EKD-Synodenpräses erwartet Zeichen gegen Rechtspopulismus

"Klar widersprechen"

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) will bei ihrer bevorstehenden Synodentagung ein Zeichen gegen den wachsenden Rechtspopulismus in Europa setzen. Für Europa sei die Haltung des barmherzigen Samariters ein Maßstab.

Irmgard Schwaetzer warb für eine offenere Streitkultur (epd)
Irmgard Schwaetzer warb für eine offenere Streitkultur / ( epd )

"Überall dort wo Menschen sich fremdenfeindlich oder menschenverachtend äußern, werden wir klar widersprechen", sagte die Vorsitzende des Kirchenparlamentes, Präses Irmgard Schwaetzer, dem Evangelischen Pressedienst (epd). Dies gelte auch bei möglichen Angriffen auf die demokratische Grundordnung. "Die Rechtsstaatlichkeit in Europa ist auch eine Garantie dafür, dass wir unseren Verkündungsauftrag erfüllen können in einer pluralen und stärker säkularen Gesellschaft", sagte die frühere FDP-Bundesministerin.

Für die EKD-Synode, die vom 6. bis 9. November in Magdeburg tagt, ist Europa das diesjährige Schwerpunkthema. Angesichts der unterschiedlichen Flüchtlingspolitik in den EU-Staaten sei eine Verständigung der Kirchen untereinander nötig, "damit wir beginnen, mit einer Zunge zu sprechen", sagte Schwaetzer. Für Europa sei die Haltung des barmherzigen Samariters ein Maßstab. "Und die Kirchen sind in der Pflicht, dies zu befördern."

Mittelosteuropa zuhören

Die Vorsitzende des EKD-Kirchenparlaments erklärte, man müsse auf diejenigen Kirchen in Mittelosteuropa zugehen, die die restriktive Flüchtlingspolitik ihrer Regierungen dulden. "Ich bin ganz sicher, dass wir zunächst zuhören müssen, welche Erfahrungen sie gemacht und welche Positionen sie abgeleitet haben, bevor wir mit irgendwelchen Forderungen kommen", sagte Schwaetzer.

Die Präses der EKD-Synode warnte vor einem Auseinanderdriften der Gesellschaft. Menschen dürften sich nicht an den Rand gedrängt fühlen. "Das müssen wir auffangen - und damit Tendenzen entgegensteuern, dass Menschen sich radikalisieren", sagte sie. Die Kirche müsse aber auch innerhalb ihrer eigenen Reihen "sehr genau hingucken, wo rechtspopulistische Tendenzen formuliert werden." Solche Tendenzen dürften sich nicht ausbreiten.

Für Transparenz

Schwaetzer verwies auf eine neue Studie im Auftrag der EKD. Die Präses zog daraus den Schluss: "Kirchliche Gruppen, die mit Tabus arbeiten und in denen es Räume des Nichtsagbaren gibt, sind sehr viel anfälliger für rechtspopulistische Tendenzen, für Homophobie, Islamophobie und Antisemitismus, als Gemeinden, in denen Transparenz herrscht und wo alles offen gesagt werden kann." Manche Äußerungen aus Teilen des evangelikalen Bereichs legten nahe, "dass dort eine größere Offenheit etwa gegenüber dem Gedankengut der AfD besteht"

Das Kirchenparlament befasst sich auch mit der lange umstrittenen Frage, ob Juden zum christlichen Glauben missioniert werden sollen. In dem Antrag des Synodenpräsidiums "steht eine sehr klare Absage an alle die Formen des Glaubenszeugnisses, die gezielt auf die Bekehrung von Juden und deren Konversion gerichtet sind", sagte Schwaetzer. "Als Christen ist es nicht unsere Aufgabe, Juden zum Heil zu führen, das tut Gott selbst."

Kontroverse Debatten erwartet

In dem Antrag wird auch die Verantwortung nach der Schoah benannt. "Sie hat zu einem grundlegenden Umdenken in der Kirche geführt vor allem in der Erkenntnis des schuldhaften Verhaltens der Kirche gegenüber den Juden", sagte Schwaetzer. "Sie hat aber auch die Augen geöffnet für theologische Irrwege im Verhältnis zum Judentum." Die Präses der Synode rechnet mit kontroversen Debatten.

Autor/in:
Thomas Schiller
Quelle:
epd
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