EKD-Militärbischof plädiert für Waffenlieferungen

Friedensethik überarbeiten?

Nach Worten des evangelischen Militärbischofs Felmberg ist es ein christliches Gebot, Opfern von Gewalt beizustehen: "Das gilt im zivilen Leben wie unter Staaten." Er mahnte auch die Aktualisierung der evangelischen Friedensethik an.

Bernhard Felmberg, evangelischer Militärbischof   / © Christian Ditsch (epd)
Bernhard Felmberg, evangelischer Militärbischof / © Christian Ditsch ( epd )

"Daher sollten wir die Ukraine nach den Möglichkeiten des Völkerrechts unterstützen, auch mit den Waffen, die helfen", sagte Bernhard Felmberg im Interview der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Dienstag). "Einen solchen klaren Bruch des Völkerrechts wie nun durch Russland hat es nur selten gegeben."

Gerechter Frieden als Ziel

Das Ziel kirchlicher Friedensethik sei der "Gerechte Friede". Wenn Russland den Krieg gewinne, werde es jedoch keinen solchen Frieden geben. "Der Aggressor will stattdessen einen ungerechten Frieden etablieren und die Menschenrechte nicht achten", mahnte Felmberg.

Daher müsse die Ukraine unterstützt werden, die "ihr Recht und ihre Freiheit" verteidige.

Gespräche momentan nicht zielführend

Momentan sei zu sehen, dass Gespräche nicht zum Ziel führten, weil Moskau keinen Frieden wolle. "Dann muss man sich offen eingestehen, dass Dialog derzeit nicht weiterführt. Offenbar muss erst eine andere Lage eintreten, bevor Gespräche wieder sinnvoll sind", sagte Felmberg.

Mit Blick auf die Kontroverse über Waffenlieferungen sagte der Militärbischof, dass in der evangelischen Kirche die Erfahrung der friedlichen Revolution nachwirke. Damals hätten viele Gemeinden erlebt, dass ein Regime mit Friedensgebeten und zivilem Ungehorsam zu Fall gebracht worden sei. "Es erweist sich aber als Fehleinschätzung, das zu verallgemeinern. In manchen Situationen ist rechtserhaltende Gewalt als Ultima Ratio nötig." Die Friedensdenkschrift der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) aus dem Jahr 2007 beschreibe das auch klar.

Kritik an russisch-orthodoxer Kirche

Felmberg sagte weiter, dass die russisch-orthodoxe Kirche "zu Recht" für ihre Haltung zum Krieg in der Ukraine verurteilt werde. "Von einem Abbruch der Beziehungen rate ich jedoch ab. Man sollte den Vertretern Moskaus stattdessen deutlich sagen, was man von ihrer den Krieg befeuernden und segnenden Haltung hält." Dies müsse mit der Hoffnung verbunden sein, dass es zu einem späteren Zeitpunkt wieder einen echten Dialog geben könne.

Die evangelische Friedensethik sollte aus Sicht Felmbergs aktualisiert und überarbeitet werden. "Der schreckliche Angriff Russlands zwingt uns, gründlicher und besser über Verteidigungspolitik und Verteidigungsbereitschaft nachzudenken.»

Gerechter Krieg/Gerechter Friede

Die Notwendigkeit, Gewalt und Krieg mit dem christlichen Gebot von Nächstenliebe (auch gegenüber dem Feind) und Frieden vereinbar zu machen, brachte die Lehre vom Gerechten Krieg hervor. Demnach können nach Lehre der katholischen Kirche Kriegshandlungen gerechtfertigt sein, wenn bestimmte, eng gefasste Bedingungen erfüllt sind.

Das Bischöfliche Wort "Gerechter Friede" / © Julia Steinbrecht (KNA)
Das Bischöfliche Wort "Gerechter Friede" / © Julia Steinbrecht ( KNA )

Quelle:
KNA