Dompropst Bachner zum Sicherheitskonzept rund um den Dom

"Jeder von uns sollte wachsam sein"

Sicherheit in den Kirchen: Nach Berlin und gerade zur Weihnachtszeit ist das ein großes Thema. domradio.de hat mit Dompropst Gerd Bachner gesprochen und gefragt, wie die Sicherheit im Dom zu den Weihnachtsgottesdiensten gewährleistet werden soll.

Dompropst Prälat Gerd Bachner und sein Dom / © Alexander Foxius (DR)
Dompropst Prälat Gerd Bachner und sein Dom / © Alexander Foxius ( DR )

domradio.de: Haben Sie nach dem Anschlag in Berlin von der Polizei neue Sicherheitsauflagen erhalten?

Dompropst Gerd Bachner: Ich bin froh und dankbar, dass meine Mitarbeiter und ich in einem ständigen Kontakt mit der Polizei stehen. Diese Woche habe ich noch persönlich länger mit dem Polizeipräsidenten telefoniert. Wir tauschen uns also regelmäßig aktuell aus und überlegen, was in der jeweiligen Situation angemessen ist. Ich bin froh und dankbar für diese gute Zusammenarbeit mit der Polizei.

domradio.de: Gehen Sie den Empfehlungen der Polizei dann grundsätzlich nach?

Bachner: Ich glaube, es wäre für die Menschen, die zu uns in den Dom kommen, nicht angemessen, wenn die Polizei mir etwas raten würde und ich würde sagen: "Nein, das wollen wir nicht."

domradio.de: Sicherheit ist ein absoluter Begriff: Mit ein bisschen Sicherheit kann man wenig anfangen. Entweder man fühlt sich sicher oder nicht. Gab es bei Ihnen schon Momente, in denen Sie im Dom standen und sich nicht sicher gefühlt haben?

Bachner: Nein, ganz klar nein. Es gibt zum Thema Sicherheit ja zwei Ansatzpunkte: Zunächst gibt es eine objektive Sicherheit. Für die machen wir hier in unserer Stadt und auch am Dom alles, was möglich ist. Daneben gibt es eine Anscheinssicherheit, das heißt eine Sicherheit, die objektiv nicht wirklich viel bringt, aber ein Gefühl vermittelt. Wenn zum Beispiel Polizisten in der Nähe sind, können die zwar nicht alles verhindern. Aber wenn sie da sind, so wie wir das das ganze Jahr erlebt haben, insbesondere jetzt im Advent bei den Weihnachtsmärkten, haben viele Menschen mir gesagt, dass das ihnen ein Gefühl von Sicherheit gegeben hat. Und das ist mir wichtig: Wenn die Menschen in den Dom kommen und Gottesdienste feiern, sollen sie das Gefühl haben, dass menschlich alles getan wird, was möglich ist. Gleichzeitig sollen sie spüren, dass sie die Freiheit haben, ihr Leben leben zu können und nicht von Terroristen fremdbestimmt zu sein, wohin sie zu gehen haben und wohin nicht.

domradio.de: Die Gefahrenlage für den Kölner Dom wird als "nicht konkret" sondern als "abstrakt" bezeichnet. Was bedeutet das für Ihre Mitarbeiter?

Bachner: In meiner ganzen Zeit als Dompropst hier habe ich in Zusammenarbeit mit der Polizei immer wieder das Sicherheitskonzept angepasst. Dazu gehört vieles: Sicherheitskräfte, Schulung der Mitarbeiter, Wegeleitung, Einsatz der Mitarbeiter und so weiter. Diese Elemente passen wir immer der jeweiligen Situation an. Für Weihnachten haben wir viele Maßnahmen getroffen, damit die Menschen spüren: "Ja, da wird aufgepasst, da ist man wachsam". Das sollen wir ja alle sein; nicht nur die, die eine Verantwortung für einen Raum tragen, sondern jeder von uns ist aufgerufen, wachsam zu sein.

domradio.de: Es gibt bestimmt auch Maßnahmen, die im Hintergrund ablaufen, von denen man als Besucher nichts mitbekommt. Woran kann man denn von außen überhaupt erkennen, dass im Dom eine neue Sicherheitsstufe gefahren wird?

Bachner: Es ist möglich, dass man Sicherheitsmaßnahmen nicht sieht: Das ist zum Beispiel bei den Weihnachtsmärkten so, denn da sind auch Polizisten in Zivil unterwegs. Wenn alle Sicherheit transparent ist, ist es keine Sicherheit mehr. Beides ist wichtig: Die Sicherheitskräfte sehen und auf der anderen Seite das Gefühl zu haben, dass sie da sind, auch wenn ich sie nicht sehe. Es ist ein Balancespiel, beides ist notwendig.

Mittel wie Einlasskontrollen, so wie man sie etwa vom Flughafen kennt, also Scannen, Leibesvisitationen, Taschenkontrollen, Blockkontrollen sind weitere Möglichkeiten, wie eine konkrete Sicherheit gewährleistet werden kann. Für uns haben wir vor, das zu tun, was notwendig ist. Das heißt, wir werden gezielter schauen, wir werden Maßnahmen treffen, bei denen jeder sagen kann: "Das haben die gemacht, damit wir nun die Gottesdienste in Freude und Sicherheit feiern können."

domradio.de: Gibt es denn Hinweise oder Wünsche Ihrerseits an die Menschen, die zur Weihnachtszeit in den Dom kommen? Wäre es zum Beispiel sinnvoll, Taschen und Rucksäcke einfach zu Hause zu lassen?

Bachner: Über so ein Thema denken wir nach, ich hab das Sicherheitskonzept intern in verschiedenen Stufen ja schon durchexerziert und immer wieder gemeinsam mit dem Domkapitel angepasst. Das ist aber kein Thema für die Weihnachtsgottesdienste, sondern bezieht sich dann eher auf den Tages- und Jahrestourismus.  

Das Interview führte Daniel Hauser.

Quelle:
DR