Was feiert die Kirche an Mariä Empfängnis?

Die Gottesmutter und ein "Missverständnis"

Die vollständige Bezeichnung des Hochfestes an diesem Mittwoch lautet: Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria. Warum wird es auch Mariä Empfängnis genannt und was hat es mit Weihnachten zu tun?

Marienstatue (dpa)
Marienstatue / ( dpa )

DOMRADIO.DE: Was feiern wir an Mariä Empfängnis?

Jan Hendrik Stens (Theologie-Redaktion): Mariä Empfängnis ist nur die Kurzform, die in der Alltagssprache als Begriff für das heutige Hochfest verwendet wird. Allerdings führt diese Kurzform auch zu einem Missverständnis. Denn dieser Genitiv "Mariä" bedeutet nicht, dass Maria empfangen hat, sondern dass sie empfangen wurde. Es geht also um die Zeugung Mariens, denn in neun Monaten feiern wir das Fest Mariä Geburt.

DOMRADIO.DE: Das heutige Hochfest hat nichts mit der Jungfrauengeburt zu tun, wie man meinen könnte?

Stens: Zumindest nicht direkt. Freilich dreht sich bei Maria alles darum, dass sie Gottes Sohn zur Welt gebracht hat und somit auch Gottesmutter ist. Dass sie aber von Gott dazu bestimmt worden ist, war gleich ab dem ersten Moment ihres Daseins klar, das heißt ab ihrer Zeugung. Deswegen kann man das heutige Hochfest auch als Erwählung Mariens bezeichnen.

DOMRADIO.DE: Was hat das mit der Erbsünde zu tun?

Stens: Sünde ist erst einmal das, was uns von Gott trennt. Die Erbsünde meint nicht eine bestimmte Tat oder ein bestimmtes Verhalten. Es bedeutet nämlich, dass wir Menschen immer wieder in diese Verstrickungen von Boshaftigkeiten hineingeraten und uns damit von Gott entfernen. Es geht hier eher um einen Zustand. Aus diesem will Gott uns befreien und hat deswegen auch seinen Sohn geschickt.

Weil Jesus durch Maria zur Welt gebracht wird, ist sie als erstes aus diesem Zustand der Erbsünde herausgenommen. Mit Maria beginnt also etwas völlig Neues in der Menschheitsgeschichte. Insofern hat das heutige Hochfest durchaus auch etwas mit Weihnachten zu tun.

Jan Hendrik Stens / © Gerd Lödige (DR)
Jan Hendrik Stens / © Gerd Lödige ( DR )
Quelle:
DR
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