Karl Kardinal Lehmann gestorben

"Brückenbauer zwischen den Konfessionen"

Das Bistum Mainz trauert um seinen emeritierten Bischof, Karl Kardinal Lehmann. Sein Nachfolger, Bischof Peter Kohlgraf, huldigt ihn als einen "leidenschaftlichen Brückenbauer zwischen den Konfessionen".

Die damalige Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch und der emeritierte Mainzer Bischof, Kardinal Karl Lehmann  / © Maurizio Gambarini (dpa)
Die damalige Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch und der emeritierte Mainzer Bischof, Kardinal Karl Lehmann / © Maurizio Gambarini ( dpa )

Fast 33 Jahre lang, von Anfang Oktober 1983 bis zum Rücktritt an seinem 80. Geburtstag am 16. Mai 2016, war Lehmann Bischof von Mainz. Von 1987 bis 2008 leitete er die Bischofskonferenz. Anfang 2001 erhob ihn der damalige Papst Johannes Paul II. zum Kardinal.

Mann des Dialogs

"Das Bistum Mainz trauert um einen weit über die Kirche hinaus hoch angesehenen Theologen und Seelsorger, einen leidenschaftlichen Brückenbauer zwischen den Konfessionen und einen Zeugen des Glaubens inmitten der Gesellschaft", erklärte Lehmanns Nachfolger, Bischof Peter Kohlgraf, am Sonntag in Mainz: "Wir verlieren einen allseits geliebten Bischof, der mit seiner Lebensfreude, seiner Menschlichkeit und seinem Glaubenszeugnis in den vielen Jahren seines Wirkens nicht nur im Bistum Mainz, sondern auch in der Deutschen Bischofskonferenz als lanhjähriger Vorsitzender Herausragendes geleistet hat."

Lehmann galt als Brückenbauer und Mann des Dialogs der katholischen Kirche mit der modernen Gesellschaft. Er stand für ein weltoffenes, lebensbejahendes Christentum und für ökumenische Offenheit, genoss höchstes Ansehen auch in der evangelischen Kirche, in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur.

Würdenträger

Der Kardinal erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter mehrere Ehrendoktorwürden und das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern und Schulterband. Er war Träger des Karl-Barth-Preises, des Romano Guardini-Preises, der Martin-Luther-Medaille der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), aber auch des "Ordens wider den tierischen Ernst" und des Champagne Preises für Lebensfreude. Die Stadt Mainz machte ihn zu ihrem Ehrenbürger, der Fußball-Bundesligist Mainz 05 zu seinem Ehrenmitglied.

Wichtige Stationen von Karl Lehmann

Lehmann, im schwäbischen Sigmaringen geboren, erlebte als Assistent des Theologen Karl Rahner das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) und lehrte als Theologieprofessor zunächst in Mainz, später in Freiburg, bevor er mit 47 Jahren Bischof von Mainz wurde. Damals war er der jüngste katholische Bischof in Deutschland. Sein bischöflicher Wahlspruch lautete "State in fide" (Steht fest im Glauben).

Seine späte Ernennung zum Kardinal verdankte er auch der wohlwollenden Einflussnahme von Bundeskanzler Helmut Kohl. Als Mitglied des Kardinalskollegiums nahm Lehmann am Konklave im April 2005 teil, aus dem der konservative Kardinal Joseph Ratzinger als Papst hervorging. Beim Konklave im März 2013 wurde der bereits 2005 von Lehmann unterstützte Argentinier Jorge Mario Bergoglio zum Papst gewählt.

Nach offizieller, aber nicht gesicherter Zählung war Lehmann der 102. Bischof von Mainz. Mit Sicherheit war er der 87. Nachfolger des weithin als "Apostel der Deutschen" geltenden heiligen Bonifatius, der von 746 bis 754 Bischof von Mainz war. Ende August 2017 weihte Lehmann seinen Nachfolger auf dem Mainzer Bischofsstuhl, Peter Kohlgraf, im Dom zu Mainz zum Bischof.

Bischof Peter Kohlgraf spricht während seiner Amtseinführung im Mainzer Dom. / © Arne Dedert (dpa)
Bischof Peter Kohlgraf spricht während seiner Amtseinführung im Mainzer Dom. / © Arne Dedert ( dpa )
Quelle:
KNA