Erzbistum Köln bietet Ausbildung zur Kinderchorleitung

Musikalisches Gespür und gute Stimme

Singen gehört in Schulen, Kitas und Kirchen im Erzbistum Köln nach Corona wieder zum Alltag. Für alle, die Interesse daran haben, einen Kinderchor zu leiten, bietet das Erzbistum Köln eine spezielle Ausbildung an.

Singende Kinder / © SpeedKingz (shutterstock)

DOMRADIO.DE: Mit dieser Ausbildung für neue Leiterinnen und Leiter fördern Sie bewusst die Kinderchöre. Warum? 

Regionalkantor Matthias Röttger, Mettmann / © Gaby Förster  (privat)
Regionalkantor Matthias Röttger, Mettmann / © Gaby Förster ( privat )

Matthias Röttger (Regionalkantor im Kreisdekanat Mettmann): Gesungen wird hoffentlich in ganz, ganz vielen Einrichtungen, sowohl in den Kirchengemeinden, in den Kirchen, aber auch in der Grundschule, in der Kita, in der offenen Ganztagsbetreuung.

Aber oft habe ich das Gefühl, dass sich die Erzieherinnen und Erzieher gar nicht trauen, mit den Kindern zu singen, weil sie sagen, das hätten sie gar nicht so gelernt. Wir haben auch als Fachleute immer wieder das Gefühl, da könnte man nachjustieren. Oft singen die zum Beispiel viel zu tief. 

Matthias Röttger, Regionalkantor im Kreisdekanat Mettmann

"Wir wollen wirklich viele Menschen erreichen, die musikalisches Geschick haben."

DOMRADIO.DE: Was wäre für jemanden, der das mitbekommt, wichtig, damit Sie sagen, dass es passt?

Röttger: Das Wichtigste ist, ein musikalisches Gespür zu haben und eine gute Stimme. Wir setzen nicht einmal große instrumentale Fertigkeiten voraus. Sicherlich ist es gut, wenn man ein Instrument spielen kann, aber das ist gar nicht so wichtig.

Der Kinderchorleiter oder die Kinderchorleiterin soll die Gruppe mit der Stimme führen. Ein Fachvertreter, der in der Nähe wohnt, beschäftigt sich dann mit diesem Bewerber und man guckt, ob die Stimme gut funktioniert, ob man was nachsingen kann, ob man was nachklatschen kann. Also, eine Klaviersonate muss man nicht vorspielen. 

Das Erzbistum Köln

Ende 2020 gehörten 1.868.567 Katholiken zum Erzbistum Köln. Das sind 37.335 weniger als im Jahr davor. Der Rückgang setzt sich zusammen aus 17.281 Kirchenaustritten (2019: 24.298) sowie der Differenz zwischen den Sterbefällen (27.220) und den Taufen (7.845, 2019: 13.438).

Blick auf den Kölner Dom / © Harald Oppitz (KNA)

DOMRADIO.DE: Aber den Bassschlüssel vom Violinschlüssel unterscheiden...

Röttger: Auch nicht unbedingt. Denn die Kinderchorlieder stehen zunächst mal alle im Violinschlüssel. Wir wollen wirklich viele Menschen erreichen, die musikalisches Geschick haben. 

DOMRADIO.DE: Was lernt die Kandidatin, der Kandidat dann in der Ausbildung bei Ihnen? Liturgik zum Beispiel?

Röttger: Ja, in einem Kompaktseminar wird ein Überblick über das Kirchenjahr gegeben. Aber wir vermitteln vor allen Dingen musikalische Grundkenntnisse - ein bisschen Musiktheorie, aber auch alles auf niedrigem Niveau.

Wir versuchen dann immer auch eine exemplarische Kinderchorprobe mit den Teilnehmern zu machen. Mit zunehmendem Unterrichtsfortschritt übernehmen dann auch Teilnehmer dieses Kurses einzelne Probenelemente.

Wir unterrichten aber auch nach der Kölner Chorschule. Das ist eine Chorschule, nach der man das Singen nach Noten ganz systematisch aufbauend lernt. Und wir machen etwas Schlagtechnik - also wie dirigiere ich eine Gruppe? 

DOMRADIO.DE: Kinderchor kann ja alles Mögliche bedeuten. Die Ausbildung ist für die komplette Altersspanne gedacht? 

Röttger: Wir haben zehn Unterrichtsstunden. Die elfte Stunde ist dann Zeugnisvergabe und eine Literaturstunde. In diesen Einheiten gehen wir durch das komplette Spektrum.

Schwerpunktmäßig konzentrieren wir uns auf den Grundschulbereich. Wir wollen aber auch mit unseren Lied-Beispielen den Kindergartenbereich etwas abdecken und dann auch in die leichte Zweistimmigkeit - das wäre dann so 5. und 6. Schuljahr.

Also im Prinzip versuchen wir doch, Grundkenntnisse für das gesamte Kinderchorspektrum zu vermitteln. 

DOMRADIO.DE: Wer Interesse hat, sollte sich ziemlich bald melden. Informationen sind auf der Webseite des Erzbistums Köln zu finden. Nach den Sommerferien geht es dann schon los.

Röttger: Ja, bis zum 1. Juni sollte man das Kontaktgespräch mit einem Ansprechpartner vor Ort führen, also mit mir oder einem Ansprechpartner in Bonn, damit das noch alles durch die Bürokratie geht und man sich fristgerecht angemeldet hat. 

DOMRADIO.DE: Wer zur Ausbildung angenommen wird, zahlt eine Pauschale. Es soll nicht kostenlos sein. 

Röttger: Nein, die Ausbildung kostet 250 Euro. Aber das Set Kölner Chorschule kostet beim Carus-Verlag 99 Euro. Das ist da zum Beispiel mit drin. Dann bleibt gar nicht mehr so viel Geld.

Aber davon müssen dann auch Referenten bezahlt werden. Eine Gesangspädagogin macht Stimmbildung mit den Teilnehmern. Also da fallen gewisse Kosten an. Das Ganze ist für das Erzbistum Köln mit Sicherheit ein Zuschussbetrieb. 

Das Interview führte Tobias Fricke.

Quelle:
DR