Erzbistum Köln begeht den "Tokyo-Sonntag"

Mehr als eine Tradition

Seit über 70 Jahren sind die Erzbistümer Köln und Tokio einander partnerschaftlich verbunden. Der letzte Sonntag im Januar wird in Köln traditionell als "Tokyo-Sonntag" begangen und hat eine lange Tradition.

Autor/in:
Ina Rottscheidt
Der Erzbischof von Tokio, Tatsuo Peter Doi, und Kardinal Josef Frings (v.l.) / © N.N. (KNA)
Der Erzbischof von Tokio, Tatsuo Peter Doi, und Kardinal Josef Frings (v.l.) / © N.N. ( KNA )

An diesem Sonntag (25. Januar 2026) begeht das Erzbistum Köln seinen traditionellen "Tokyo-Sonntag": Die zentrale Feier um 12 Uhr im Bonner Münster steht im Zeichen einer internationalen Partnerschaft, die weit über die beiden beteiligten Diözesen hinausweist.

Die enge Verbindung zwischen Köln und Tokio hat eine lange Geschichte: 1954 begründeten der Kölner Kardinal Josef Frings und sein damaliger japa­nischer Amts­bruder Peter Tatsuo Doi aus Tokio eine "Gebets- und Hilfsgemeinschaft", die bis heute eine der ältesten partnerschaftlichen Beziehungen zwischen deutschen und außereuropäischen Ortskirchen ist.

Start in den Nachkriegsjahren

In den Anfangsjahren nach dem Zweiten Weltkrieg standen die materielle Hilfe und ein Beitrag zur Rehabilitierung der Länder im Vordergrund: "Beide waren Kriegsverlierer", erklärt Marianne Bauer, Leiterin des Fachbereichs Geistliches Leben, Bibel und Liturgie im Erzbistum Köln, die das Partnerbistum 2024 bereits besucht hat. "Jahrzehntelang hat die Kölner Kirche das Erzbistum Tokio finanziell unterstützt, sodass über die Jahre da sehr viel wachsen konnte."

Marienkathedrale von Tokio / © Alexander Brüggemann (KNA)
Marienkathedrale von Tokio / © Alexander Brüggemann ( KNA )

Mit Einnahmen aus der alljähr­lichen Kollekte unterstützten die Kölner Katho­liken beispielsweise den Neubau der Marienkathedrale von Tokio, die 1964 geweiht wurde, ebenso wie den Ausbau der katho­lischen Sophia-Universi­tät. Im Verlauf der Jahrzehnte entwickelte sich diese Verbindung zu einer partnerschaftlichen Beziehung im Glauben. Bis heute besuchen Bischöfe beider Bistümer sich gegenseitig und beleben gemeinsame Anliegen.

Fokus Myanmar

Seit dem japanischen Wirtschaftsaufschwung der 1960er- und 70er-Jahre ist eine finanzielle Unterstützung für das Partnerbistum Tokio nicht mehr nötig. Daher entschied sich die Kirche in Tokio ihrerseits zu einer regel­mäßigen Hilf­saktion zugunsten der Kirche in Myanmar. Auch die in Köln gesammelten Spenden am "Tokyo-Sonntag" gehen mittlerweile dorthin.

Das Land gehört zu den ärmsten der Welt. Im März 2025 kamen bei einem starken Erdbeben mehr als 3000 Menschen ums Leben. Und seit dem Militärputsch im Jahr 2021 sind weite Teile der Bevölkerung mit Gewalt, Vertreibung und politischer Instabilität konfrontiert. Die Kirche vor Ort leistet nicht nur pastoralen Beistand, sondern setzt sich darüber hinaus für den Dialog jenseits von Religion und Ethnie ein und begleitet Menschen in Not.

Dompropst Guido Assmann, Generalvikar des Erzbischofs von Köln / © Beatrice Tomasetti (DR)
Dompropst Guido Assmann, Generalvikar des Erzbischofs von Köln / © Beatrice Tomasetti ( DR )

"Das Einzige, was die Regierung macht, ist, junge Männer ins Militär zu ziehen, Bomben auf Dörfer zu werfen und Häuser abzubrennen. Das ist eine große Spannung", berichtete Generalvikar Guido Assmann im Interview mit DOMRADIO.DE, nachdem er im August 2025 selbst dort mit einer Delegation des Erzbistums Köln zu Besuch gewesen war. Er wird bei beim zentralen Gottesdienst in Bonn am 25. Januar auch die Predigt halten.

Christen in Myanmar im Fokus der Gewalt

Christen sind in Myanmar eine kleine Minderheit. Immer wieder kommt es zu Gewalt gegen Gemeinden und Brandanschlägen auf Kirchen. Erst im März dieses Jahres wurde die Kathedrale von Banmaw im Osten des Landes in Brand gesetzt. Solche Aktionen dienten dazu, den Widerstand zu brechen, berichtet Bettina Tiburzy vom katholischen Missionswerk missio. Die Christen vor Ort beteiligten sich an den Protesten gegen das Militär und forderten Demokratie: "Christen gehören überwiegend den ethnischen Minderheiten des Landes an und die Militärjunta führt Krieg gegen religiöse und ethnische Minderheiten."

In allen Gottesdiensten des Erzbistums Köln wird am kommenden Sonntag für die Christen in Myanmar gebetet. In den Fürbitten wird auch die Verbundenheit mit der katholischen Kirche in Tokio ausgedrückt und um eine gute Zukunft der Kirche sowie um Berufungen, insbesondere Priesternachwuchs, gebetet. Gleichzeitig feiern die Katholiken in Tokio den sogenannten "Köln-Sonntag" – ein Spiegelbild dieser Partnerschaft.

Rainer Maria Kardinal Woelki und Erzbischof Tarcisio Isao Kikuchi SVD / © Beatrice Tomasetti (DR)
Rainer Maria Kardinal Woelki und Erzbischof Tarcisio Isao Kikuchi SVD / © Beatrice Tomasetti ( DR )

Die Partnerschaft zwischen Köln und Tokio zeigt exemplarisch, wie eine Beziehung zwischen Ortskirchen über Jahrzehnte hinweg lebendig bleiben kann: Sie verbindet das Gebet mit Unterstützung. Delegationen, Austauschprogramme, Besuche von Studierenden und kirchlichen Gruppen sowie gemeinsame Initiativen prägen das Verhältnis bis heute. Diese internationale Verbundenheit wird am "Tokyo-Sonntag" sichtbar und soll die Gläubigen einladen, sich der solidarischen Weltkirche bewusst zu sein und gemeinsam für Frieden, Gerechtigkeit und Hoffnung einzutreten.

Hinweis zur Schreibweise von Tokio/Tokyo: Grundsätzlich wird die Stadt Tokio laut Duden mit "i" geschrieben, die Schreibweise mit "y" ist als Nebenform möglich. Der "Tokyo-Sonntag" ist ein feststehender Begriff im Erzbistum Köln und wird daher mit "y" geschrieben. Ansonsten wird in diesem Artikel die Hauptform der Schreibweise genutzt.

Quelle:
DR

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