DOMRADIO.DE: In diesem Jahr ist es etwas ganz besonderes, Regimentsbischof zu sein, denn ihr Regiment, Erzbischof Heiner Koch, stellt das Dreigestirn. Was bedeutet Ihnen das?
Heiner Koch (Erzbischof von Berlin und Regimentsbischof der Prinzengarde): Das war für uns alle aus der Prinzengarde eine große Ehre, in dieser Session das Dreigestirn zu stellen. Das Dreigestirn hat die Session mit großem Ehrgeiz gefeiert. Auch die Vorbereitungen waren viel intensiver als sonst. Es gab viel mehr Veranstaltungen. Das Dreigestirn war auch bei allen Gottesdiensten, die wir gehalten haben, dabei.
Das ist ein sehr sympathisches Dreigestirn. Also wir haben uns darüber gefreut und haben eine gute Session erlebt. Schade, dass es jetzt am Rosenmontagszug ein bisschen regnet.
DOMRADIO.DE: “Mer dun et för Kölle” ist das Kölner Karnevalsmotto in diesem Jahr. Dieses Motto soll das Ehrenamt stärken. Für die katholische Kirche ist das ein sehr willkommenes Motto.
Erzbischof Koch: Mir ist das bei den Reden, die ich in dieser Session halten musste, sehr leicht gefallen, denn Kirche lebt vom Ehrenamt, das wissen wir Hauptamtlichen. Wir kennen das Prinzip Subsidiarität, indem wir sagen, wir helfen einander. Eigentlich sind alle Menschen, die getauft und gefirmt sind, Ehrenamtler für die Kirche. Das ist die größte Ehre, die einer haben kann.
Und zweitens sind wir als Ehrenamtler ein Teil der Gesellschaft. Wir stehen zu dieser Gesellschaft, wir haben keine Sonderwelt als Kirche. Und wir bringen uns in diese Gesellschaft mit unserem Ehrenamt ein. Ich weiß, wie viele Katholiken gerade in Köln ehrenamtlich arbeiten, in kommunalen Vertretungen, in Vereinen, in Verbänden. Das ist enorm. Ohne das Ehrenamt wäre diese Gesellschaft kaputt und wäre nicht lebenswert.
DOMRADIO.DE: Wie wichtig ist gerade in Krisenzeiten der Karneval?
Erzbischof Koch: Ich bin seit Freitag in Köln und habe auch Freunde aus Berlin mit nach Köln gebracht. Die sagen: Die Menschen lachen hier alle. Das fällt einem vielleicht gar nicht auf, aber es ist so. Und alle sind freundlich und grüßen einander, es ist eine heitere Stimmung.
Aber es ist mehr als eine Stimmung. Wie hier die Menschen einander helfen, das ist schon toll. Natürlich gibt es auch hier Krisen. Und natürlich gibt es hier auch das Böse und das Schwierige einer Gemeinschaft. Aber es gibt auch eine Leichtigkeit und eine Verantwortlichkeit, die ist hier kulturell gewachsen - über viele Jahrhunderte. Das ist Köln. Das ist in einer Stadt wie Berlin, die ihren großen Reiz hat, manchmal viel schwieriger.
DOMRADIO.DE: Sie sind als Erzbischof von Berlin natürlich am Aschermittwoch wieder in Berlin. Fällt es ihnen nicht schwer in Berlin, wo gar nicht Karneval gefeiert worden ist, dann den Aschermittwoch zu begehen, der ja eng mit Karneval zu tun hat?
Erzbischof Koch: Naja, es ist schon ein Bruch, aber ich habe hier so viel Schönes erlebt, davon werde ich in Berlin erzählen. Das glauben die mir zwar dann immer nicht, dass das wirklich so war, aber man kann doch einen Funken rüberbringen und dann sehr gut auf die gemeinsame Botschaft des Lebens, auch des Sterbens und der Hoffnung schauen und unseren Weg auf das Osterfest. Also das geht schon und da können die Berliner auch Lebensweisheiten aus dem Rheinland gut gebrauchen.
DOMRADIO.DE: Was würde denn passieren, wenn sie als kostümierter Regimentsbischof durch Berlin laufen würden?
Erzbischof Koch: Ach, das ginge schon, denn in Berlin ist eigentlich alles möglich. Es gibt in Berlin ja nichts, was es nicht gibt. Worüber ich mich aber besonders freue: Ich habe hier in Köln viele Orden gesammelt und die verteile ich am Aschermittwoch an verdiente Berliner Katholiken.