Bistum Mainz startete Umfrage unter jungen Erwachsenen

"Da haben wir Einiges zu tun"

Was denken junge Leute über die Kirche? Das wollte das Bistum Mainz mit der Umfrage "Platz für Dich?!" herausfinden. Vor allem im digitalen Bereich gebe es für die Kirche Einiges aufzuholen, sagt Diözesanjugendseelsorger Mathias Berger.

Symbolbild: Jugend, Jugendliche, Weg / © Brian A. Jackson (shutterstock)
Symbolbild: Jugend, Jugendliche, Weg / © Brian A. Jackson ( shutterstock )

DOMRADIO.DE: Sie haben vor allem 18- bis 35-Jährige befragt, aber auch Menschen unter 18 Jahren. Was genau ist denn bei dieser Umfrage herausgekommen? 

Pfarrer Mathias Berger (Diözesanjugendseelsorger im Bistum Mainz): Wir sind gerade dabei, für uns zu verstehen, was die jungen Leute da sagen. Es gibt erste Einsichten, die wir herauskristallisiert haben. Zum Beispiel, dass die Altersspanne zwischen 18 und 21 eine ganz besondere Altersspanne ist, wo leider Gottes die jungen Menschen sagen, dass Kirche für sie kaum eine Rolle spielt. 50 Prozent sagen: Nein, ich habe mit Kirche nichts zu tun in dieser Lebensphase, wo doch so viel passiert und so viele Weichen gestellt werden.

Wir haben eine ganze Menge darüber herausbekommen, wie sich junge Erwachsene spirituelle, geistliche, inspirierende Formate vorstellen, von denen sie sagen: Das spricht uns wirklich an. Da haben wir einiges abzuarbeiten und natürlich auch dieses Reiben an den ewigen heißen Eisen, wo sich Kirche in der Sicht der jungen Erwachsenen nur millimeterweit bewegt, wenn überhaupt. Da haben wir Einiges zu tun. 

DOMRADIO.DE: Fangen wir vielleicht mal mit den Unter-18-Jährigen an. Unter zehn Prozent dieser Unter-18-Jährigen geben Kirche überhaupt noch irgendeine Art von Bedeutung. Ich frage jetzt mal ganz pessimistisch: Heißt das, man muss sich da vielleicht von einer ganzen Generation verabschieden? 

Berger: Das wäre ein worst case. Wir sollten eher investieren und auf diese Lebensphase nochmal genauer schauen. Da ist natürlich der Lebensraum Schule ein ganz breiter. Wichtig ist, junge Leute in ihrer Lebenswirklichkeit abzuholen, deutlich zu machen: Kirche hat ein Interesse an euch. Da haben wir sicher noch nicht die Antworten für, aber eine Problemanzeige ist es auf jeden Fall. Das ist schon eine Erkenntnis der Studie, jetzt zu sagen: Da können wir nicht weitergehen wie bisher. Der Raum, das zu entwickeln, ist jetzt geöffnet. Aber wir sind da erst in den ersten Schritten unterwegs. 

DOMRADIO.DE: Es gibt auf der anderen Seite aber auch ganz positive Ergebnisse: 68 Prozent der Umfrageteilnehmer sagen: Kirche ist als Ansprechpartner für mich in einzelnen Lebensbereichen doch auch noch wichtig. Welche Lebensbereiche sind das denn? 

Berger: 54 Prozent der Teilnehmer sprechen da von einer engen Bindung an Kirche - durch die eigene Erfahrung aus dem Jugendbereich, aus der Verbandsarbeit. Und dann gibt es eben die, die immer mal wieder punktuell in Kontakt mit Kirche kommen. Das sind die Bereiche der Knotenpunkte im eigenen Leben; etwa Beerdigungen. Man kommt in das Alter, wo schonmal Leute aus dem eigenen Bekannten- und Familienkreis sterben. Da geht es um Trauungen, die man miterlebt - vielleicht noch weniger die eigenen als die Hochzeiten anderer, auch Taufen und so weiter.

Oder auch einfach, wenn ich als junger Mensch in einer sozialen Einrichtung bin und plötzlich darauf aufmerksam werde: Oh, da steckt ja Kirche dahinter - die Caritas, ein kirchliches Krankenhaus oder eine kirchliche Kindertagesstätte. Da lohnt es sich, nochmal genauer hinzuschauen: Welche Erfahrungen machen junge Leute da? Wie kommt Kirche ihnen entgegen? Wie nehmen sie Kirche wahr? Mit welchem Auftritt sind wir da unterwegs? Wirkt das auf junge Leute eher altbacken und vermufft oder irgendwie auch spannend, inspirierend, bereichernd und relevant? 

DOMRADIO.DE: Einige der Befragten haben angegeben, sie wünschen sich zum Beispiel anonyme Seelsorge im Internet. Reagieren Sie darauf? 

Berger: Ja, und zwar jetzt durch Corona natürlich nochmals sehr beschleunigt, weil uns deutlich wurde, dass das manchmal die einzige Möglichkeit ist, noch miteinander verbunden zu bleiben und zu signalisieren: Der Faden reißt nicht ab. Da sind wir uns schon sehr bewusst, dass wir uns im Bereich der Digitalität nochmal verändern müssen - im Bereich anonyme Seelsorger, Beratung oder auch mit Podcasts mit spannenden Glaubens-und Lebensthemen.

Das ist schon ein Marker, den wir uns gemacht haben, da nochmal zu investieren - auch in unseren Social Media-Auftritten. Da sind uns ja oft die kleineren Kirchen, die Freikirchen, die evangelikalen Kirchen voraus. Da kann die katholische Kirche noch nachlegen.

Das Interview führte Verena Tröster.

Quelle:
DR