Warum glaubst du? Dieser Frage geht der Bonner Stadtdechant und Kölner Domkapitular Markus Hofmann im Kapitelsamt am zweiten Fastensonntag im Kölner Dom nach. Anhand von Abraham und den Aposteln entfaltet er drei Gedanken zum Wesen des Glaubens und erklärt, warum sich niemand dauerhaft der Entscheidung über Gott entziehen könne.
Ausgehend von der Frage "Warum glaubst du?" erinnert Markus Hofmann an Abraham, der mit 75 Jahren seine Heimat verließ, und an Simon Petrus sowie die Brüder Jakobus und Johannes, die Jesus nachfolgten. Er fragt, ob diese Frage nicht auch heutigen Christen gestellt werde – offen oder durch Schweigen und Lächeln.
Er gliedert seine Predigt in drei Gedanken. Zunächst spricht er über Glauben im alltäglichen Sinn. Niemand könne alles wissen, worauf sich das tägliche Leben stütze. Wer ein Hochhaus betrete, könne dessen Statik nicht selbst nachrechnen. Wer einen Aufzug benutze oder ein Medikament einnehme, verlasse sich auf das Wissen anderer.
Keine Gesellschaft besteht ohne Vertrauen
Das menschliche Leben bewege sich in einem "Netz des Nicht-Selbst-Gewussten". Ohne Vertrauen könne eine Gesellschaft nicht bestehen.
Allerdings bleibe ein Unterschied zwischen diesem Vertrauen und dem religiösen Glauben. Im Alltag sei der Übergang vom Glauben zum Wissen grundsätzlich möglich. Beim christlichen Glauben überschreite der Mensch die Grenze eigener Erkenntnis. Die zentralen Inhalte – der eine Gott in drei Personen, die Menschwerdung, die Eucharistie – seien mit dem Verstand nicht zu durchdringen.
Hofmann greift die verbreitete Haltung auf, die Frage nach der Gottessohnschaft Jesu offen zu lassen. Diese Position erscheine redlich, sei aber nicht konsequent durchzuhalten. "Wir können nicht auf Dauer hypothetisch so leben, als ob es Gott gar nicht gäbe, wenn es ihn tatsächlich gibt."
Entweder sei Jesus Christus wahrer Gott, dann müsse man ihn ernst nehmen und seine Worte gelten lassen. Oder er sei es nicht, dann sei das Christentum eine Illusion. Vor dieser Frage könne niemand dauerhaft neutral bleiben. Durch sein Leben entscheide der Mensch faktisch, ob er glaube oder nicht.
Sicherheit des Glaubens
Im dritten Gedanken fragt Hofmann nach der Sicherheit des Glaubens. Wie konnten Abraham und die Apostel ein solches Risiko eingehen? Sie hätten eine Gotteserfahrung "aus erster Hand" gemacht. Abraham habe Gott gehört. Die Apostel hätten Jesu Macht und Größe gesehen. Er zitiert den zweiten Petrusbrief: Man sei "nicht irgendwelchen klug ausgedachten Geschichten gefolgt", sondern Augenzeuge gewesen.
Diese Erfahrung der ersten Zeugen bilde die Grundlage für den Glauben der Christen heute. Man könne glauben, weil andere Jesus Christus gehört und berührt hätten und dafür ihr Leben eingesetzt hätten. "Glauben heißt, durch Vertrauen erhalte ich Anteil am Wissen anderer."
Daraus folge die Bedeutung der Gemeinschaft. Ein Christ ohne Kirche sei kein Christ. Der Glaube sei ein Netz gegenseitiger Verbundenheit. Hofmann nennt Zeugen aus verschiedenen Zeiten, darunter Abraham, Petrus, Jakobus und Johannes, Paulus, den heiligen Franziskus, die heilige Mutter Teresa von Calcutta und den heiligen Carlo Acutis. Begegnungen mit solchen Menschen seien auch heute möglich.
Zum Schluss bittet er: "Gott schenke uns solche Begegnungen."