Dompropst Assmann bilanziert Weihnacht im Kölner Dom

Verständnis und Geduld

Wegen der Gefahr eines Anschlags wird der Kölner Dom von der Polizei bewacht. Gottesdienste finden zwar statt, Besucher müssen sich aber einer Leibesvisitation unterziehen. Das klappt bislang gut, bilanziert Dompropst Guido Assmann.

Gewöhnungsbedürftig: Hohe Polizeipräsenz am Dom / © Harald Oppitz (KNA)
Gewöhnungsbedürftig: Hohe Polizeipräsenz am Dom / © Harald Oppitz ( KNA )

DOMRADIO.DE: Wie blicken Sie denn bislang auf die Weihnachtsfeierlichkeiten im Kölner Dom zurück?

Guido Assmann / © Harald Oppitz (KNA)
Guido Assmann / © Harald Oppitz ( KNA )

Assmann: Am Tag vor Heiligabend hatte ich wirklich große Sorgen, wie wir und ob wir unsere Weihnachtsgottesdienste feiern können, als die Nachricht seitens der Polizei an uns herangetragen wurde, dass es Anschlagsplanungen gibt und die Sicherheit hochgefahren werden müsse.

Jetzt im Nachhinein muss ich sagen, ich bin wirklich froh und sehr dankbar, dass wir die Gottesdienste feiern konnten. Dank des Einsatzes der Polizei, vieler Polizistinnen und Polizisten, die den Dom bewachen, unserer Domsschweizer, die ganz motiviert sich ans Werk geben und freundlich mit den Menschen sprechen, die Situationen gut erklären. 

Die vielen Menschen, die in die Christmette gekommen sind – mehr als im vergangenen Jahr – haben damit sicherlich auch ein großes und gutes Zeichen gesetzt, dass die Menschen Verständnis haben. Gleichzeitig natürlich die, die als Touristen kommen und sich den Dom einmal anschauen möchten, waren zwischen den Tagen etwas enttäuscht, haben aber doch Verständnis.

DOMRADIO.DE: Und sie hatten ja auch darum gebeten, frühzeitig zum Dom zu kommen, um die Kontrollen zu passieren. Wie haben da die Gottesdienstbesucher reagiert?

Assmann: Ja, es braucht etwas Zeit, bis sich das rumgesprochen hat. Die Medien haben das natürlich gut verbreitet und auch auf unserer Homepage haben wir stündlich aktualisiert. Beim ersten Familiengottesdienst an Heiligabend waren die Schlangen noch etwas länger. 

Aber auch die Polizei hat die Kontrollen immer verbessert. Die Feuerwehr Köln hat Zelte draußen vor dem Dom aufgebaut, sodass man von zwei Seiten herantreten konnte und alles viel schneller geht und die Schlangen dann im Endeffekt doch nicht so lang waren wie befürchtet.

DOMRADIO.DE: Die Christmette und das Pontifikalamt am ersten Weihnachtstag waren auch sehr gut besucht. War trotzdem etwas von einer drohenden Gefahr eines Anschlags zu spüren?

Christmette im Kölner Dom / © Nicolas Ottersbach (DR)
Christmette im Kölner Dom / © Nicolas Ottersbach ( DR )

Assmann: Sicherlich hat der eine oder andere einen kleinen Moment überlegt. Ein Dombesucher sagte mir dann draußen: Wir kommen seit 15 Jahren hier zu dem Gottesdienst und haben einen kleinen Moment überlegt. Dann haben sie sich aber entschieden auf jeden Fall zu kommen, sie wollten sich keine Angst einreden lassen.

Guido Assmann

"Ich hatte den Eindruck die Feiern im Dom waren wirklich schön und festlich."

Der Dom wird gut geschützt, ich glaube, das bestbewachte Gotteshaus Deutschlands im Moment. Ich hatte den Eindruck, die Feiern im Dom waren wirklich schön und festlich. Wenn man erst mal im Dom drin war, merkt man kaum etwas davon, dass draußen die Sicherheitsmenschen waren. 

Ich bin auch wirklich froh, dass die Weihnachtsbotschaft vom Frieden in die Welt gekommen ist mit Jesus Christus. Dass das wirklich gefeiert werden konnte. Auch dank der guten Dommusik und der vielen Sängerinnen und Sänger, die die gleiche Prozedur draußen über sich ergehen lassen haben, aber gekommen sind, und um die Gottesdienste wirklich gut und festlich gestalten zu können.

DOMRADIO.DE: Außerhalb der Gottesdienste dürfen Touristen den Dom nicht besuchen. Merken Sie, dass die Betroffenen jetzt die Gottesdienste besuchen, um den Dom trotzdem von Innen zu sehen? Gibt es einen Anstieg der Gottesdienstbesucher?

Assmann: Der eine oder andere macht das schon. Wir sagen in Absprache mit der Polizei, dass man, wenn man in den Gottesdienst hineingeht, den auch nicht vor Ende des Gottesdienstes verlassen kann, außer in dringenden Fällen natürlich. Das muss immer möglich sein. 

Wir informieren die Menschen vorher, dass der Gottesdienst eine bis anderthalb Stunden dauert. Da kommen noch einige, die mitfeiern. Damit erleben sie auch das, wofür der Dom gebaut ist, aus der Begegnung der Menschen mit Gott und untereinander. Das ist eine wirklich gute Erfahrung, die wir da machen.

DOMRADIO.DE: Und wie hoch ist der wirtschaftliche Schaden? Es sind ja auch die Turmbesteigung und Schatzkammer derzeit geschlossen. Da fallen ja auch Einnahmen weg.

Guido Assmann

"Großer finanzieller Schaden."

Assmann: Wir diskutieren ja immer mal wieder auch in der Öffentlichkeit, ob es Eintrittsgelder für die Dombesichtigung geben soll. Das haben wir als Domkapitel bisher immer verneint. Jeder soll die Möglichkeit haben, in den Kölner Dom hineinzukommen. Aber für die Turmbesteigung, die Schatzkammer und für Domführungen, die diese Woche auch fast alle ausfallen, wird ein Eintrittsgeld bezahlt. 

Ausstellungsraum in der Domschatzkammer im Kölner Dom (Kölner Dom)
Ausstellungsraum in der Domschatzkammer im Kölner Dom / ( Kölner Dom )

2.000 Menschen besteigen den Turm am Tag und zwischen den Feiertagen haben in den letzten Jahren – Corona mal ausgenommen – 100.000 Menschen den Kölner Dom besucht. Das ist schon ein großer Schaden, der finanziell in die sechsstellige Zahl hineingeht. Das haben wir in der Corona-Zeit über Monate erleben müssen. Uns war es damals wichtig und jetzt auch, dass wir alles dafür tun, dass die Menschen, die kommen, sicher sind. Wir wollen aber auch die Arbeitsplätze am Dom sichern. Das ist uns ein ganz großes, wichtiges Anliegen. Im Moment geht Sicherheit vor. 

Seit vorgestern können die Menschen vor dem Dom eine Kerze anzünden. Allein gestern haben das 1.000 Menschen gemacht. Dort wurde ein kleiner Stand vom Weihnachtsmarkt aufgebaut. Ich möchte mich auch ausdrücklich bedanken bei dem Betreiber des Weihnachtsmarktes, der sofort mitgemacht hat. Seit heute sind dort auch drei Bilder unserer Dom-Krippe zu sehen, sodass der Krippenbesuch und ein Kerzenanzünden, was für den Kölner schlechthin ganz wichtig ist, in den Tagen auch möglich ist. Auch wenn leider nicht im Dom selber. Aber ich sage jedem: Kommen Sie gerne wieder. Bald wird der Dom wieder offen sein.

Das Interview führte Heike Sicconi. 

Quelle:
DR