Tafel-Verband verlangt verbindliche Ziele zur Armutsbekämpfung

"Ein moralischer Skandal für Deutschland"

Der Dachverband Tafel Deutschland fordert verbindliche Ziele zur Bekämpfung von Armut. Wie die Klimafrage ließen sich auch die sozialen Ungleichheiten nur mit echten Visionen beantworten, erklärte der Vorsitzende Jochen Brühl.

Tafel-Mitarbeiter verteilen Lebensmittel / © Patrick Seeger (dpa)
Tafel-Mitarbeiter verteilen Lebensmittel / © Patrick Seeger ( dpa )

Die bei den Tafeln praktizierte Umverteilung müsse sich endlich auch in der politischen Debatte wiederfinden, so Brühl am Donnerstag zum Auftakt des Bundestafeltreffens in Köln.

Die Tafeln mit ihren rund 60.000 Ehrenamtlichen retteten jährlich rund 264.000 Tonnen Lebensmittel vor der Vernichtung und leisteten damit einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz, so der Verband. Trotzdem würden in Deutschland rund 18 Millionen Tonnen Lebensmittel verschwendet.

Inzwischen habe sich die Zahl der Tafel-Besucher seit 2007 auf rund 1,5 Millionen Menschen verdoppelt. "Diese Zahlen sind eine erbärmliche Bilanz und ein moralischer Skandal für Deutschland", so Brühl. "Die Politik muss den Gegensatz der unfassbaren Verschwendung einerseits und des Mangels und der Armut andererseits nachhaltig auflösen."

100 Meter lange Tafel auf dem Kölner Heumarkt

In Köln kommen nach den Angaben rund 700 Tafel-Aktive zu dem dreitägigen Treffen zusammen, das alle zwei Jahre stattfindet. Am Freitag wählen Vertreter der bundesweit 947 Tafeln einen neuen Bundesvorstand; Brühl kandidiert für eine dritte Amtszeit.

Öffentlicher Höhepunkt des Treffens wird am Samstag eine rund 100 Meter lange Tafel auf dem Kölner Heumarkt sein.

Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) wird die Lange Tafel eröffnen, wie es hieß. Mit der Aktion solle ein Zeichen für mehr Mitmenschlichkeit und Solidarität gesetzt werden. Die rund 1.000 Gäste erwarte ein Bühnenprogramm mit der Kölner Band "Domstürmer", dem Geschäftsführer des 1. FC Köln, Alexander Wehrle, sowie Schauspieler der Kult-Serie "Lindenstraße".

Jochen Brühl, Vorsitzender des Bundesverbandes Deutsche Tafel / © Oliver Mehlis (dpa)
Jochen Brühl, Vorsitzender des Bundesverbandes Deutsche Tafel / © Oliver Mehlis ( dpa )
Quelle:
KNA
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