Erzbistum Köln wirbt auf "didacta" für mehr religiöse Bildung

"Schule hat eine Seele"

Die "didacta" gilt als größte Bildungsmesse Europas. Bis zum 14. März trifft sich die Bildungsbranche in Köln. Auch die Kirchen sind wieder mit einem eigenen gemeinsamen Stand vertreten, mit dem Motto "Schule hat eine Seele".

Autor/in:
Moritz Mayer
Schulunterricht / © Julia Steinbrecht (KNA)
Schulunterricht / © Julia Steinbrecht ( KNA )

DOMRADIO.DE: Auf der Bildungsmesse geht es um Digitalisierung, Unterrichtsmethoden oder auch den Fachkräftemangel. Wieso braucht es da einen Stand der Kirchen? 

Christoph Westemeyer (Fachbereichsleiter im Bereich Schule und Hochschule im Erzbistum Köln): Zunächst geht es um die gesamte Bandbreite dessen, was Schule ist: von Inhalten, Verlagswesen, Verbänden und Ministerien bis hin zu der Frage, wie eine Schulmensa heute gebaut sein muss oder ob es Schulkleidung geben kann. 

Wir als Kirchen sind ein wichtiger Player innerhalb des Bereichs Schule und Kitas und wir wollen auch darauf noch mal hinweisen, dass religiöse Bildung ein wesentlicher Bestandteil von allgemeiner Bildung insgesamt ist. 

Die evangelische Kirche und erst recht die katholische Kirche sind große Bildungsträger, nämlich die größten innerhalb von Deutschland, was die Ersatzschulen angeht. Das Erzbistum Köln mit seinen 33 eigenen Schulen ist der größte Ersatzschulträger in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Um das darzustellen, sind wir auf der "didacta". 

DOMRADIO.DE: Das Motto lautet "Schule hat eine Seele". Jetzt würden Kritiker vielleicht sagen, dass Schulen vor allem für Lehrpläne, Klassenarbeiten und Leistungsdruck bekannt sind. Wo ist denn der Platz für eine sich frei entfaltende Schule? 

Stand der katholischen Kirchen auf der didacta / © Harald Oppitz (KNA)
Stand der katholischen Kirchen auf der didacta / © Harald Oppitz ( KNA )

Westemeyer: Zunächst wäre es richtig, dass man das nicht gegeneinander ausspielt. Schule ist ein Ort, an dem gelernt wird und wo Leistung gebracht wird. Aber wir haben unseren Stand bewusst mit der These versehen, dass Schule eine Seele hat. 

Das ist erst mal eine These, aber eben auch ein Auftrag an uns. Wir als Kirche können in besonderer Weise daran mitwirken, dass nicht vergessen wird, dass wir mit Menschen zu tun haben, die Sinnfragen haben, die Fragen weit über den Unterricht hinaus, und dass das in der Schule auch seinen Ort hat. 

Deshalb sind wir auf der "didacta", deshalb machen wir es etwas anders als die Verlage und auch die Ministerien. Deshalb haben wir Kunst am Stand, deshalb machen wir etwas für ästhetische Bildung und eben nicht nur rein kognitive Bildung, weil Schule eben eine Seele hat. Dafür stehen Kirchen in besonderer Weise. 

DOMRADIO.DE: Im Programm geht es auch um Rassismus, Demokratie oder Klimaschutz, also Themen, die über die religiöse Bildung im Allgemeinen hinausgehen. Warum legen Sie hierauf einen Fokus, auch gerade im Erzbistum Köln? 

Westemeyer: Weil sich das nicht ausschließt. Nachhaltige Bildung ist religiöse Bildung in einem weiteren Sinne. Ästhetische Bildung ist auch religiöse Bildung. Aber natürlich geht es auch im engeren Sinne um religiöse Bildung im Religionsunterricht und die Frage, welche Inhalte über den Glauben dort vermittelt werden. 

Wir wollen eben zeigen, dass sich nichts ausschließt, sondern alle Fragen immer auch eine religiöse Dimension haben und wir dies am Stand und in der Podiumsdiskussion, die wir dort ausrichten, in besonderer Weise zeigen wollen. Die "didacta" macht den Kirchenstand auch dieses Jahr wieder zu einer Sonderschau, hebt ihn also in besonderer Weise hervor und will auch damit zeigen, dass das, was die Kirchen in den Bildungsprozess einbringen, wichtig und unverzichtbar ist. 

Demokratie leben! steht auf Stofftaschen auf der Bildungsmesse didacta / © Rolf Vennenbernd (dpa)
Demokratie leben! steht auf Stofftaschen auf der Bildungsmesse didacta / © Rolf Vennenbernd ( dpa )

DOMRADIO.DE: Und doch sieht man anhand von Zahlen, dass aktuell nur noch jedes zweite Schulkind in Deutschland katholischen oder evangelischen Religionsunterricht besucht. Warum sind religiöse Bildung und auch Religionsunterricht auch heute immer noch wichtig für junge Menschen? 

Westemeyer: Weil wir glauben, dass man Kindern etwas vorentält, wenn man sie nicht wenigstens mit dieser Frage konfrontiert. 

Weil die Frage nach dem Sinn des Lebens oder die Verunsicherung, die durch Krieg und KI und all die Dinge, die junge Menschen jeden Tag bewältigen müssen, irgendwo ventilieren müssen. 

Der Religionsunterricht ist ein guter Ort dafür, das zu tun und eine Sinnfrage zu stellen und Antwortmöglichkeiten aus dem Glauben zu bekommen. Ob sie die später übernehmen und sich vielleicht sogar taufen lassen oder ob sie die nicht übernehmen und vielleicht eher kritisch draufschauen, ist Teil des Bildungsprozesses. Aber wir würden natürlich immer dafür werben, dass es sinnvoll ist, ein Leben aus dem Glauben zu führen. 

DOMRADIO.DE: Sie haben einen besonderen Stand bekommen auf der "didacta". Warum sollten Lehrkräfte, Expertinnen und Experten und Besucherinnen und Besucher ausgerechnet bei Ihrem Stand stehen bleiben? 

Mit auf der didacta dabei: die Kirchen / © Friso Gentsch (dpa)
Mit auf der didacta dabei: die Kirchen / © Friso Gentsch ( dpa )

Westemeyer: Weil wir versuchen, die ganze Breite dessen abzubilden, was Schule aus unserer Sicht ist: Da sind Beiträge zu nachhaltiger Entwicklung, ein Lampedusa-Projekt von einer unserer Schulen. Da sind Menschen, die über Resilienzfragen für Lehrkräfte sprechen. Da geht es um die Frage Schöpfung bewahren, Tiere und Umwelt in der Bibel. Und da geht es um Fragen, die genereller Art sind, wenn es um bildungstheoretische Fragen geht. 

Das Interview führte Moritz Mayer.

Quelle:
DR

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