Warum Pilgern in Deutschland jetzt attraktiv werden kann

"Einfach mal weg von allem"

Normalerweise wären zurzeit schon Pilgerscharen unterwegs. Doch nicht nur das Wetter macht vielen einen Strich durch die Rechnung, sondern auch die Corona-Pandemie. Aber es gibt Grund zur Hoffnung für alle, denen es "in den Füßen juckt".

Wandern und Pilgern in Deutschland / © Claudiu Maxim (shutterstock)
Wandern und Pilgern in Deutschland / © Claudiu Maxim ( shutterstock )

DOMRADIO.DE: Es macht schon Spaß, Pläne zu schmieden. Viele haben es auf die lange Bank geschoben, um zu beobachten, wie sich die Situation aufgrund von Corona entwickelt. Erholung brauchen wir alle. Wenn wir im eigenen Land bleiben möchten, was können Sie uns dann empfehlen?

Beate Steger (Magazin "Der Pilger"): Den Pfälzer Jakobsweg natürlich, weil ich dafür den Pilgerführer geschrieben habe. Da ist man viel im Wald unterwegs und das ist ja sowieso gesund. Es gibt auch viele Stellen, wo man komplett alleine unterwegs ist. In Deutschland gibt es total viele Ecken. Wir haben mehr als 30 Hauptwege als Jakobswege und auch noch viele regionale Wege in Deutschland.

Es gibt aber auch noch andere Pilgerwege, den Hildegard von Bingen-Pilgerweg zum Beispiel oder den Martinusweg. Also da ist eine wahnsinnige Auswahl möglich für ganz Deutschland, für den deutschsprachigen Raum. Wenn man zum Beispiel auch wieder nach Österreich fahren darf oder auch in die Schweiz, die jetzt wieder mehr lockern möchte, da hat man wirklich die Qual der Wahl.

DOMRADIO.DE: Funktioniert das denn auch, wenn Pilger-Herbergen vielleicht noch nicht geöffnet haben und man sich ein Ferienhäuschen suchen muss oder eine Ferienwohnung und von da aus sozusagen sternförmig die Wege geht?

Steger: Das funktioniert auch. Man könnte dann verschiedene Wege gehen. Also mir ist zum Beispiel gerade gestern zufällig Bingen am Rhein über den Weg gelaufen. Da gibt es die Basilika Sankt Martin und da führt der Martinusweg vorbei. Der linksrheinische Jakobsweg leitet dahin, der rhein-hessische Jakobsweg geht dort ab, der Jakobsweg von Frankfurt über Mainz Bingen nach Trier läuft da vorbei. Das heißt, man könnte sich jetzt auch in Bingen ein Quartier suchen und mehrere Jakobswege und Pilgerwege dort sternförmig gehen als Tagestour. Das geht ohne Probleme.

DOMRADIO.DE: Viele gehen den Jakobsweg gerne von Südfrankreich nach Spanien. Kann man da schon wieder normal pilgern? Es gibt ja jetzt auch einen Spezial Pilgerheft "Jakobsweg" mit ganz vielen Tipps.

Steger: Die Inzidenzen sinken dort schon. Aber das Problem ist das gleiche wie bei uns mit den Bundesländern: Es kann sein, dass man gerade am Anfang des Camino francés bei Saint-Jean-Pied-de-Port ist und es dort zurzeit ganz gut geht. Dann kommt man Richtung Burgos und da sind die Inzidenzen wieder hoch und es wird nicht dazu geraten, dort zu pilgern. Das heißt, dann müsste man zwischendurch den Bus nehmen.

Meine Empfehlung ist es, im Moment lieber noch zu Hause zu bleiben. Es sind einfach auch nicht viele unterwegs in Spanien und dieses richtige Pilgergefühl, was ja auch das Salz in der Suppe ist, die Begegnungen mit anderen Menschen, das fällt eben weitestgehend flach, weil kaum was los ist.

DOMRADIO.DE: Also Sie würden sagen, der klassische Camino, der kann noch ein bisschen warten und wir gehen jetzt mal die Wege, die auch Jakobsweg sind, aber eben dahin führen?

Steger: Ja, oder eben auch wie gesagt andere Pilgerwege, wie den Martinusweg oder den Mönchsweg gibt es dort auch. Wir haben total viele Möglichkeiten, was man machen kann. Und wir haben ja auch wunderschöne Landschaften und Orte vor der Haustür. Man muss nicht wirklich immer in die Ferne reisen.

DOMRADIO.DE: Wandern geht immer. Was tut daran so gut?

Steger: Das Abschalten, vielleicht auch mal das Handy zu Hause lassen, das wäre gar nicht schlecht. Oder es mit dabei haben, aber es ist im Rucksack irgendwo verstaut. Einfach dieses zur Ruhe kommen. Ich mache im Moment in Etappen zum Beispiel den Nordbadischen Jakobsweg. Das heißt, ich mache Tagestouren und fahre mit öffentlichen Verkehrsmitteln an den Anfang und vom Ende der Etappe fahre ich dann wieder nach Hause, weil das bei mir vor der Haustür liegt. Da bin ich wirklich einfach mal weg von allem, vom Schreibtisch, von den Problemen und habe nur Natur um mich, Himmel über mir. Im Moment leider auch oft Regen, aber ich hoffe, die Sonne kommt bald wieder raus.

DOMRADIO.DE: Das neue Heft von "Der Pilger" gibt es jetzt. Darin gibt es natürlich auch Pilgertipps für den Sommer. Welche weiteren Highlights können Sie noch empfehlen?

Steger: Wir geben auch den Hinweis auf dieses Sonderheft, das zum Träumen einlädt "Jakobsweg - Aufbruch nach Santiago". Aber wir haben auch viele andere Sachen. Wir haben immer eine große Rubrik mit Pilgertipps, mit Klostertipps. Die Schwester Birgit, die in jedem Heft mit dabei ist, referiert dieses Mal über Kreuzkümmel. Der Zürichsee ist mit dabei.

Eine Frau hat einen Sommer auf der Alm verbracht. Das ist auch sehr coronasicher, da sind nicht so viele Leute, das kann man immer empfehlen. Das Heft ist wieder voll mit Tipps und vor allen Dingen auch schönen Bildern, dass man richtig schwelgen und Pläne machen kann.

Das Interview führte Dagmar Peters.

Quelle:
DR
Mehr zum Thema