Entwidmungsgottesdienst in Ahrbrück

Kirche nach Flut aufgegeben

Mit einem Gottesdienst ist die flutbeschädigte Kirche Sankt Andreas in Ahrbrück im Ahrtal am Freitagabend offiziell entwidmet worden. Die Kirche während der Flutkatastrophe 2021 stark beschädigte Kirche soll bald abgerissen werden.

St. Andreas in Ahrbrück muss abgerissen werden / © Bistum Trier (privat)
St. Andreas in Ahrbrück muss abgerissen werden / © Bistum Trier ( privat )

Auf der Wiese hinter der Kirche fand ein letzter Gottesdienst zur sogenannten Profanierung statt. Die Kirche war während der Flutkatastrophe im Juli 2021 schwer beschädigt worden. Als Grund für die Aufgabe wurden von der Gemeinde nicht tragbare hohe Kosten für die Sanierung und weitere Unterhaltung der Kirche genannt, außerdem eine stark sinkende Zahl von Gottesdienstbesuchern. Ein Termin für den Abriss der Kirche steht noch nicht fest.

Der Gottesdienst wollte auch Raum geben, Enttäuschung und Ohnmacht über die Aufgabe des Gotteshauses auszudrücken. Der Trierer Generalvikar Ulrich Graf von Plettenberg betonte nach Angaben einer Bistumssprecherin, die Kirche sei 60 Jahre lang für viele Menschen ein Lebensmittelpunkt gewesen. Diese Erinnerungen könne die Flut nicht wegspülen. Von Plettenberg erinnerte zudem an die Flutopfer.

Pfarrer Axel Spiller beim Entwidmungsgottesdienst vor der Kirche Sankt Andreas in Ahrbrück / © Theodor Barth (KNA)
Pfarrer Axel Spiller beim Entwidmungsgottesdienst vor der Kirche Sankt Andreas in Ahrbrück / © Theodor Barth ( KNA )

Proteste gegen geplanten Abriss der Kirche

Der Ahrbrücker Pfarrer Axel Spiller sprach von einem "traurigen und schicksalhaften Tag". Die Aufgabe des Gotteshauses lasse niemanden kalt. Zum Abschluss des Gottesdienstes läuteten ein letztes Mal die Glocken.

Gegen den Abriss der Kirche in Ahrbrück gibt es Protest. So wurde an der Außenwand der Kirche ein Banner befestigt, das das Bistum als Abrissbirne zeigt. Auch ein Verein für den Erhalt des Gebäudes gründete sich, der unter anderem eine Petition startete. Mitglieder des Vereins kamen nach dem Gottesdienst mit dem Generalvikar zum Gespräch zusammen, wie die Bistumssprecherin mitteilte. Sie wünschten sich, das Gebäude als Ort der Begegnung im Dorf zu erhalten.

Um die künftige Gestaltung des Grundstücks soll es bei einem Workshop im November gehen. Teile des Geländes sollen als Überflutungsfläche dienen. Möglich ist auch ein Gebets- und Gedenkort.

Bistum entschied Aufgabe angesichts zu hoher Kosten 

Die Flut im Juli 2021 hatte die Kirche, die Unterkirche mit Pfarrsaal und Bücherei sowie das Pfarrhaus beschädigt. Das Bistum Trier entschied, Kirche und Pfarrhaus aufzugeben. Neben sehr hohen Kosten für einen Wiederaufbau und die weitere Unterhaltung sei die Lage der Gebäude unmittelbar an der Ahr problematisch. Dazu komme die allgemeine Kirchenkrise.

Die Kirche in Ahrbrück ist die erste im Bistum Trier, die in Folge der Flut aufgegeben wird. Drei andere Kirchen in der Pfarrei Bad Neuenahr-Ahrweiler wurden ebenfalls massiv beschädigt. Entscheidungen über mögliche Aufgaben sind dort noch nicht gefallen. In der Diözese wurden insgesamt 59 kirchliche Gebäude während der Flut beschädigt, darunter 26 Kirchen und Kapellen.

Die Flutkatastrophe im Juli 2021 und ihre Nachwehen

Bei der Flutkatastrophe im Juli 2021 im Westen Deutschlands kommen allein in Rheinland-Pfalz mindestens 136 Menschen ums Leben.  In Nordrhein-Westfalen sterben bei Hochwasser nach extremem Starkregen 49 Menschen; mit 180 Städten und Gemeinden ist fast die Hälfte der Kommunen betroffen. Eine Chronologie der Ereignisse:

11.7.: Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnt am Vormittag vor extremem Starkregen mit bis zu 200 Litern Regen pro Quadratmeter innerhalb von 60 Stunden. Eine genaue Vorhersage, wo die riesigen Mengen niedergehen werden, ist nicht möglich.

Nach der Flutkatastrophe in Nordrhein-Westfalen / © Marius Becker/dpa (dpa)
Nach der Flutkatastrophe in Nordrhein-Westfalen / © Marius Becker/dpa ( dpa )
Quelle:
KNA