Die Festnahme von zwei Journalisten, die in einer Kirche einen Protest gegen die Einwanderungsbehörde ICE gefilmt hatten, sorgt in den USA für Empörung. Medien und Journalistenorganisationen übten scharfe Kritik an dem Vorgehen. Seth Stern, leitender Mitarbeiter der Stiftung "Freedom of the Press Foundation", verurteilte am Freitag (Ortszeit) die Festnahmen von Don Lemon und Georgia Fort als "nackte Angriffe auf die Pressefreiheit". Sie sollten Journalisten einschüchtern. Beide Reporter sind inzwischen wieder auf freiem Fuß.
Der frühere CNN-Moderator Lemon und die Freelancerin Fort hatten am 18. Januar eine Protestaktion während eines Gottesdienstes in der Cities-Kirche in St. Paul im Bundesstaat Minnesota gefilmt. Der Zorn der Protestierenden richtete sich vornehmlich gegen einen Pastor der Kirche, der zugleich in einer örtlichen Führungsposition für ICE tätig sein soll. Laut der vom Fernsehsender MS NOW veröffentlichten Anklage wird Lemon und Fort vorgeworfen, sie seien Teil einer "Verschwörung" mit dem Ziel gewesen, Pastoren und Gottesdienstbesucher einzuschüchtern.
Untersuchungshaft vergeblich gefordert
Lemon wurde laut CBS News am Freitag, einen Tag nach seiner Festnahme, in Los Angeles einem Untersuchungsrichter vorgeführt und dann ohne Kaution wieder freigelassen. Der freiberuflich tätige Lemon erklärte, er sei nur in der Kirche gewesen, um über die Proteste zu berichten. Auch Fort wurde dem örtlichen Rundfunksender MPR wenige Stunden nach ihrer Festnahme ohne Kaution freigelassen. Die Staatsanwaltschaft habe vergeblich Untersuchungshaft gefordert.
Bereits kurz nach der Protestaktion Mitte Januar hatte US-Justizministerin Pam Bondi die Festnahme von drei Demonstranten bekanntgegeben. Der leitende Pastor der Cities-Kirche, Jonathan Parnell, erklärte, er sei dem Justizministerium dankbar für das Vorgehen. Die Kirche könne nun weiterhin ihren Auftrag erfüllen, Jesu Botschaft zu verkünden. Die Cities-Kirche gehört zum Südlichen Baptistenverband, einer konservativen evangelikalen Kirche.
Im Großraum Minneapolis, zu dem St. Paul gehört, sind gegenwärtig rund 3.000 Agenten von ICE und US-Grenzschutz im Einsatz. Bei Aktionen der Einsatzkräfte wurden in den vergangenen Wochen zwei Menschen erschossen.