DOMRADIO.DE: Der Betrieb des Kölner Doms kostet rund 16 Millionen Euro im Jahr, das sind etwa 44.000 Euro jeden Tag. Was wird damit bezahlt?
Msgr. Guido Assmann (Kölner Dompropst): Das ist erst mal eine unvorstellbar hohe Summe, wenn man das so hört. Aber es macht es realistisch, wenn man sieht, welch wunderbares Bauwerk wir hier haben. Dieses Bauwerk für die nächste Generation zu erhalten, ist uns wichtig.
Wir sind dankbar, das von den Generationen geerbt zu haben, die vor uns gelebt, den Kölner Dom erdacht und gebaut und alle Kraft hineingesteckt haben. Dadurch hat er heute eine so große Anziehungskraft als Gotteshaus. Vor 30 Jahren wurde der Dom zum Weltkulturerbe. Das feiern wir in diesem Jahr.
Sechs Millionen Menschen kommen im Jahr zu Besuch. Es gibt Tage im Jahr, an denen 20.000 Besuchende kommen. Letztes Jahr im Advent besuchten an einem Samstag 40.000 Menschen den Dom. Sie kommen, um das Gotteshaus zu sehen, einen Blick hineinzuwerfen, um eine Kerze anzuzünden, den Gottesdienst zu feiern oder eben einfach zum Schauen.
Das bestehen viele Verpflichtungen, um das zu erhalten, damit auch die nächste Generation hier hinkommen und den Kölner Dom als so prächtiges Bauwerk der Gotik sehen kann.
DOMRADIO.DE: Was sind das für Verpflichtungen? Sind das Sicherheitsmaßnahmen, Reinigungsmaßnahmen oder was wird mit dem Geld gemacht?
Assmann: Wir haben am Dom eine eigene Dombauhütte mit 85 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Sie sind Fachleute, die die Steine ersetzen und Ergänzungen machen können. Sie sorgen für Sicherheit am Bauwerk, reinigen die Gläser und ersetzen Fehlstellen.
Viele erinnern sich an die großen Gerüste, die an dem einen Turm hingen. Ein nächstes wird bald wieder aufgebaut. Wir haben viele hochspezialisierte Menschen, die für die Sicherheit, aber auch für den Willkommensdienst zuständig sind. Für die Liturgie am Dom mit 2000 Gottesdiensten im Jahr brauchen wir Küster, Kirchenmusik und Menschen, die das ermöglichen.
Damit geben wir 170 Menschen am Kölner Dom Arbeit. Die erwarten jeden Monat zu Recht eine vernünftige Bezahlung und das dürfen sie auch. Viele Familien leben von ihrem Dienst und ihrer Arbeit am und im Kölner Dom.
DOMRADIO.DE: Die Einnahmen speisen sich aus den unterschiedlichsten Ecken zusammen. Es gibt Führungen, es gibt Zuschüsse, die sowohl vom Erzbistum kommen als auch von der Stadt Köln und dem Land NRW. Was ändert sich an dieser Situation, dass das nicht mehr ausreicht, um diese Kosten zu decken?
Assmann: Es liegt an der Kostensteigerung im Allgemeinen, die wir auch in jedem Lebensmittelgeschäft wahrnehmen. Kaffee und Butter sind plötzlich viel teurer geworden. Wir haben das gleiche Geld im Portemonnaie und trotzdem reicht es nicht mehr für das, was wir vor ein bis drei Jahren im Supermarkt haben kaufen können. Das erleben wir auch.
Wir sind sehr dankbar, dass uns das Erzbistum Köln jedes Jahr einen 4-Millionen-Euro-Zuschuss für die nächsten Jahre garantiert. Auch der Zentral-Dombau-Verein (ZDV) mit über 20.000 Mitgliedern stellt uns jedes Jahr für den Bauerhalt eine beträchtliche Millionensumme zur Verfügung. Wir sind auch dankbar, dass das Land und die Stadt Geld geben.
Wir selber müssen auch eine große Summe erwirtschaften. Das tun wir durch Führungen und beispielsweise die Turmbesteigung. 400.000 Menschen steigen ohne Aufzug und zu Fuß den Turm hoch und runter. Sie gehen auch in die Schatzkammer. Das zu erhalten und zu ermöglichen, kostet Geld.
Man kann sagen, das ist wie eine Schere. Die Einnahmen bleiben ungefähr gleich, aber die Ausgaben werden immer größer. Wir schauen, wie wir diese Schere wieder schließen können. Denn das weiß jeder auch aus seinem eigenen Portemonnaie: Ich kann nur das Geld ausgeben, was ich irgendwann mal eingenommen habe.
DOMRADIO.DE: Können Sie schon sagen, wie das mit dem Eintritt ablaufen wird? Kommt man noch in die Turmhalle rein? Wird es eine Gebetsecke geben?
Assmann: Genau diese Frage und viele andere Fragen haben wir uns auch gestellt. Wir haben uns vorgenommen, die nächsten Wochen intensiv zu nutzen. Damit haben wir auch schon begonnen, um viele dieser Fragen vernünftig abzuwägen und zu klären.
Ganz wichtig ist mir, dass jeder, der wie bisher auch zum Gebet in den Kölner Dom möchte, der eine Kerze anzünden möchte, der die Gottesdienste mitfeiern möchte, der in die Sakramentskapelle zur Anbetung gehen möchte, der ein seelsorgerliches Gespräch mit einem Priester führen möchte, selbstverständlich keinen Eintritt bezahlt. Auch für Mitglieder des Zentral-Dombau-Vereins bleibt der Eintritt kostenfrei.
Jeder kann in bestimmte Bereiche des Kölner Doms zum Gebet, zum Gottesdienst und zum Anzünden der Kerze kommen. Aber die, die schwerpunktmäßig als Touristen kommen, um das Bauwerk zu besichtigen, die bitten wir um eine touristische Besichtigungsgebühr.
Es wird nicht im klassischen Sinne einen Eintritt geben. Und es heißt auch nicht, dass man ohne Eintritt nicht reinkommt. Aber wer eher als Tourist kommt und den Dom in seiner Schönheit durch Führungen, persönlich oder mit der Familie, besuchen möchte, den bitten wir dann um eine entsprechende Besichtigungsgebühr.
Das hilft uns dabei, die Schere zu schließen. Wir haben diese hohen Ausgaben und wir denken nicht nur an uns selbst. Wir könnten sicherlich das ein oder andere irgendwie verkraften. Wir wollen jedoch, dass der Dom für die nächste Generation erhalten bleibt, damit sie den Dom genauso prächtig sehen können wie wir.
Um alleine die Schäden des Zweiten Weltkrieges zu beheben, hat die Dombauhütte noch Arbeit bis zum Jahre 2070. Es geht nicht nur um die Arbeit, sondern auch das Material, die Sicherheit von Statik und die tollen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Domes müssen bezahlt werden.
DOMRADIO.DE: Haben Sie sich schon überlegt, wie hoch dieser Betrag sein soll?
Assmann: Das müssen wir erst durchrechnen und überlegen, damit wir gute Konzepte entwickeln. Das werden wir in Ruhe gemeinsam überlegen, damit es verantwortlich ist und wir nicht nach kurzer Zeit wiederkommen und sagen, wir haben uns verrechnet.
Das ist sicherlich eine Aufgabe, die wir uns stellen. Wir betreten in Köln mit dem Kölner Dom Neuland, was bei anderen Kirchen aber schon lange Regel ist.
Europaweit werden sie kaum eine Kathedrale sehen, die keinen Eintritt nimmt. Auch in Deutschland gibt es große Bauwerke, aber keine ist vergleichbar mit dem Kölner Dom. Im Berliner Dom, der der evangelischen Kirche gehört, gibt es trotz Kirchensteuer auch einen Eintritt.
Das sind Aufgaben, die mit vielen anderen Dingen vor uns liegen. Wir müssen an Beschilderungen denken, die zeigen, wo man ein Ticket bekommt. Wir wollen es den Menschen möglichst leicht machen, den Dom zu besuchen.
DOMRADIO.DE: Haben Sie die Befürchtung, dass der Dom durch einen Eintritt den Status als meistbesuchte Touristenattraktion Deutschlands verliert?
Assmann: Der Kölner Dom wurde nicht gebaut, um ein touristisches Einmaligkeitsmerkmal zu bekommen und das meistbesuchte Gebäude zu sein. Der Dom hat sich dahin entwickelt und das macht uns auch stolz. Jeder in Köln sagt das. Wir sagen das selber auch wirklich gerne. Alle sechs Millionen Besucher sind wirklich herzlich willkommen.
Aber wir sind realistisch. Wenn man einen Betrag bezahlen muss, um den Dom touristisch zu besuchen, wird es manche Leute davon abhalten. Dann kommt wahrscheinlich nicht mehr die Zahl von sechs Millionen Menschen zu Besuch.
Gleichzeitig zeigen manche Rückmeldungen von Besuchern, dass sie eigentlich von diesem wunderbaren Bauwerk begeistert sind, sich aber von der Atmosphäre her wie im Hauptbahnhof gefühlt haben. Was ist das dann noch für eine Kirche, wenn man Leute mit Handy am Ohr, Kaugummi kauend und durcheinanderschreiend erlebt. Das ist keine Atmosphäre mehr wie in einer Kirche.
Das sind kritische Stimmen, die uns nicht nur einmal, sondern häufig im Jahr erreichen. Möglicherweise führt der Eintritt dazu, dass es im Dom ein wenig ruhiger wird, dass Menschen dieses Haus bewusster als Kirche und Gotteshaus wahrnehmen. Das steht jedoch nicht an erster Stelle, das möchte ich unterstreichen und auch betonen. Das ist auch nur eine Annahme.
Wir wollen keinen verprellen, im Gegenteil: Kommen Sie alle nach Köln, kommen Sie zum Kölner Dom und kommen Sie gerne zu unseren Gottesdiensten. Denn dafür steht der Kölner Dom. Dafür wollen wir auch als Domkapitel gerade stehen, dass die Menschen, die auf der Suche nach Gott sind, mit uns beten und mit uns ins Gespräch kommen.
Wir haben jeden Tag eine Beichtgelegenheit im Dom und jeden Tag fünf Messen im Dom, zudem die großen Gottesdienste mit unserem Erzbischof an den großen Festen. Menschen kommen, um das zu erleben. Der Dom ist nicht nur eine wunderbare Hülle aus Stein, Glas und Verzierungen, sondern er ist ein lebendiger Ort lebendigen Glaubens. Das ist uns ganz wichtig.
Wenn es uns gelingt, diesen Ort als solchen weiterhin zu erhalten und viele Menschen ihr Scherflein dazu beitragen, dann ist es gut investiertes Geld in den Kölner Dom: eine Investition in diesen Glaubensort mitten in der Stadt Köln, mitten in unserem Erzbistum Köln. Denn es ist unsere Bischofskirche und als solche wird der Kölner Dom weltweit wahrgenommen.
Das Interview führte Renardo Schlegelmilch.