Domkapitular Hofmann fordert Positionierung in Gottesfrage

"Eine eminent praktische Frage"

"Warum glaubst du?" Dieser Frage ist Domkapitular Markus Hofmann im Kapitelsamt am zweiten Fastensonntag nachgegangen. Anhand von Abraham und den Aposteln erklärte er, dass sich niemand der Entscheidung über Gott entziehen könne.

Monsignore Dr. Markus Hofmann schaut auf die ersten 100 Tage als Bonner Stadtdechant zurück. / © Beatrice Tomasetti (DR)
Monsignore Dr. Markus Hofmann schaut auf die ersten 100 Tage als Bonner Stadtdechant zurück. / © Beatrice Tomasetti ( DR )

Ausgehend von der Frage "Warum glaubst du?" erinnert Markus Hofmann an Abraham, der mit 75 Jahren seine Heimat verließ, und an Simon Petrus sowie die Brüder Jakobus und Johannes, die Jesus nachfolgten. Er fragt, ob diese Frage nicht auch heutigen Christen gestellt werde – offen oder durch Schweigen und Lächeln.

Er gliedert seine Predigt in drei Gedanken. Zunächst spricht er über Glauben im alltäglichen Sinn. Niemand könne alles wissen, worauf sich das tägliche Leben stütze. Wer ein Hochhaus betrete, könne dessen Statik nicht selbst nachrechnen. Wer einen Aufzug benutze oder ein Medikament einnehme, verlasse sich auf das Wissen anderer. Das menschliche Leben bewege sich in einem "Netz des Nicht-Selbst-Gewussten". Ohne Vertrauen könne eine Gesellschaft nicht bestehen.

Keine Gesellschaft besteht ohne Vertrauen 

Allerdings bleibe ein Unterschied zwischen diesem Vertrauen und dem religiösen Glauben. Im Alltag sei der Übergang vom Glauben zum Wissen grundsätzlich möglich. Beim christlichen Glauben überschreite der Mensch die Grenze eigener Erkenntnis. Die zentralen Inhalte – der eine Gott in drei Personen, die Menschwerdung, die Eucharistie – seien mit dem Verstand nicht zu durchdringen.

Hofmann greift die verbreitete Haltung auf, die Frage nach der Gottessohnschaft Jesu offen zu lassen. Diese Position erscheine redlich, sei aber nicht konsequent durchzuhalten. "Wir können nicht auf Dauer hypothetisch so leben, als ob es Gott gar nicht gäbe, wenn es ihn tatsächlich gibt." Entweder sei Jesus Christus wahrer Gott, dann müsse man ihn ernst nehmen und seine Worte gelten lassen. Oder er sei es nicht, dann sei das Christentum eine Illusion. Vor dieser Frage könne niemand dauerhaft neutral bleiben. Durch sein Leben entscheide der Mensch faktisch, ob er glaube oder nicht.

Sicherheit des Glaubens

Im dritten Gedanken fragt Hofmann nach der Sicherheit des Glaubens. Wie konnten Abraham und die Apostel ein solches Risiko eingehen? Sie hätten eine Gotteserfahrung "aus erster Hand" gemacht. Abraham habe Gott gehört. Die Apostel hätten Jesu Macht und Größe gesehen. Er zitiert den zweiten Petrusbrief: Man sei "nicht irgendwelchen klug ausgedachten Geschichten gefolgt", sondern Augenzeuge gewesen. Diese Erfahrung der ersten Zeugen bilde die Grundlage für den Glauben der Christen heute. Man könne glauben, weil andere Jesus Christus gehört und berührt hätten und dafür ihr Leben eingesetzt hätten. "Glauben heißt, durch Vertrauen erhalte ich Anteil am Wissen anderer."

Daraus folge die Bedeutung der Gemeinschaft. Ein Christ ohne Kirche sei kein Christ. Der Glaube sei ein Netz gegenseitiger Verbundenheit. Hofmann nennt Zeugen aus verschiedenen Zeiten, darunter Abraham, Petrus, Jakobus und Johannes, Paulus, den heiligen Franziskus, die heilige Mutter Teresa von Calcutta und den heiligen Carlo Acutis. Begegnungen mit solchen Menschen seien auch heute möglich. Zum Schluss bittet er: "Gott schenke uns solche Begegnungen."

Musikalische Gestaltung durch den Mädchenchor am Kölner Dom

Es sang der Mädchenchor am Kölner Dom unter der Leitung von Oliver Sperling und Cécilia Bazile. Im Gottesdienst erklangen Teile aus der "Missa mundi" von Helmut L. Straßel, das bekannte Credo III und die Motette "When I am afraid" (Psalm 56) von Michael Bojesen. Die Orgel spielt Matthias Wand. Wie immer am ersten Sonntag im Monat wird die Liturgie in einigen Abschnitten in lateinischer Sprache gefeiert.

Oliver Sperling mit dem Mädchenchor am Kölner Dom / © Beatrice Tomasetti (DR)
Oliver Sperling mit dem Mädchenchor am Kölner Dom / © Beatrice Tomasetti ( DR )

Evangelium am zweiten Fastensonntag im Lesejahr A: Matthäus 17,1-9

In jener Zeit nahm Jesus Petrus, Jakobus und dessen Bruder Johannes beiseite und führte sie auf einen hohen Berg. Und er wurde vor ihnen verwandelt; sein Gesicht leuchtete wie die Sonne und seine Kleider wurden weiß wie das Licht. Und siehe, es erschienen ihnen Mose und Elija und redeten mit Jesus.

Und Petrus antwortete und sagte zu Jesus: Herr, es ist gut, dass wir hier sind. Wenn du willst, werde ich hier drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elija.

Noch während er redete, siehe, eine leuchtende Wolke überschattete sie und siehe, eine Stimme erscholl aus der Wolke: Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe; auf ihn sollt ihr hören. Als die Jünger das hörten, warfen sie sich mit dem Gesicht zu Boden und fürchteten sich sehr.

Da trat Jesus zu ihnen, fasste sie an und sagte: Steht auf und fürchtet euch nicht! Und als sie aufblickten, sahen sie niemanden außer Jesus allein. Während sie den Berg hinabstiegen, gebot ihnen Jesus: Erzählt niemandem von dem, was ihr gesehen habt, bis der Menschensohn von den Toten auferweckt ist!

Auslegung zum Sonntagsevangelium von Hans Urs von Balthasar

Wenn der Bericht von der Verklärung Jesu überlieferterweise in der Fastenzeit steht, dann wird damit erinnert, dass diese Sichtbarwerdung der Herrlichkeit Jesu nach seiner Erklärung an die Jünger erfolgt, er breche nach Jerusalem auf, um dort zu leiden und zu sterben; bei Lukas wird außerdem berichtet, dass das Gespräch des Verklärten mit Mose und Elija sich um dieses sein Ende in Jerusalem gedreht habe. Die Jünger, Petrus voran, werden es bei der Gefangennahme Jesu mit der Angst zu tun bekommen und fliehen, aber auch hier, angesichts der überirdischen Offenbarung, "bekamen sie große Angst und warfen sich mit dem Gesicht zu Boden". Beide Male aber kann ihre Angst nicht verhindern, dass sie das Wesentliche des Ereignisses mitbekommen. Auf dem Berg werden sie einer Öffnung des Himmels und einer Epiphanie des dreieinigen Gottes gewahr: der Vater verweist auf seinen "geliebten Sohn", auf den sie zu hören haben, und der Heilige Geist, in Gestalt einer lichten Wolke, nimmt sie in die Sphäre des Mysteriums hinein. Wirklich zu hören, wirklich überschattet zu werden, wird ihnen erst nach Ostern zuteilwerden. Auch von der Angst des Petrus in der Passion, eine ähnliche Verwirrung wie hier, da er die Hütten bauen will, wird erst die dreimalige Frage des Auferstandenen ihn lösen. In seinen Briefen wird er zum Zeugen beider Ereignisse und ihrer Zusammengehörigkeit werden (2 Petr 1,16ff; 1 Petr 2,21ff).

Hans Urs von Balthasar (Schweizer Theologe, 1905–1988), aus: Ders., Licht des Wortes. Skizzen zu allen Sonntagslesungen, 46–47, © Johannes Verlag Einsiedeln, Freiburg i.Br., 4. Auflage 2012

Quelle: Magnificat - das Stundenbuch

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