Erfurter Bischof Ulrich Neymeyr zum Tod von Karl Kardinal Lehmann

Liebhaber der Theologie und des Menschen

Im DOMRADIO.DE-Interview hat Erfurts Bischof Ulrich Neymeyr den am frühen Sonntagmorgen verstorbenen Karl Kardinal Lehmann als einen Liebhaber der Theologie bezeichnet, der trotzdem das Schicksal des Menschen immer im Blick hatte.

Enge Freundschaft: Bischof Ulrich Neymeyr und Karl Kardinal Lehmann (Bistum Mainz)
Enge Freundschaft: Bischof Ulrich Neymeyr und Karl Kardinal Lehmann / ( Bistum Mainz )

DOMRADIO.DE: Wenn wir Kardinal Lehmann als Theologen betrachten, wo stand er da?

Erfurter Bischof Ulrich Neymeyr: Kardinal Lehmann war ein umfassend gebildeter Theologe, sicher sehr stark geprägt von Karl Rahner, dessen Assistent er auch lange Zeit war.

DOMRADIO.DE: Wodurch zeichnete sich seine Theologie aus? Wie hat er sie mit dem Alltagsleben verflochten?

Bischof Neymeyr: Er hat sich zu sehr vielen Themen geäußert, hat immer mit einer theologischen Grundlegung begonnen. Überhaupt konnte Kardinal Lehmann aus dem Stand heraus zu nahezu jedem Thema eine theologische Grundlegung erörtern, die damit schloss, dass er die aktuellsten Publikationen erwähnte, meist auch solche, die bis dato noch gar nicht veröffentlicht waren. Viele Autoren haben ihm ihre Bücher vor der Veröffentlichung geschickt, weil sie wussten, dann liest er sie auch.

Aufgrund seiner umfassenden Kenntnis konnte er die Inhalte sehr schnell einordnen und mit seiner geistigen Begabung dann auch spontan parat haben. Von daher ist er jemand, der in vielen Fragen theologische Grundlagen gegeben hat: über die biblische Grundlegung, Aussagen von Kirchenvätern bis hin zum kirchlichen Lehramt.

DOMRADIO.DE: Karl Kardinal Lehman war ein sehr wortgewaltiger Mensch. Hat man das in seinen Gottesdiensten auch gemerkt?

Bischof Neymeyr: Ja, er hatte seine Predigten fast immer vorformuliert. Von daher waren sie immer von einer sehr geschliffenen und allgemein verständlichen Sprache, obwohl er sämtliche Fremdwörter und Fachbegriffe parat hatte. Er konnte sich allgemein sehr gut verständlich ausdrücken.

DOMRADIO.DE: War das vielleicht auch ein Unterschied zwischen dem öffentlichen und privaten Kardinal Lehmann?

Bischof Neymeyr: Im Privaten war Kardinal Lehmann auch jemand, der aus seiner Liebe zur Theologie und Philosophie keinen Hehl gemacht hat. Wenn es dann gemütlich wurde, kam er schnell auch auf wissenschaftliche Themen und war froh, wenn man sich dafür interessiert hat. Man hat schon auch gespürt, dass er ein Wissenschaftler ist. Trotz allem hat er sich immer auch für die Menschen interessiert, mit denen er zusammen war. Durch sein hervorragendes Gedächtnis konnte er sich die Schicksale sehr gut merken.

Er war nicht nur eng geführt auf Theologie – es gab Gespräche mit Juristen und Medizinern und mit Menschen, die in der Wirtschaft Verantwortung tragen – da hat man gespürt, wie umfassend seine Bildung ist.

DOMRADIO.DE: Er war vielseitig gebildet und interessiert – ist jetzt eine Lücke entstanden? Gibt es noch so jemanden wie Karl Lehmann?

Bischof Neymeyr: Es ist schwer jemanden zu finden, der sich in so vielen Gebieten auskennt, profunde Fachkenntnis besitzt und dies zugleich allgemein verständlich ausdrücken kann. Jemand, der sich noch dazu durch sein Amt als Bischof von Mainz und Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz in die Gestaltung des Lebens der Kirche, in die Kirchenpolitik und auch allgemeine Politik einmischt. Da gibt es sicher nicht viele, die das so machen.

Ich kenne hauptsächlich Menschen, die wissenschaftlich sehr gut antworten können und als Ratgeber sehr geschätzt sind – aber das solche dann auch gleichzeitig in der Verantwortung stehen, ist selten.

Das Gespräch führte Christoph Paul Hartmann.

Bischof Neymeyr im domradio.de-Interview (DR)
Bischof Neymeyr im domradio.de-Interview / ( DR )
Der Humorvolle: Karl Kardinal Lehmann (Bistum Mainz)
Quelle:
DR
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