Man nennt ihn pathetisch den "Regensburger Humboldt" und den "Da Vinci von Querfurt". Nicht nur, dass er also Sohn zweier Städte ist – Jacob Christian Schäffer, Jahrgang 1718, war auch Begabter in vielen Disziplinen; vor allem anderen war er Theologe, Biologe und Tüftler.
Am 23. Februar 1767 erschien Schäffers im Vorjahr gedruckte Schrift "Die bequeme und höchstvortheilhafte Waschmaschine. Wie solche in den damit gemachten Versuchen bewährt gefunden". Dieser Saubermann der Aufklärung hat also viel für den Familienfrieden in Europa getan – womöglich mehr als durch sein theologisches Werk. Ein Beleg vielleicht: Seit 2012 wird der 23. Februar als "Tag der Waschmaschine" begangen.
Schäffers Kindheit war von Armut geprägt. Sein Vater Johann Christoph, ein evangelischer Pfarrer im anhaltinischen Querfurt, starb früh, 1728. Jacob Christian (1718-1790) war erst zehn Jahre alt, seine Zukunft fortan unbestimmt. Die Mutter und die sechs Kinder mussten sich durchschlagen, schwer genug im absolutistischen 18. Jahrhundert der deutschen Kleinstaaterei.
Als fremder Prediger in Regensburg
Mit einer Begabtenhilfe der pietistischen Franckeschen Stiftungen in Halle konnte Schäffer Theologie studieren. Doch noch vor Abschluss des Studiums nahm er eine Stellung als Hauslehrer in Regensburg an, die er allerdings 1739 wieder verlor. 1741 erhielt er dort eine Predigerstelle - obwohl er als Nichtbayer ein Fremder war. Immerhin: Regensburg war damals als Sitz des Immerwährenden Reichstags heimliche Hauptstadt des Reiches.
Als Autodidakt betrieb der wissbegierige Schäffer in den kommenden Jahren und Jahrzehnten immer neue naturkundliche Studien - zum Unbehagen von Teilen seiner Gemeinde, die sein nichttheologisches "Thun" missbilligten. Schäffer stand in Briefwechseln mit führenden Forschern seiner Zeit, etwa dem schwedischen Biologen Carl von Linné (1707-1783) und dem französischen Physiker und Chemiker René Antoine Ferchault de Réaumur (1683-1757); letzterer Namensgeber eines der großen Pariser Boulevards und einer Metrostation.
Pionier für Pilzkunde und Papier
Von seinen zahlreichen botanischen Schriften die wohl wichtigste ist das dreibändige, mit 330 Tafeln bebilderte Werk über bayerische und kurpfälzische Pilze: "Fungorum qui in Bavaria et Palatinatu circa Ratisbonam nascuntur icones" (1762-1764). Schäffer publizierte zur Heilwirkung von Pflanzen und legte zoologisch nach mit einer dreibändigen illustrierten Regensburger Insektenkunde (1766-1779).
Nebenbei machte ihn die renommierte Universität Wittenberg 1760 zum Magister und Doktor der Philosophie. 1763 erhielt er ein
theologisches Doktordiplom in Tübingen. Zudem machten ihn unzählige wissenschaftliche Akademien in ganz Europa zu ihrem Mitglied; der österreichische Kaiser und Aufklärer Josef II. zeichnete ihn persönlich aus. Schäffer beschäftigte sich mit Elektrizität, mit Farbenlehre und Optik und konstruierte entsprechende Instrumente und technische Geräte, um sie "wirtschaftsnützlich zu gebrauchen".
So betrieb er intensive, wenn auch am Ende unzureichende Studien zur Aufschließung von Pflanzen- und schließlich Holzfasern durch Zerstampfen zur Papiergewinnung "ohne alle Lumpen". Lumpen waren im 18. Jahrhundert teuer; insofern spricht die "Neue Deutsche Biographie" dennoch von einem "Meilenstein der Papiertechnologie".
Segen für Familien
Ein weiterer Meilenstein, der Segen in ungezählte Familien getragen hat - Schäffer selbst war dreimal verheiratet -, ist die Erfindung beziehungsweise Fortentwicklung der Waschmaschine. Dafür gab es diverse Vorarbeiten. In einem Bericht von 1757 ist zum Beispiel von einer Walkmühle in einem Kloster der Norbertiner (Prämonstratenser) in der Eifel die Rede. Allerdings war ein solches Modell wohl eher für den Großbetrieb in Klöstern, Krankenhäusern oder Militärstandorten geeignet als für den Haushalt.
In England war seit den 1740er Jahren die "Yorkshire Maiden" in Umlauf: ein Holzbottich mit Deckel, der mit heißer Seifenlauge
aufgefüllt und worin dann die Wäsche mit händischem Drehen gewalkt wurde. Ausgehend von dieser englischen Erfindung, die offenbar von der Insel nach Hannover und Braunschweig gelangte, publizierte der Deutschbalte Gotthard Friedrich Stender (1714-1796) Mitte der 1760er Jahre eine Modellbeschreibung.
Dadurch aufmerksam geworden, entwickelte Schäffer durch eigene Experimente diverse Verbesserungen. Seine "höchstvortheilhafte Waschmaschine" arbeitete mit gegeneinander verschiebbaren Zapfen, "Rührflügel" genannt - eine Funktionsweise, die sich durchsetzte und bis Mitte der 19. Jahrhunderts maßgeblich blieb. Etwa 60 Schäffer-Exemplare wurden gebaut. Eine Nachbildung steht heute im Miele-Museum in Gütersloh - und Waschmaschinen in Abermillionen Kellern der Republik.