Erstmals mehr Katholiken als Protestanten in Nordirland

45,7 Prozent katholisch

In Nordirland leben erstmals seit 100 Jahren mehr Katholiken als Protestanten. Laut dem aktuellen Zensus sind 45,7 Prozent der Nordiren katholisch und 43,5 Prozent protestantisch. Das ist eine seit Jahren andauernde Entwicklung.

Blick auf Londonderry mit der St. Eugene's Kathedrale / © Rolf G Wackenberg (shutterstock)
Blick auf Londonderry mit der St. Eugene's Kathedrale / © Rolf G Wackenberg ( shutterstock )

Das berichtet die Zeitung "The Independent" auf Basis der am Donnerstag veröffentlichten Volkszählungsdaten vom März 2021 berichtet.  Irland wurde 1921 nach dem irischen Unabhängigkeitskrieg in die Republik Irland und das von Großbritannien regierte Nordirland geteilt.

St-Patrick-Kathedrale in Armagh, Nordirland / © Flying jacket (Wikimedia Commons/gemeinfrei)

Die Volkszählung von 2011 verzeichnete noch 48 Prozent der Nordiren als protestantisch, was bereits fünf Prozentpunkte weniger als 2001 waren. Aktuell gehören 1,5 Prozent der Bevölkerung demnach anderen nichtchristlichen Religionen an. Als keiner Religion zugehörig bezeichneten sich 9,3 Prozent der Bürger, 5,6 Prozent mehr als 2011.

Die Zahlen zu Religion und nationaler Identität sind Teil der zweiten Datenrunde, die aus der Volkszählung 2021 veröffentlicht wird. Laut den im Mai herausgegebenen Daten hat Nordirland eine Rekordbevölkerung von mehr als 1,9 Millionen Bürgern. Weiter gaben 31,9 Prozent der Befragten 2021 an, "nur Briten" zu sein; 8 Prozent bezeichneten sich als "Briten und Nordiren". 29,1 Prozent betrachteten sich demnach als "nur Iren"; als "nur Nordiren" identifizierten sich 19,8 Prozent.

2011 letzte Volkszählung

Bei der Volkszählung 2011, fünf Jahre vor der Brexit-Abstimmung, bezeichneten sich noch 40 Prozent als "rein britisch". 25 Prozent sprachen von einer rein irischen, 21 Prozent von einer ausschließlich nordirischen Identität.

Als Reaktion auf die Ergebnisse forderte der Sinn-Fein-Abgeordnete John Finucane die irische Regierung auf, sich auf die "Möglichkeit eines Einheitsreferendums" vorzubereiten, wie der "Belfast Telegraph" (Donnerstag) berichtet. Die Teilung Irlands sei ein "Fehlschlag", sagte Finucane. Die Ergebnisse der Volkszählung seien "ein weiterer klarer Hinweis darauf, dass auf dieser Insel ein historischer Wandel stattfindet und dass die Vielfalt der Gesellschaft uns alle bereichert".

Quelle:
KNA