Erzbistum Köln zieht ein Fazit des Katholikentags

"Alle heißen Eisen angepackt"

Auch das Erzbistum Köln war beim Katholikentag in Stuttgart vertreten. Man habe zugehört und sei mit Kritikerinnen und Kritikern ins Gespräch gekommen, sagt die Leiterin der Hauptabteilung Seelsorge des Erzbistums, Petra Dierkes.

Teilnehmende beim Katholikentag / © Harald Oppitz (KNA)
Teilnehmende beim Katholikentag / © Harald Oppitz ( KNA )

DOMRADIO.DE: Über viele Themen wurde diskutiert. Fünf Tage haben sich die Menschen analog nach der langen Corona-Pause ausgetauscht. Wie haben Sie den 102. Katholikentag erlebt? 

Dipl. Theol. Petra Dierkes / © Boecker
Dipl. Theol. Petra Dierkes / © Boecker

Petra Dierkes (Leiterin der Hauptabteilung Seelsorge im Erzbistum Köln): Es war ein Katholikentag, der, wie Sie schon sagten, von der Freude lebte, sich analog zu sehen. Ich bin einigen Menschen beim Eröffnungsgottesdienst auf dem Schlossplatz begegnet, die ich immer nur digital gesehen hatte. Wir haben voreinander gestanden und gesagt: Bist du das jetzt in Live? Das war schon eine große Freude, dass man sich wieder real sehen konnte, miteinander sprechen konnte. 

DOMRADIO.DE: Sie waren dort, um das Erzbistum Köln zu repräsentieren, hatten einen Stand. Wie war das Erzbistum Köln vor Ort aktiv? 

Dierkes: Wir waren mit einem neuen Konzept aktiv. Wir waren auf vielen Beinen unterwegs, an vielen Orten, mit vielen Themen. Das Erzbistum selbst hatte drei große Themenschwerpunkte über die Tage verteilt und hat dort zum Gespräch eingeladen. "Dialog zwischen den Stühlen" haben wir das genannt und wir haben die Themen "Schöpfungsverantwortung", "Interreligiösen Dialog" und "An die Ränder gehen" stark gemacht.

Am Freitag war unser Generalvikar Markus Hofmann da und hat dieses dritte Thema auf die DOMRADIO.DE-Bühne gebracht. Und danach kamen wir noch ins Gespräch. Das war die Idee. Nicht nur zuhören, sondern auch miteinander ins Gespräch kommen zum Thema: Wie können wir Menschen am Rand erreichen? Das war sehr spannend, sehr interessant. 

Petra Dierkes, Leiterin der Hauptabteilung Seelsorge im Erzbistum Köln

"Da wurde nichts zurückgehalten."

DOMRADIO.DE: Wenn Sie sagen "ins Gespräch kommen", dann klingt das immer sehr harmlos. Ich kann mir aber auch vorstellen, es gab Leute an Ihrem Stand mit sehr kritischen Worten zum Erzbistum, oder? 

Dierkes: Das ist richtig. In dem Augenblick, wo Erzbistum oder auch DOMRADIO.DE gesichtet wurde - DOMRADIO.DE bespielte ja einen großen Platz mitten in der Innenstadt von Stuttgart -, da wurde nichts zurückgehalten. Da haben wir über alles gesprochen, was uns gerade bewegt. Es waren viele Menschen vor Ort, und wir haben alle heißen Eisen auch angepackt. 

DOMRADIO.DE: Das Motto lautete "Leben teilen". Inwiefern ist denn der Katholikentag diesem Motto gerecht geworden? 

Dierkes: Er ist ihm durch viele Stände gerecht geworden. Man muss sich das wie bei anderen Katholikentagen auch, mit vielen, vielen Themen, mit vielen Menschen, denen man dort begegnen konnte, vorstellen. Es gab viele Podien, viele gesellschaftlich und gesellschaftspolitisch interessante Themen, die dort aufgegriffen wurden.

Sehr dominant war der Ukraine-Krieg. Der war sozusagen der blau-gelbe Faden durch alle Veranstaltungen. Dort ging es um Leben teilen, es ging darum, wesentlich zu werden, das abzugeben, was da ist. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat ja auch bei der Eröffnungskundgebung darauf hingewiesen, dass es uns allen bald wirklich auch an den Kragen geht. Es geht ja darum, all das, was wir haben, genauer anzusehen und zu sagen: Das ist nicht unser. Das ist nicht nur für Deutschland, für das Erzbistum Köln, sondern das ist für eine größere Gruppe von Menschen gedacht. 

Petra Dierkes, Leiterin der Hauptabteilung Seelsorge im Erzbistum Köln

"Dort ging es um Leben teilen, es ging darum, wesentlich zu werden, das abzugeben, was da ist."

DOMRADIO.DE: Was hat in Ihren Augen gut funktioniert? Wo kann man oder muss man vielleicht sogar ein bisschen nachsteuern? 

Dierkes: Es hat gut funktioniert, dass es ein Katholikentag in der Stadt war. Er war nicht irgendwo in der Messehalle abgetrennt. Er war draußen, er war mit viel Bewegung verbunden. Man konnte vielen Menschen begegnen.

Es hat aber auch manches nicht so gut geklappt. Da sollte man auch nichts schönreden. Ich denke mit 27.000 Menschen war die Zahl der Teilnehmenden gering. Da sollte das Zentralkomitee der deutschen Katholiken als Ausrichter dieses Katholikentages überlegen, ob da nicht etwas neu gedacht und auch neu fokussiert werden sollte.

Ich würde ihnen vorschlagen, sich mehr auf Themen zu kaprizieren und auch die jungen Menschen in den Mittelpunkt zu stellen. Die waren ein bisschen außen vor in Stuttgart, auch räumlich außen vor, in einem Vorort. Es wäre wünschenswert, dass man die in den Mittelpunkt holt, ihnen eine große Bühne und große Sichtbarkeit gibt und dementsprechend auch die anderen Menschen rundherum mitnimmt. 

Das Interview führte Tobias Fricke.

Katholikentage

Katholikentage sind Treffen, bei denen sich die Kirche mit ihren Verbänden und Institutionen über mehrere Tage öffentlich präsentiert. Sie finden in der Regel alle zwei Jahre in wechselnden Städten statt.

Bei Katholikentagen diskutieren zehntausende Christen über kirchliche und gesellschaftspolitische Themen und feiern Gottesdienste. Veranstalter ist das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK); Gastgeber ist die jeweilige Diözese des Austragungsortes.

Flyer und Becher mit Bleistiften des 102. Deutschen Katholikentags in Stuttgart / © Gerhard Baeuerle (epd)
Quelle:
DR