EU-Bischöfe fordern mehr Hilfen für Menschen in psychischen Krisen

Europäische Woche der psychischen Gesundheit

Was hilft im Kampf gegen Depressionen, Ängste und Suchterkrankungen? Mit diesem Thema beschäftigt sich die Europäische Woche der psychischen Gesundheit. Die katholischen Bischöfe in der EU sehen Handlungsbedarf auf vielen Ebenen.

Hinweisschild am Sitz der Kommission der Bischofskonferenzen der Europäische Union (COMECE) / © Julia Steinbrecht (KNA)
Hinweisschild am Sitz der Kommission der Bischofskonferenzen der Europäische Union (COMECE) / © Julia Steinbrecht ( KNA )

Die katholischen Bischöfe in Europa fordern mehr Hilfen für Menschen in psychischen Krisen. Mit medizinischer Begleitung allein sei es nicht getan, heißt es in einem am Donnerstagabend von der Kommission der EU-Bischofskonferenzen COMECE in Brüssel veröffentlichten Papier zur diesjährigen Europäischen Woche der psychischen Gesundheit. Die Herausforderungen seien komplex und oft miteinander verknüpft, so die Bischöfe.

Viele Jugendliche sind während der Corona-Krise in ein psychisches Loch gefallen / © Antonio Guillem (shutterstock)
Viele Jugendliche sind während der Corona-Krise in ein psychisches Loch gefallen / © Antonio Guillem ( shutterstock )

Seit der Corona-Pandemie hätten beispielsweise Depressionen und Angstzustände sowie soziale Isolation und Drogenmissbrauch zugenommen, halten die Bischöfe in dem 21-seitigen Papier fest. Auch Faktoren wie humanitäre Krisen, Migration, eine alternde Bevölkerung und wirtschaftlicher Druck wirkten sich negativ auf die mentale Gesundheit der Bevölkerung aus.

Familien stärken

Zu den vorgeschlagenen Gegenmaßnahmen gehört eine bessere Unterstützung von Familien, die für notleidende Angehörige oft erste Anlaufstellen seien. Angesichts einer wachsenden Digitalisierung des Gesundheitswesens warnt die Kommission der EU-Bischofskonferenzen vor falschen Weichenstellungen. Digitale Technologien müssten den Menschen dienen und dürften echte Beziehungen etwa zu einem Therapeuten nicht ersetzen.

Was Flüchtlinge und Migranten anbelangt, so sei für deren psychische Gesundheit eine frühe gesellschaftliche und sprachliche Integration von großer Bedeutung. In diesem Zusammenhang sprechen sich die Bischöfe auch für Familienzusammenführungen aus.

Würde am Lebensanfang und -ende

Mit Blick auf den Anfang des Lebens äußern sich die Bischöfe kritisch zur Leihmutterschaft. Aktuelle Forschungen zeigten, dass die Bindung zwischen Mutter und Kind nicht nur ein soziales oder kulturelles Konstrukt sei, "sondern ein tief verwurzelter physiologischer und biologischer Prozess".

Weiter spricht sich die Kommission der EU-Bischofskonferenzen für einen Ausbau der Palliativversorgung für unheilbar kranke und sterbende Menschen aus. Die spirituelle Begleitung sei hierbei unerlässlich. Sie trage dazu bei, "dass kein Patient in Isolation, Verzweiflung oder einem Gefühl der Sinnlosigkeit leiden muss".

Die EU-Bischofskommission COMECE

Etwa die Hälfte der Bewohner in der Europäischen Union sind nach Vatikan-Angaben Katholiken. Um den Dialog mit EU-Institutionen zu pflegen und Anliegen der katholischen Kirche zu Gehör zu bringen, unterhalten die Bischofskonferenzen der 27 Mitgliedstaaten eine eigene Kommission, die COMECE. Die Abkürzung steht für das lateinische "Commissio Episcopatum Communitatis Europensis".

Eingangsschild am Sitz der COMECE in Brüssel / © Julia Steinbrecht (KNA)
Eingangsschild am Sitz der COMECE in Brüssel / © Julia Steinbrecht ( KNA )
Quelle:
KNA