Jakobsweg-Pilger blicken auf ungewisses Jahr 2022

"Die Pilger zögern"

2021 sind doch mehr Menschen nach Santiago de Compostela gepilgert als erwartet. Was bringt das Jahr 2022 für den Jakobsweg? Im Moment ist eine Prognose schwierig, sagt der Freundeskreis der Jakobuspilger.

Die gelbe Muschel: Erkennungsmerkmal des Jakobsweges / © gregorioa (shutterstock)
Die gelbe Muschel: Erkennungsmerkmal des Jakobsweges / © gregorioa ( shutterstock )

DOMRADIO.DE: Fast 180.000 Pilger waren es im vergangenen Jahr. Hat Sie diese Zahl überrascht?

Heino von Groote (Vorsitzender des Freundeskreises der Jakobuspilger Paderborn): Diese Zahl hat mich absolut überrascht, denn Mitte des letzten Jahres war das Pilgern in Spanien ja fast zum Erliegen gekommen. Es gab die Pflicht zum Maskentragen – auch im Freien. Viele Herbergen waren geschlossen, sodass die Unterbringung während des Pilgerns schwierig war. In der ersten Jahreshälfte war fast gar nichts los.

Später lockerten sich bei den fallenden Inzidenzen die Bestimmungen. Dann hatten wir zunächst sehr viele spanische Rentner auf dem Jakobsweg. Und in der zweiten Jahreshälfte kam die große Überraschung: Es kamen wieder erstaunlich viele Pilger aus aller Welt. Besonders überrascht haben die Zahlen von Italienern und Amerikanern, die nach Santiago kamen, sodass wir also tatsächlich im ganzen Jahr doch wieder die erstaunliche Zahl von 177.000 Pilgern in Santiago hatten.

DOMRADIO.DE: Also hatten 2021 wohl auch weniger Menschen Angst vor Corona. Hat sich das jetzt mit der Omikron-Variante wieder geändert? Was meinen Sie?

von Groote: Es gab natürlich die ganz große Hoffnung, dass diese positive Entwicklung weiter ginge. Positiv im Hinblick auf Corona und damit in Folge natürlich auch positiv im Hinblick auf die Möglichkeit zu pilgern. In Spanien standen alle bereit, wieder alles hochzufahren. Ich habe im Ohr den Jubel eines Pastors aus Pamplona, Don César Magaña, der jubelte: Der Zauber der Straße kehrt zurück. Die Pilger sind wieder da. Aber diese Hoffnungen haben natürlich jetzt einen ganz schweren Dämpfer bekommen.

DOMRADIO.DE: Wie sieht es bei Ihnen im Verein aus? Planen dort viele Menschen in diesem Jahr 2022 zu pilgern oder haben doch viele Sorgen vor einer Ansteckung und zögern vielleicht noch?

von Groote: Die Pilger zögern aus Angst, aber sie warten ungeduldig. Bei Pferden würde man sagen, sie scharren mit den Hufen. Ich war gestern noch in unserem Pilgerbüro und habe dort so einige Dinge aufgefangen. Eine Lehrerin im Sabbatjahr sagte mir, "ich gehe am 1.3. in Minsen los und so gut es geht von der eigenen Verfassung und von Corona her gehe ich bis Santiago." Oder ein anderer, der anrief und sagte: Wie ist es im Mai in Spanien wohl? Ich möchte mit meinem Freund pilgern. Oder eine Pilgergruppe, Kollegen aus einer Großbäckerei, wollen mit 20 Personen in diesem Jahr loslaufen. Alle warten und alle stehen wie gebannt jetzt vor diesen Omikron-Zahlen, die wir aus Spanien hören ...

DOMRADIO.DE: Es sind ja nicht nur Deutsche, die sich auf den Weg machen wollen. Aus der ganzen Welt kommen die Menschen, um diesen heiligen Ort des Jakobus zu erreichen. Werden die 180.000 Pilger im Jahr 2022 dann auch wieder erreicht werden, was meinen Sie?

von Groote: Ich glaube, dazu müssten Sie einen Virologen fragen. Da bin ich, glaube ich, der Falsche. Ich kann nur sagen: Heilige Jahre sind ja normalerweise die Jahre, in denen der Namenstag des Jakobus auf einen Sonntag fällt. Das war in 2021 der Fall und das Heilige Jahr ist schon verlängert worden auf dieses Jahr. An den Pilgern wird es nicht liegen. Sie stehen alle da, ich glaube weltweit, und warten. Und jeder kleine Rückgang der Inzidenzen in Spanien wird genutzt werden, dass wieder mehr Pilger da sind. Ich glaube, es werden viele. Aber wie gesagt, sie müssten wirklich an Virologen fragen.

Ein Pilger in Santiago de Compostela / © Soloviova Liudmyla (shutterstock)
Ein Pilger in Santiago de Compostela / © Soloviova Liudmyla ( shutterstock )
Quelle:
DR
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