Ermittler im Fall Dillinger brauchen konkrete Hinweise

Herausfinden, was passiert ist

Die mit der Aufarbeitung des Missbrauchsfalls um den Priester Edmund Dillinger beauftragten Ermittler suchen konkrete Hinweise von Betroffenen und Mitwissenden. Mit Andeutungen und Gerüchten lasse sich wenig anfangen.

Wohnhaus des verstorbenen Priesters Edmund Dillinger / © Oliver Dietze (dpa)
Wohnhaus des verstorbenen Priesters Edmund Dillinger / © Oliver Dietze ( dpa )

Das sagten die früheren Staatsanwälte Jürgen Brauer und Ingo Hromada am Montag im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Sie wollen mit allen in Kontakt treten, "von denen wir annehmen, dass sie etwas Substanzielles beitragen können", sagte Brauer. Ziel sei, herauszufinden was passiert sei, wer etwas gewusst und wie reagiert habe. Zu sechs Personen aus dem Umfeld der Schule, an der Dillinger von 1979 bis 1999 arbeitete, haben die Ermittler demnach Kontakt. Sie ermitteln als Privatpersonen. "Wenn Leute nicht mit uns reden wollen, so müssen wir das hinnehmen", so Brauer.

Konkrete Angaben benötigt

Der Fall sei weit verzweigt und teilweise lange her. Auch um Hinweisen zu möglichen Taten in Afrika oder Frankreich nachzugehen, seien konkrete Angaben notwendig. "Wir bräuchten Informationen von Betroffenen oder Mitwissenden, die den Ort, den ungefähren Zeitraum und eventuell andere Beteiligte nennen können. Auch Unterlagen und Dokumente könnten weiterhelfen, außer den Bildern etwa Tagebücher oder Briefe. Ansonsten stochern wir im Nebel", sagte Hromada. Darüber hinaus setzen sie auf Infos aus Akten des Bistums und anderer Behörden wie Staatsanwaltschaften, Bildungsministerium und Schulaufsicht.

Zur Vermutung eines Pädophilen-Netzwerks können die Ermittler nichts sagen. "Es ist offen, ob wir da einen Fuß in die Tür bekommen", sagte Hromada. Er und Brauer sollen im Auftrag der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung von Missbrauch im Bistum Trier den Fall aufklären.

Jahrzehntelanger Missbrauch

Der 2022 gestorbene Priester Dillinger hat Hunderte Fotos und Diafilmstreifen hinterlassen, die auf jahrzehntelangen Missbrauch hindeuten, womöglich in mehreren Ländern.

Die Arbeit der Ermittler ist zunächst auf neun Monate ausgelegt. Sie sollen nach drei Monaten einen Zwischenbericht vorlegen. Die von der Kommission 2021 gegründete und vom Bischöflichen Stuhl mit 850.000 Euro ausgestattete Stiftung Aufarbeitung bezahlt das Projekt.

 

Quelle:
KNA