit bewusst nutzen. Die Liturgie nennt diese Fastenzeit eine Zeit der Gnade. Sie ist ein Geschenk.
Das Interview führte Bernd Knopp.