Katholische Kirche setzt auf neue Wege in der Jugendseelsorge

Digitalisierung und Klimaschutz?

Nirgends ist der Mitgliederschwund für die Kirchen so existenzgefährdend wie bei der Jugend. Kann eine Neuaufstellung in der Jugendseelsorge die Kirche für Jugendliche attraktiver machen?

Symbolbild Jugendliche mit einem Kreuz / © Harald Oppitz (KNA)
Symbolbild Jugendliche mit einem Kreuz / © Harald Oppitz ( KNA )

Viele junge Menschen treten aus der Kirche aus. Sicherten früher aktive Jugendgruppen und Ministrantenarbeit das Nachrücken ganzer Generationen in den Reihen der praktizierenden Kirchgänger und Gemeindemitglieder, droht dieser Zustrom nun - auch dank Digitalisierung und den Folgen der Corona-Pandemie - zu versiegen. Mit einer Neuaufstellung in der Jugendseelsorge will die katholische Kirche jetzt gegensteuern.

Am Mittwoch veröffentlichte die Deutsche Bischofskonferenz in Bonn dazu ein entsprechendes Papier. Das Dokument mit dem Titel "Wirklichkeit wahrnehmen - Chancen finden - Berufung wählen" soll die seit 1991 gültigen Leitlinien zur Jugendpastoral ersetzen. Die Bischöfe hatten sich darauf bei ihrer jüngsten Vollversammlung in Fulda verständigt.

Digitalisierung muss berücksichtigt werden

Internet und digitale Techniken gehörten inzwischen für Jugendliche zu einem selbstverständlichen Teil ihres Alltags, sagte der bisherige Vorsitzende der Jugendkommission der Bischofskonferenz, Bischof Stefan Oster.

Dies habe die Jugendseelsorge zu berücksichtigen. Neue Kommunikationswege und Techniken müssten dabei "selbstverständlich und authentisch eingesetzt werden", so Oster. "Besonders dankbar bin ich über die klare Ausrichtung des Textes auf Christus und die Freundschaft mit ihm", fügte der Bischof von Passau hinzu.

"Jugendpastoral darf sich nicht verschließen"

Osters Nachfolger als Vorsitzender der Jugendkommission, Weihbischof Johannes Wübbe, sagte, das Dokument helfe, jugendliche Lebenswelten zu verstehen. "Prozesse der Säkularisierung und der Pluralisierung sind in einem Maß fortgeschritten, dass für viele junge Menschen der christliche Glaube alles andere als selbstverständlich, christliche Sozialisation in Familie und Gemeinde für die wenigsten per se gegeben ist."

Die Vielfalt der in dem Dokument benannten jugendpastoralen Handlungsfelder nannte der Osnabrücker Weihbischof eine wesentliche Voraussetzung, um den gewandelten Bedürfnissen zu entsprechen. "Dabei darf sich Jugendpastoral nicht verschließen und in ihren eigenen Kreisen verstricken; sie hat ein Herz für alle jungen Menschen, gleich welcher Religion oder Kultur sie angehören."

Alle jungen Menschen ansprechen

Inhaltlich setzt sich das Papier nicht nur mit der Digitalisierung auseinander. So wird festgehalten, dass die politische und gesellschaftliche Bewältigung der Klimakrise für viele Jugendliche eine der drängendsten Zukunftsaufgaben sei. "Das muss für uns Ansporn sein im Engagement zur Bewahrung der Schöpfung", heißt es.

Die Leitlinien fordern auch dazu auf, kirchliche Angebote nicht auf bestimmte Zielgruppen zu reduzieren, sondern alle jungen Menschen anzusprechen, "gleich welcher Religion oder Kultur sie angehören".

Bischof Stefan Oster / © Maria Irl (KNA)
Bischof Stefan Oster / © Maria Irl ( KNA )
Weihbischof Johannes Wübbe / © Markus Nowak (KNA)
Weihbischof Johannes Wübbe / © Markus Nowak ( KNA )
Quelle:
KNA