DJK-Präsidentin betont Bedeutung von Inklusion im Sport

Sport für alle - keine Selbstverständlichkeit

"Sport für alle" heißt die Konferenz, zu der der Vatikan eingeladen hat. Weil es für Menschen mit Behinderung oder aus benachteiligten Verhältnissen eben nicht leicht ist, an Sportangeboten teilzuhaben. Da stoße der Sport an Grenzen.

Grundschüler laufen bei einem Sportfest / © tamu1500 (shutterstock)
Grundschüler laufen bei einem Sportfest / © tamu1500 ( shutterstock )

DOMRADIO.DE: Fast 250 Personen aus 40 Ländern sind zu dieser Sportkonferenz eingeladen. Jetzt könnten Kritiker sagen, es gibt weitaus Wichtigeres, als im Vatikan über Sport zu sprechen. Wie sehen Sie das? 

 © Rainer Nolte (KNA)
© Rainer Nolte ( KNA )

Elsbeth Beha (Präsidentin des katholischen Sportverbandes "Deutsche Jugend-Kraft" (DJK)): Ja, das könnte man vielleicht denken. Bei dieser Konferenz ist mir aber noch einmal klar geworden, dass diese Thematik "Sport für alle" in allen anderen Kontexten diskutiert und bearbeitet werden könnte wie zum Beispiel in der Politik oder auf europäischer Ebene. Ich finde es schon sehr innovativ und bemerkenswert, dass sich die katholische Kirche - von höchster Ebene sozusagen - dazu bekennt und einlädt, um dieses Thema voranzutreiben.

DOMRADIO.DE: Was meint denn überhaupt der Name der Veranstaltung "Sport für alle"? Hat nicht jeder theoretisch Zugang zu Sport?

Beha: Sport kann man überall machen. Aber darum geht es nicht in erster Linie. Der Untertitel lautet: "verbindend, zugänglich und maßgeschneidert". Da stößt der Sport schon an seine Grenzen, weil es nicht einfach so ist, dass jeder Mensch auf der Welt einfach überall Sport machen und jederzeit teilnehmen kann, egal wo er ist, in welchem Umfeld, unter welchen sozialen, familiären oder gesundheitlichen Voraussetzungen er lebt. Darum geht es bei der Konferenz.

Kongress "Sport für alle" im Vatikan

"Sport für alle – verbindend, zugänglich und maßgeschneidert": Unter diesem Titel findet ein zweitägiger internationaler Sportkongress im Vatikan statt. Er wirbt dafür, Sport zugänglicher zu machen und als Mittel der Integration und Inklusion stärker zu nutzen.

Kinder und Jugendliche beim Sport (shutterstock)

Der Sekretär des Dikasteriums für die Laien, die Familie und das Leben, Alexandre Awi Mello, sozusagen der Minister im Vatikan für Kultur und Sport, sagte in seiner Eröffnungsrede: Wir wollen uns nicht in die Arbeit und die Regeln der Sportorganisationen einmischen, sondern wir wollen dafür sensibilisieren, allen Menschen einen Zugang zum Sport zu ermöglichen. Die Kirche fühlt sich verpflichtet, den Sport dahingehend zu unterstützen, dass jeder Mensch sich einbringen kann, unabhängig von seinen Voraussetzungen. Eigentlich geht es um das, was wir als Inklusion bezeichnen, um Teilhabe für alle, egal mit welchen Voraussetzungen.

DOMRADIO.DE: Sport als Mittel der Inklusion und die Herausforderungen dadurch - das ist die Kernkompetenz des DJK Sportverband?

Beha: Ja, genau. Wir sehen die Inklusion an sich in erster Linie als Kernkompetenz. Wir sind natürlich ein Sportverband und wollen unseren Mitgliedern die Möglichkeit bieten, den Sport zu treiben, der für sie passend ist und den sie gerne machen. Aber wir sind ja der katholische Sportverband in Deutschland und unserer Leitbild lautet "Sport um der Menschen willen".

Wir sind ein christlich werteorientierter Sportverband, deshalb sind uns eben diese Werte ganz wichtig. Wir stellen den Menschen in den Mittelpunkt bei unserem Sport. Die Werte lauten: Fairplay, was im Sport ganz wichtig ist, der Respekt voreinander, eben die Inklusion, aber auch die Integration, das erleben wir ja jetzt im Augenblick mit den vielen Geflüchteten aus der Ukraine, Anti-Doping, Prävention gegen sexualisierte Gewalt. Das sind die Kernthemen, die den Sport für alle auch erst ermöglichen. 

DOMRADIO.DE: An diesem Konferenztag liegt der Schwerpunkt auf Sport und Gemeinschaft. Warum ist denn für den katholischen Sportverband DJK die Gemeinschaft so essenziell?

Beha: Der DJK Sportverband steht auf drei Säulen: Das ist natürlich der Sport, die Gemeinschaft und der Glaube. Die Gemeinschaft steht in der Mitte dieser drei Säulen. Sie ist uns ganz wichtig. Denn gemeinsam sind wir stark im Sport, aber auch außerhalb, außerhalb des Sportplatzes. Das leben wir intensiv im Verband und in den Vereinen.

Wir als DJK Sportverband, aber auch der Sport überhaupt, leistet damit einen ganz großen Beitrag auch zum sozialen Zusammenhalt. Diese Gemeinschaft leben wir auch am kommenden Wochenende, wenn wir in Bamberg unsere Jubiläumswallfahrt nachholen, die wir eigentlich 2020 zum 100-jährigen Jubiläum veranstalten wollten. Da verbindet sich die Gemeinschaft und der Glaube, da ist der Sport etwas mehr am Rande. Aber die Gemeinschaft und der Glaube, der wird sich da sehr gut zeigen. 

Das Interview führte Tobias Fricke.

DJK-Sportverband

Der DJK-Sportverband ist ein katholischer Sportverband in Deutschland mit Sitz im rheinischen Langenfeld. Er versteht sich als christlich wertorientierter Sportverband unter katholischem Dach und nimmt laut eigenen Angaben jeden auf, der diese Orientierung mitträgt. Etwa 500.000 Sportler betreiben in rund 1.100 DJK-Vereinen über 100 Sportarten. Präsidentin ist seit 2015 Elsbeth Beha. Geistliche Bundesbeirätin ist seit 2018 Elisabeth Keilmann, die zugleich Olympia- und Sportseelsorgerin der Deutschen Bischofskonferenz ist.

Ein alter Basketball auf einem Sportplatz / © NWStock (shutterstock)
Ein alter Basketball auf einem Sportplatz / © NWStock ( shutterstock )
Quelle:
DR