Die Heilige Lydia: Europas erste Christin

Ein Vorbild für Maria 2.0?

Am 3. August gedenkt die Kirche der Heiligen Lydia, zu ihrer Zeit Gemeindeleiterin in Philippi. Die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands sieht in ihr ein Vorbild. 

Heilige Lydia / © Zvonimir Atletic (shutterstock)

DOMRADIO.DE: Wer war denn Lydia genau?

Ulrike Göken-Huismann (Geistliche Begleiterin im KFD-Bundesverband): Lydia war eine ganz frühe Christin. Die erste Christin auf europäischem Boden. Sie war eine ganz erfolgreiche Purpur-Wollen-Händlerin in Philippi. Paulus ist auf seiner zweiten Missionsreise nach Philippi gekommen und hat Lydia kennengelernt. Er hat sie vom Christentum überzeugt und Lydia hat sich daraufhin taufen lassen. Dadurch, dass sie so eine erfolgreiche Händlerin war, gehörten zu ihrem Haus viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und alle haben sich taufen lassen. So wurde ihr Haus zur ersten Gemeinde in Philippi und Lydia war dort Gemeindeleiterin. Die KFD hat ja seit letztem Jahr so ein Symbol für die Forderung nach der geschlechtergerechten Kirche – das ist ein purpurfarbenes Kreuz. Wir haben also die Lydia zur Schirmfrau für unsere Forderung nach der geschlechtergerechten Kirche gemacht.

DOMRADIO.DE: Und deshalb spielt die Lydia für die KFD jetzt eine ganz wichtige Rolle?

Göken-Huismann: Ja. Wir haben gerade auch noch einmal auf ihr Amt als Gemeindeleiterin hingewiesen, auch wenn das damals völlig anders war als heute. Wenn ich an die aktuelle Instruktion aus Rom denke, die ja in Deutschland für viel Wirbel gesorgt hat, dann frage ich mich schon wo denn eigentlich der biblische Bezug in der Instruktion ist. Lydia hat völlig selbstverständlich in der frühen Kirche in den ersten 15 bis 20 Jahren nach Jesu Tod eine Gemeinde geleitet. Wir lesen zum Beispiel auch in der Apostelgeschichte, dass Paulus im Gefängnis war und dann mit seinen Begleitern aus dem Gefängnis entlassen wird. Und wo geht er danach hin? Zu Lydia und zu den Brüdern und Schwestern, die bei ihr im Haus versammelt sind. Also wir fragen uns: Wenn es doch schon in der frühen Kirche Frauen in den Ämtern gab, warum wird dann in der aktuellen Instruktion so betont, dass nur der geweihte männliche Priester eine Pfarrei leiten kann?

DOMRADIO.DE: Und was glauben Sie, was würde Lydia dazu sagen, wenn sie heute leben würde?

Göken-Huismann: Ich glaube Lydia würde uns noch einmal an die Botschaft des Paulus erinnern, von dem sie ja getauft wurde. Wie es im Galaterbrief heißt: Da gibt es weder Jude noch Grieche, weder Sklave noch Freier, weder Mann noch Frau, sondern ihr seid alle eins in Christus Jesus. Die eine Taufe ist die Grundlage für Euren Glauben, für Euer Glaubensleben und Ihr seid alle gleich. Ich glaube sie würde sagen: Tragt das Purpurkreuz weiterhin mit Stolz und bleibt dran an Euren Forderungen, denn ich war selbstverständlich Gemeindeleiterin. Das war für Paulus überhaupt keine Frage.

Das Gespräch führte Michelle Olion.

Quelle:
DR