Psychologe sieht Regierung in der Pflicht für Jesiden

Ein zweites Sonderkontingent?

Deutschland sei in der Pflicht, jesidische Frauen und Kinder zu schützen, sagt der Psychologe Jan Kizilhan. Wenn es nicht gelänge, im Irak für Sicherheit zu sorgen, müsse ein zweites Sonderkontingent auf Bundesebene erwogen werden. 

Drei Generationen jesidischer Frauen / © Tom Peyre-Costa (dpa)
Drei Generationen jesidischer Frauen / © Tom Peyre-Costa ( dpa )

Der Psychologe Jan Kizilhan sieht auch die Regierung in Deutschland in der Pflicht, wenn es um das Schicksal der Kinder von vergewaltigten Jesidinnen aus dem Irak geht. Die Bundesregierung solle Druck auf Vertreter der Jesiden ausüben, denn immerhin lebten rund 200.000 Jesiden in Deutschland, sagte Kizilhan im Interview der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Samstag).

Sollten die Frauen mit ihren Kindern keine Möglichkeit zum Überleben im Irak haben, plädiere er für ein zweites Sonderkontingent auf Bundesebene. So könnten Frauen und Kinder nach Deutschland geholt werden und in einem freien und demokratischen Staat leben.

Kizilhan äußerte sich zum fünften Jahrestag des Völkermords an den Jesiden durch den "Islamischen Staat" (IS) im Nordirak. Verschleppte und vergewaltigte Frauen, die in den Irak zurückgekehrt seien, hätten ihre Kinder wegen des Drucks der Familien in Syrien zurücklassen müssen. Die Mädchen und Jungen würden zur Adoption freigegeben. "Die Frauen vermissen sie und sind psychisch am Ende." Die Mütter seien schwer traumatisiert.

Kizilhan: Irakische Regierung soll Schutz bieten

Der Hohe Jesidische Geistliche Rat habe auf Druck einiger jesidischer Stämme und traditioneller Gruppen verkündet, dass er nicht bereit sei, nach solchen Vergewaltigungen geborene Kinder zu akzeptieren.

Die Frauen hingegen würden akzeptiert. Die Kinder müssten nicht als Jesiden gesehen werden, aber ihnen und ihren Müttern solle die Möglichkeit gegeben werden, zusammen zu leben, betonte Kizilhan. Mütter und Kinder sollten dann selbst entscheiden, welche Überzeugungen sie annähmen. Die Regierung in Bagdad solle die Frauen dabei unterstützen und ihnen Schutz bieten.


Quelle:
KNA