Eine theologische Betrachtung des Herz-Jesu-Festes

Gelebte Liebe

Jeder Mensch sollte für etwas brennen, das ihn im Leben und bei der Arbeit motiviert. Das Herz-Jesu-Fest zeigt uns, wofür Jesus brennt. Welche Motivation hatte Jesus, zu den Ausgrenzten zu gehen oder sein Leben hinzugeben?

Darstellung des Heiligsten Herz Jesu / © Simon Koy (KNA)
Darstellung des Heiligsten Herz Jesu / © Simon Koy ( KNA )

Das Motivationsschreiben ist ein fester Bestandteil einer jeden schriftlichen Bewerbung. Zu den "üblichen Unterlagen", die man einreichen muss, gehört es dazu. Immerhin möchte ja ein Arbeitgeber wissen, warum sich ein Kandidat gerade auf diese Stelle bewirbt. Und es ist gut und wichtig, motivierte Mitarbeiter zu haben, Menschen, die ihren Job gerne machen, die mit Fleiß und Herzblut bei der Sache sind. "Was hat Sie motiviert, sich auf diese Stelle zu bewerben?", ist eine Frage, die man oft zusätzlich in Bewerbungsgesprächen zu hören bekommt. Als Kandidat sollte man dann eine überzeugende Antwort wissen - sonst kann der Traum von der neuen Stelle allzu schnell wieder zerplatzen.

Stichwort "Herz-Jesu-Verehrung"

Die Verehrung des Herzens Jesu ist ein besonderer, traditioneller Ausdruck katholischer Frömmigkeit. Das "heiligste Herz" Jesu Christi steht dabei als Symbol seiner Liebe zu den Menschen. Schon in Antike und Frühmittelalter gab es Anklänge an ein Bild von Kirche, die aus dem Herzen Jesu erwächst. Förderung erfuhr diese Tradition durch die deutsche Mystik des Hoch- und Spätmittelalters, aber auch durch die Orden der Franziskaner und Kartäuser.

Jesus-Statue in der Herz-Jesu-Kathedrale in Skopje / © Harald Oppitz (KNA)

Offenes Herz Jesu

Was motiviert Jesus, was treibt ihn an, immer neu auf die Menschen zuzugehen? Mit dieser Frage werden wir am Fest Herz Jesu konfrontiert. Denn es ist doch eigentlich ein höchst eigentümliches Fest, das die Kirche da in der Woche nach Fronleichnam feiert. Manch einer wird sich noch an die Gipsfiguren erinnern, die es früher in fast jedem Haushalt gegeben hat: Jesus, dessen Herz offen in der Brust liegt und der mit seinen beiden Händen auf dieses Herz hinweist. Und dann gibt es Lieder, mit denen dieses Herz besungen wird: "Herz Jesu, Gottes Opferbrand, der unsre Lieb entfachte", heißt es da zum Beispiel. Aber was bedeutet dieses Fest?

Einen Zugang eröffnet uns die Frage nach der Motivation. Denn es geht um Motivation, um das, was einen Menschen antreibt, etwas Bestimmtes zu tun. Und wenn wir auf das Leben Jesu schauen, dann sehen wir, wie er auf die Menschen zugeht, wie er sich besonders denen widmet, mit denen niemand etwas zu tun haben will. Die Schrifttexte, die an diesem Tag in der Liturgie gelesen werden, richten den Blick auf den guten Hirten. Auf den Hirten, der neunundneunzig Schafe zurücklässt, um einem Schaf nachzugehen, das sich verirrt hat.

Hinwendung zu den Ausgegrenzten

Im Leben des Jesus von Nazareth wird dieses Bild konkret: Jesus wirbt nicht um den Beifall der Menge, er sucht nicht das Ansehen des Volkes. Er geht zu den Kranken und Ausgestoßenen; mit Zöllnern und Sündern sucht er die Tischgemeinschaft. Die Verlorenen haben es ihm angetan. Und wer zu ihm kommt, den weist er nicht ab - egal, wie es um ihn und sein Leben bestellt ist. Jesus ist für sie und für ihn da. Er kümmert sich um die Menschen und sucht die Gemeinschaft mit ihnen - immer wieder und immer wieder neu.

Was motiviert Jesus, so zu handeln? Eine Antwort darauf kann der Brief des Apostels Paulus an Titus geben. Dort heißt es: "Als aber die Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes, unseres Retters, erschien, hat er uns gerettet" (3,4). Jesus Christus ist die Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes, er ist seine menschgewordene Liebe. Deswegen kann er auch gar nichts anderes tun als die Menschen immer wieder zu lieben. Menschenfreundlich sein, das heißt: sich den Menschen zuzuwenden, ihre Sorgen und Nöte ernst zu nehmen, sie anzunehmen und zu akzeptieren, so wie sie sind. Das Leben Jesu zeigt uns an einigen exemplarischen Beispielen, wie das gehen und gelingen kann.

Gelebte Menschenfreundlichkeit

Am Herz Jesu-Fest feiern wir, dass Jesus Christus die Liebe Gottes ist. Dass er die Menschenfreundlichkeit Gottes in Person ist, die mitten unter uns in dieser Welt erschienen ist. "Liebe ist nicht nur ein Wort", heißt es in einem Kirchenlied, "Liebe, das sind Worte und Taten". Jesus predigt die Liebe nicht nur, er spricht nicht nur von ihr - er lebt sie, er setzt sie in die Tat um. Die Liebe Gottes zu sein, das motiviert ihn, nicht nachzulassen, diese Liebe lebendig werden zu lassen.

Alle Momente seines Lebens sind getragen von der Liebe: Wenn wir in die Evangelien hineinschauen, dann können wir das auf vielfältige Weise entdecken. Das Herz-Jesu-Fest erinnert uns daran, dass Jesus nicht gekommen ist, um die Welt zu richten, um die Menschen zu beurteilen nach dem, was sie getan oder geleistet haben. Jesus Christus, der Retter, ist unter uns erschienen, um uns zu retten, um uns zu heilen und zu versöhnen. Daran dürfen wir uns erinnern an diesem Festtag und an allen Tagen unseres Lebens.

Autor/in:
Von Fabian Brand
Quelle:
KNA