Chor-Singen in der Corona-Pandemie

Die Rolle der Aerosole

Gemeinsames Singen ist in Corona-Zeiten nicht ohne Regeln möglich. Der Dachverband für Kirchenmusik hat dafür ein Konzept erarbeitet. Wichtig seien Abstand, Hygiene und Lüften, sagt Verbandspräsident Marius Schwemmer.

Singender Chor / © Harald Oppitz (KNA)
Singender Chor / © Harald Oppitz ( KNA )

DOMRADIO.DE: Warum kann das gemeinsame Singen in Corona-Zeiten so gefährlich werden? Was wissen wir darüber im Moment,. 

Marius Schwemmer (Präsident des Cäcilienverbandes, Dachverband für Kirchenmusik): Der Wissensstand dazu ändert sich fast täglich. Aber es geht wohl um die Rolle der Aerosole, der Schwebeteile in der Luft, die die Infektion übertragen können. Und durch die Artikulation und die Weite, mit der das beim Singen passieren kann, ist das Singen eben gefährlich. 

DOMRADIO.DE: Deshalb haben sie jetzt ein Konzept erstellt, damit Chöre trotzdem auch in der Corona-Zeit sicher proben können. Da zählen Sie erst mal Voraussetzung auf. Was sind da die wichtigsten? 

Schwemmer: Dieses Konzept soll zum einen dazu dienen, den Umgang mit den Risikobewertungen zu erleichtern und dann auch wieder verantwortbares Singen zu ermöglichen. Die Voraussetzungen sind auf jeden Fall als erstes, dass man immer die geltenden Verordnungen der Bundesländer oder des Bundeslandes, indem man ist und des Bistums oder Erzbistums, berücksichtigen muss. Die geben das vor. Das ist manchmal ganz konkret durch Abstände und sonstiges geregelt. Und dann ist es natürlich auch immer eine Sache der Pfarrei, die sagen muss: Was geht und was geht nicht? Da muss immer Rücksprache gehalten werden.

Dann gilt es, einen Hygiene-Verantwortlichen oder einen Hygiene-Beauftragten zu bestimmen, der schaut, dass alles korrekt durchgeführt ist, der auch sensibel ist für das Thema. Und dann ist es auch ganz wichtig, vor Proben alle Leute nochmal darauf hinzuweisen, wie wichtig die Hygienemaßnahmen sind. 

DOMRADIO.DE: Auch für die Probe selbst haben sie eine ganze Reihe von Regeln aufgestellt - bis ins Detail. Stichwort Getränke: Was ist da wichtig? 

Schwemmer: Das ist jetzt nicht der hauptsächliche Punkt beim Proben, dass man sich um das Trinken kümmert. Aber viele haben da eben Getränke dabei, um zwischendurch mal etwas zu trinken. Wichtig ist auch beim Trinken, bei den Noten, bei eventuellen Bleistiften, die man hat, dass diese Dinge jeder Teilnehmer selber mitbringt, dass das also nicht durchgereicht wird. Damit da nicht an den Oberflächen irgendwelche Infektionsteile bleiben können. 

DOMRADIO.DE: Was ist denn dann aber das Wichtigste, wenn die Getränke eher noch ein Nebenaspekt sind? 

Schwemmer: Das Wichtigste für uns der Abstand, der zwischen den Sängern zu halten ist. Wir empfehlen da drei Meter. Wichtig ist natürlich - das erleben wir im alltäglichen Bereich auch - die Hand-Hygiene und die Hust- und Nies-Etikette. Sehr wichtig sind auch die Dauer der Probe und die Lüftungs-Phasen dazwischen - dass ein Luft-Wechsel stattfindet, damit Aerosole nicht im Raum hängenbleiben. Wichtig ist auch der Umgang mit Risikogruppen, dass man auf die besonders Rücksicht nimmt. 

DOMRADIO.DE Was, wenn dann trotz allem jemand aus dem Chor positiv auf das Coronavirus getestet wird? 

Schwemmer: Das ist auf jeden Fall sofort zu melden. In der Probe wird dann auch protokolliert, in welchem Umfeld die infizierte Person saß. Damit man die betroffenen Personen auch gleich benachrichtigen kann, damit die sich testen lassen können. So dass die Infektionskette gut nachvollziehbar ist und eine Ansteckung dann auch sehr schnell eingedämmt werden kann. 

DOMRADIO.DE: Wie wichtig ist es denn für Chorsänger, zu proben und im Gottesdienst zu singen - beziehungsweise wie schlimm, wenn das alles nicht geht? 

Schwemmer: Wir haben gemerkt und auch gehört, in der Zeit, in der das alles nicht ging, dass den Sängerinnen und Sängern vor allem die Gemeinschaft gefehlt hat. Als es dann in den einzelnen Bundesländern so nach und nach wieder losging, dass man sich zum Singen treffen konnte, war die Freude schon groß. Es gibt ja virtuelle Chöre und verschiedene digitale Alternativangebote. Aber das ersetzt eben die Gemeinschaft nicht. Das hat man da ganz deutlich gemerkt.

Wir merken aber auch, jetzt wo das Proben wieder möglich ist, dass noch viele Leute vorsichtig sind, dass noch nicht alle zur Probe kommen. Aber dass die Freude, wie gesagt, groß ist, dass man sich treffen kann und in Gemeinschaft singen kann.

Das Interview führte Hilde Regeniter.

Quelle:
DR