Synodale Prozesse schon in mehreren Ländern in Gang

"Die Synode kommt jetzt sehr in Mode"

"Nationales Plenarkonzil", "Synodaler Weg" oder "Diözesansynode". Viele Namen hat, was in diversen Ländern und unter Geburtswehen in der Kirche geschieht. Das Ziel scheint dasselbe zu sein: Vertrauen und Hoffnung auf Erneuerung.

Bischöfe / © Jeoffrey Guillemard (KNA)
Bischöfe / © Jeoffrey Guillemard ( KNA )

Kann der Weg schon das Ziel sein? Nicht in diesem Fall. Zu schlecht geht es der katholischen Kirche im 21. Jahrhundert mit galoppierender Säkularisierung, mit Skandalen und mangelnder Orientierung. Papst Franziskus hat seit seiner Wahl 2013 immer wieder erklärt, er wolle das Konzept der "Synodalität", das beim Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) formuliert wurde, neu beleben. Er hat das Instrument der Bischofssynode gestärkt und dessen Generalsekretär, derzeit der Malteser Mario Grech, in den Kardinalsrang befördert.

Inzwischen kommen in mehreren Ländern synodale Prozesse in Gang. Jüngstes Beispiel: Irland. Ein Vatikandiplomat formulierte es jüngst so: "Die Synode kommt jetzt sehr in Mode." Diese Prozesse haben viele Namen: "Nationales Plenarkonzil", "Synodaler Weg", "Diözesansynode".

Das Ziel scheint aber immer dasselbe: neues Vertrauen gewinnen, den Dialog zu Andersdenkenden und Fernstehenden suchen, Hoffnungen in die Kirche erneuern.

In Irland kündigten die katholischen Bischöfe in dieser Woche an, binnen fünf Jahren eine Nationalsynode einzuberufen. Vorbereitend soll es einen "synodalen Weg" ("synodal pathway") geben - eine Formulierung, die in Deutschland vertraut vorkommt. Unter anderem will man in Irland explizit die Stimmen derer hören, die die Kirche verlassen haben. Dort wie kaum anderswo ist dieser Weg schon aus schierer Not geboren.

Das Ausmaß von sexuellem und geistlichem Missbrauch im Bereich von Kirchen und Ordenshäusern im 20. Jahrhundert, der Skandal um tote Babys in den sogenannten Magdalenenheimen für ledige Mütter: Dies alles hat im einst tiefkatholischen Irland für einen regelrechten Lawinenabgang an Glaubenspraxis gesorgt. Die irischen Bischöfe erklären, sie nähmen "einen Ruf nach Transparenz und Rechenschaftspflicht in der Kirche" wahr. Auch mehr Beteiligung von Frauen sei ihnen ein wichtiges Anliegen.

Wie sieht es in Australien aus?

In Australien plant die katholische Kirche schon lange ihr erstes sogenanntes Plenarkonzil seit über 80 Jahren. Schon im März 2018 gab Papst Franziskus Grünes Licht dafür. Doch nicht zuletzt die Corona-Pandemie machte einen dicken Strich durch die Rechnung.

Eigentlich waren die beiden Sitzungsperioden der nationalen Vollversammlung der katholischen Kirche für Oktober 2020 und Mai 2021 vorgesehen. Immerhin wurde nun kürzlich das Arbeitsdokument veröffentlicht.

Ein australisches Plenarkonzil hatte zuletzt 1937 stattgefunden. Zur Teilnahme verpflichtet sind alle Bischöfe, Generalvikare, dazu Vertreter von Orden sowie die Leiter der Priesterseminare. Zusätzlich können Laien, Kleriker und emeritierte Bischöfe als Delegierte berufen werden. Über eine Website und Veranstaltungen in den Gemeinden sollen die Gläubigen in die inhaltliche Gestaltung einbezogen werden. Der Organisator, Erzbischof Mark Coleridge von Brisbane, formulierte nach den Missbrauchsskandalen: Die Kirche wolle in einer "Zeit signifikanter Herausforderungen offen, zuhörend, dialogisch und einsichtig" über ihre Zukunft beraten.

Und in Italien?

In Italien ist es eher der Papst, der die Bischöfe zum Jagen trägt.

Dort laufen die Erneuerungsprozesse eher zögerlich. Immerhin vier Bistümer schreiten inzwischen synodal voran. Kardinal Grech sagt dazu im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA): "Es gibt jene, die man ermutigen muss, einen Schritt vorwärts zu machen, und es gibt jene, die man zu etwas Vorsicht mahnen muss. Nicht weil jemand unsere Freiheit einschränken wollte, sondern um zu helfen, nicht vom Weg abzukommen."

Der synodale Weg darf also nicht vom Weg abkommen. Damit spricht Grech einen wunden Punkt an, der besonders in Deutschland aufmerksam gehört werden dürfte. Dort hat sich die katholische Kirche vor zwei Jahren auf eine Reise begeben, die international sehr argwöhnisch beobachtet wird.

Der in den USA einflussreiche konservative Theologe und Buchautor George Weigel etwa schoss in dieser Woche scharf: Er forderte Papst Franziskus auf, "die deutschen Bischöfe zurück zum Glauben zu rufen".

Die grundlegenden Texte des "Synodalen Weges" hätten "zersetzenden Charakter"; die Synodalen inklusive der Bischöfe seien "abtrünnig" von der wahren Lehre der Kirche" und "im Dienst des postmodernen Credo, dass es 'meine Wahrheit' und 'deine Wahrheit' geben könne, aber nichts als echte Wahrheit beschrieben werden kann". Zum Schluss holt er die schwerste Keule heraus, die ein US-Amerikaner gegen Deutsche schwingen kann: "Der Instinkt für totalitären Zwang", so Weigel, "stirbt in einigen Kulturen scheinbar schwer aus."

Kardinal Grech bietet Hilfe an

Kurienkardinal Grech sieht das deutlich entspannter; zumindest verpackt er mögliche Sorgen aus Rom sehr freundlich. Auch die deutsche Initiative sei "ein positiver Moment für die Kirche", sagte er der KNA. Rom wolle "bei einem solchen Prozess helfen, ihn unterstützen". Er selbst würde sogar gerne mal an einer Versammlung in Deutschland teilnehmen. Doch mit Papst Franziskus betont er auch:

"Eine Synode ist kein Parlament und Synodalität keine Demokratie." Vielmehr gelte es, im gegenseitigen Zuhören "Gottes Willen zu erkennen". Das sei ein sehr anstrengender und fordernder Prozess.

Die Synoden der 2020er Jahre, so klingt durch, sollen keine politischen Versammlungen sein wie in jener ersten Synodenwelle, als in den politisierten Gesellschaften der 1960er/70er Jahre die Beschlüsse des Zweiten Vatikanums immer weiter nach links ausgedehnt wurden. So verlangte etwa das niederländische Pastoralkonzil (1966-1970) in einer Art katholischer Kulturrevolution unter anderem die Freigabe des Priesterzölibats und eine Wahl Bischöfe durch das Volk. Die Forderungen liegen allerdings heute wieder auf dem Tisch.

Autor/in:
Alexander Brüggemann
Quelle:
KNA
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