Der ungewöhnliche Papstfilm "Habemus Papam" erinnert an Johannes Paul II.

Ähnlichkeiten liegen auf der Hand

In Italiens Kinos ist ein ungewöhnlicher Papstfilm angelaufen: Starregisseur Nanni Moretti erzählt in "Habemus Papam" die Geschichte eines neu gewählten Pontifex, der sich der Verantwortung nicht gewachsen sieht und voll Angst und Selbstzweifel ins Alltagsleben Roms untertaucht. "Unbedingt sehen", so das Urteil des Vatikanjournalisten Marco Politi.

Autor/in:
Agathe Lukassek
 (DR)

Zwei Schreie zerstören den feierlichen Moment auf dem Petersplatz. Kaum hat der vatikanische Zeremoniemeister den Satz "Habemus Papam" ausgesprochen, da gerät er auch schon ins Stocken: der neu gewählte Pontifex, der sich nun auf dem mittleren Balkon des Petersdomes zeigen soll, weigert sich an die Brüstung zu treten - und schreit. Dies ist die Schlüsselszene in dem neuen Film "Habemus Papam" von Nanni Moretti, der seit Freitag in italienischen Kinos zu sehen ist. Der von dem französischen Schauspieler Michel Piccoli verkörperte Papst entflieht der Zeremonie und schließt sich in der Sixtinischen Kapelle ein. Der Zeremonienmeister zieht sich vor der wartenden Menge langsam wieder in den Petersdom zurück.



Der mehrfache Cannes-Preisträger Moretti, in Deutschland vor allem für "Das Zimmer meines Sohnes" aus dem Jahr 2001 bekannt, spielt selbst in dem Film mit. Er verkörpert einen Psychoanalytiker, der zur Behandlung des von Selbstzweifeln geplagten neuen Papstes in den Vatikan gerufen wird. Vom Pressesprecher zensiert und unter Aufsicht der Kardinäle ist die erste Sprechstunde jedoch nicht von Erfolg gekrönt. Am nächsten Tag entwischt der Papst seinen Aufpassern und taucht im Alltagsleben der Stadt Rom unter. Während die Kardinäle im Vatikan eingeschlossen bleiben und die Medien nach Erklärungen suchen, schläft der "papa incognito" im Hotel, besucht Theaterproben und philosophiert in der Metro vor einem gleichgültigen Publikum über Gott und die Welt.



Ähnlichkeiten zwischen dem Papst im Film, der selbst gerne Schauspieler geworden wäre, und Johannes Paul II. (1978-2005), der als Student Theater spielte, liegen auf der Hand. Der mal hilflos schauende, mal aufbrausende Piccoli erinnert auch in einigen Szenen an manche Gesten des älteren Johannes Paul II. Wer in der von Piccoli gespielten Person Verweise auf den Wojtyla-Papst erkenne, liege nicht falsch, sagte Regisseur Moretti nach einer Vorab-Vorführung. Seiner Ansicht nach würde sich aber jeder Kardinal für die enormen Aufgaben eines Pontifex ungeeignet fühlen. So lässt der 57-jährige Regisseur im Film die persönlichen Gebete der Herren in Rot bei der Stimmabgabe zu einem Chor von "Lass es nicht mich sein, Herr"-Rufen werden. Papst Benedikt XVI. beschreibt in seinem Interviewbuch "Licht der Welt" ähnliche Gefühle nach dem Konklave: "Dass ich mich plötzlich dieser gewaltigen Aufgabe gegenüber sah, war, wie alle wissen, ein Schock für mich."



"Keine Ironie, keine Karikaturen"

Auch wenn manches an "Habemus Papam" authentisch wirkt, eine Drehgenehmigung oder gar einen Segen des Vatikan gab es für den Film nicht. Für die Massenszenen während des Papstbegräbnisses vor dem Konklave verwendete Moretti dokumentarische Aufnahmen von den Trauerfeiern für Johannes Paul II. Die Kulissen für das Konklave und die Szenen im Vatikan wurden teils nachgebaut, teils fanden die Dreharbeiten an anderen Orten in Rom statt wie der Villa Medici, dem Palazzo Farnese und dem Palazzo Barberini. Auch einen Berater aus dem Vatikan habe es nicht gegeben, sagt Moretti. Er und sein Team hätten zur Vorbereitung lediglich Bücher gelesen und Dokumentationsfilme angeschaut.



"Keine Ironie, keine Karikaturen. Alles sehr menschlich", lautet das Urteil von Radio Vatikan über den Film. Moretti sagt, er wollte eine Geschichte erzählen, die man noch nicht dutzendfach im Kino gesehen habe, die aber dennoch eine Komödie sei. So glänzt das international besetzte Ensemble bis in die kleinsten Nebenrollen hinein. Etwa der von Jerzy Stuhr gespielte, normalerweise perfekt organisierte Vatikansprecher, der schon mal polnische Flüche von sich lässt, wenn er verzweifelt versucht, die Flucht des Papstes mit Hilfe eines Schweizergardisten (Gianluca Gobbi) zu vertuschen. Auch keiner der Kardinäle wirkt wie ein mit scharlachroter Soutane verkleideter Schauspieler. Gegen Ende machen sich die Purpurträger ins Theater auf, um ihren Heiligen Vater aus einer Vorführung zu holen. Der Papst wendet sich schließlich doch an die Öffentlichkeit - mit einer Ansprache, die weder in der Papst- noch in der Filmgeschichte ein Vorbild hat.