Eine theologische Betrachtung zum Marienmonat Mai

Mit ganzem Herzen "Ja" gesagt

Am Telefon kann ein Ja gefährlich sein. Im Glauben aber kann es Leben verändern. Maria wagt ihr hingebungsvolles Ja - ohne zu wissen, was kommt. Eine Geschichte über Vertrauen, Zweifel und den Mut, sich hinzugeben.

Autor/in:
Fabian Brand
Verkündigung des Herrn, Malerei in der Votivkirche, Wien / © Adam Jan Figel (shutterstock)
Verkündigung des Herrn, Malerei in der Votivkirche, Wien / © Adam Jan Figel ( shutterstock )

Bloß nicht Ja sagen: So heißt es immer wieder, wenn es um die Machenschaften von Trickbetrügern geht. Die rufen bei fremden Menschen an, um sie übers Ohr zu hauen. Deshalb soll man sich nicht mit "Ja" am Telefon melden, heißt es. Denn so mancher Betrüger hat dieses Ja schon herausgeschnitten, in einen anderen Zusammenhang gesetzt und so einen fiktiven Vertragsabschluss vorgetäuscht. Täuschend echt hört es sich dann an, als ob man wirklich zustimmen würde. Doch am Ende ist es vor allem ein hinterlistiger Betrug, der nichtsahnenden Menschen schadet.

Bloß nicht Ja sagen: Wir dürfen von Glück sagen, dass dieser Sicherheitshinweis vor über 2.000 Jahren noch nicht gegolten hat. Denn sonst würde das heutige Leben ganz anders aussehen. Was wäre gewesen, wenn Maria dem Engel nicht ihr Ja gegeben hätte? Wenn Maria nicht eingewilligt hätte in den Plan Gottes?

Ohne Zögern

Gott sei Dank, müssen wir sagen, hat sie es getan und ist sie Mutter des Gottessohnes geworden. So überraschend und plötzlich das für sie auch gekommen sein mag: Sie hat nicht gezögert, sie hat mit ganzem Herzen Ja gesagt. Freilich ohne zu wissen, was dieses Ja alles mit sich bringen wird. Viele schöne Stunden mag sie erlebt haben mit ihrem Sohn, aber auch viele Schmerzen und vieles Leid.

Vor wenigen Wochen erst wurde Ostern gefeiert: unvergleichlich der Schmerz derer, die ihren einzigen Sohn am Kreuz sterben sieht und ihn am Karfreitag begraben muss. Ihr Ja hatte Auswirkungen auf ihr Leben, aber auch auf das Leben von Christinnen und Christen heute. Denn Maria ist Vorbild und Mutter im Glauben geworden.

Bloß nicht Ja sagen: Der Monat Mai stellt Maria, die Gottesmutter, besonders ins Zentrum. Gerade in diesem Marienmonat darf man sich selbst fragen, wie es mit der eigenen Bereitschaft, mit dem Glauben aussieht. "Was wäre, wenn?", fragt man manchmal - und gibt sich Gedankenspielen hin. Was wäre, wenn der Engel bei uns vor der Tür stünde, uns die Frage stellen würde, ob wir bereit wären, uns in Gottes Plan einzufügen?

Zur Nachfolge bereit?

Diese Frage klingt weit hergeholt. Aber dahinter steht der Gedanke: Sind wir bereit, unser Leben in Gottes Hände zu legen? Sind wir bereit, ihm nachzufolgen, auf sein Wort zu hören, nach seinen Geboten zu leben? Das sind die Fragen, die uns als glaubenden Menschen immer wieder neu gestellt werden. Und immer neu sind wir herausgefordert, eine Antwort zu geben, unser eigenes Ja zu sagen.

"Maria, du hast Ja gesagt zu Gottes Ruf und Gnade. Den ganzen Weg hast du gewagt", so heißt es in einem Marienlied aus unserem "Gotteslob" (528, dritte Strophe). Maria zeigt, dass es auch heute nicht einfach "Ja-Sager" braucht, die zu allem Ja und Amen sagen. Sondern dass Menschen nötig sind, die dieses Ja mit allen Konsequenzen sprechen, die es mit sich bringt. Nicht nur in den schönen Tagen ist Maria dem Plan Gottes treu geblieben; auch in den schweren Stunden konnte sie Kraft aus dem Glauben schöpfen, dass Gott es gut meint mit uns.

So blicken wir in diesen Maitagen wieder auf Maria. Wir dürfen uns freuen, dass sie Gott damals ihr Ja gegeben hat. Wir ehren sie als "Maienkönigin" und denken dabei auch an unser eigenes Leben und unseren Glauben. Immer neu sind wir aufgefordert, im Glauben Ja zu sagen. Uns auf Gott einzulassen, weil wir vertrauen dürfen, dass er unser Leben gut macht. Den ganzen Weg ist Maria mit Gott gegangen; am Ende durfte sie eingehen in Gottes Herrlichkeit, wo sie auf ewig thront. So hat sich an ihr das vollendet, was allen bereitet ist, die an Gott glauben und die auf ihn setzen.

Ein Leben in Fülle

So zeigt sich an Maria: Es lohnt sich, Ja zu sagen. Denn Gott ist kein Betrüger, der uns übers Ohr hauen will, uns gar in irgendwelche Knebelverträge hineinpresst. Sondern Gott ist der Gott der Liebe, der will, dass wir das Leben haben und es in Fülle haben. Und er ist der Gott, der uns auch den Raum lässt, Nein zu sagen. Das zeichnet die Größe Gottes aus, die Maria in ihrem Lied besingt: "Meine Seele preist die Größe des Herrn (...), denn der Mächtige hat Großes an mir getan".

Marienverehrung im Mai

Die katholische Kirche betrachtet Maria als die wichtigste unter allen Heiligen. Darum wird Maria in besonderer Weise verehrt. Aus dem farbenfrohen Aufblühen der Natur in dieser Zeit ergibt sich die Mariensymbolik des Monats Mai. Die Blumen und Blüten symbolisieren Maria in ihrer Gnadenfülle; sie wird als "die schönste Blume" besungen.

Statue der Gottesmutter Maria / © Tanakorn Moolsarn (shutterstock)
Statue der Gottesmutter Maria / © Tanakorn Moolsarn ( shutterstock )
Quelle:
KNA