Der Papstbotschafter in Deutschland Nikola Eterovic wird 75 Jahre alt

Kirchendiplomat mit synodaler Erfahrung

Der Papstbotschafter in Deutschland, Nikola Eterovic, wird 75 Jahre alt. Seit 2013 ist der Kroate auf seinem Posten in der Nuntiatur in Berlin tätig. Er hat dabei Erfahrung mit politischen Krisen und auch mit Synoden.

Autor/in:
Johannes Senk
Erzbischof Nikola Eterovic / © Lars Berg (KNA)
Erzbischof Nikola Eterovic / © Lars Berg ( KNA )

Die deutschen Bischöfe hatten es in den vergangenen Jahren nicht immer leicht im Vatikan – und der Vatikan hatte es nicht immer leicht mit der katholischen Kirche in Deutschland, je nach Perspektive. Der nationale Reformdialog Synodaler Weg wurde von römischer Seite oft kritisch gesehen; immer wieder trat die Kirchenleitung in Rom auf die Bremse und verpasste dem deutschen Reformeifer dadurch Dämpfer.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (r) redet in der Apostolischen Nuntiatur in Berlin mit Erzbischof Nikola Eterovic (M), Apostolischer Nuntius in Deutschland / © Gordon Welters (dpa)
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (r) redet in der Apostolischen Nuntiatur in Berlin mit Erzbischof Nikola Eterovic (M), Apostolischer Nuntius in Deutschland / © Gordon Welters ( dpa )

Umso wichtiger ist in so einer Situation eine klare Kommunikation. Diese aufrechtzuerhalten, ist seit über zwölf Jahren die Aufgabe des päpstlichen Botschafters in Deutschland, Nikola Eterovic. Der aus Kroatien stammende Erzbischof gilt als einer der Spitzendiplomaten der römischen Kurie. Zum einen ist er ein Sprachtalent: Neben seiner Muttersprache spricht er Italienisch, Englisch, Französisch, Spanisch und beherrscht Russisch, Polnisch und Ukrainisch. Sein Deutsch ließ allerdings zunächst zu wünschen übrig. In der globalen Kirche ist Eterovic gut vernetzt, und er ist krisenerfahren. Am 20. Januar wird der Papstbotschafter 75 Jahre alt.

Eterovic wurde 1951 in Pucisca auf der Adriainsel Brac geboren, die damals noch zum sozialistischen Jugoslawien gehörte. Im Jahr 1977 zum Priester geweiht, absolvierte er die vatikanische Diplomatenakademie in Rom. Auslandseinsätze führten ihn ab 1980 nach Westafrika, nach Spanien und nach Nicaragua Danach kehrte er in die Zentrale des vatikanischen Staatssekretariats in Rom zurück. 1999 schließlich wurde er Botschafter (Nuntius) im Rang eines Erzbischofs.

Erste Station: Ukraine

Sein erster Einsatz in dieser Funktion war bemerkenswert: Als Nuntius in der Ukraine musste er sich auf einem ökumenisch wie politisch schon damals schwierigen Terrain bewegen, immer auf den Ausgleich zwischen Orthodoxie und Katholiken, Lateinern und Unierten, Moskauer Patriarchat und eigenständigen orthodoxen Ukrainern bedacht. Wie explosiv diese Mischung schließlich sein konnte, hat sich spätestens mit dem Beginn des Kriegs in der Ukraine gezeigt.

Höhepunkt seiner Aktivitäten dort war der historische Besuch des polnischen Papstes in der Ukraine im Jahr 2001. Als Johannes Paul II. Eterovic im Jahr 2004 nach Rom zurückrief, machte er ihn als Nachfolger des belgischen Kardinals Jan Schotte zum Generalsekretär der Welt-Bischofssynode. Auch Benedikt XVI. (2005-2013) bestätigte Eterovic in dieser Position.

Von Franziskus nach Deutschland geschickt

Aus Sicht von Papst Franziskus, der die Bischofssynode zu einem zentralen Instrument seiner Reformbemühungen machen wollte, war der eher konservative Eterovic offensichtlich nicht mehr die ideale Besetzung im Synodensekretariat. Franziskus schickte ihn zurück in den diplomatischen Dienst, diesmal nach Berlin. Am 21. September 2013 trat er die Nachfolge des Schweizers Jean-Claude Perisset als Nuntius in Deutschland an.

Doch dann wurde die katholische Kirche in Deutschland mit ihren weitreichenden Reformbestrebungen rasch zu einem besonders heißen Terrain der katholischen Weltkirche. Nun trat Eterovic in Deutschland immer wieder als Überbringer päpstlicher und vatikanischer Mahnschreiben auf.

Dabei blieben Reibungen nicht aus. So geschehen im Herbst 2020 bei der Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Fulda. Anlass war ein von Eterovic übermittelter und vorab durchgestochener Brief der Römischen Glaubenskongregation an die deutschen Bischöfe. Darin erteilte Rom einem deutschen Sonderweg bei der gegenseitigen Einladung von Katholiken und Protestanten zu Abendmahl und Eucharistie eine klare Absage.

Offener Konflikt mit Bischof Bätzing

Uneins: Bischof Bätzing und Nuntius Eterovic (KNA)
Uneins: Bischof Bätzing und Nuntius Eterovic / ( KNA )

Der damals noch neue Vorsitzende der Bischofskonferenz, der Limburger Bischof Georg Bätzing, stellte den Nuntius dafür öffentlich zur Rede – ein einzigartiges Ereignis. "Darf ich Ihnen rückmelden, dass ich dies als einen ungebührlichen Vorgang empfinde", schrieb Bätzing seinerzeit.

Auch bei weiteren Gelegenheiten trat Eterovic, der auch bei allen Synodalversammlungen des Syndoalen Wegs anwesend war, den Reformern gegenüber als Mahner auf. So warnte der Erzbischof davor, "unangemessenen Druck" auszuüben, um angestrebte Ziele zu erreichen, und forderte eindringlich die Zusammenarbeit mit Rom. Vor dem Hintergrund der Differenzen, die bei Reformfragen innerhalb der Deutschen Bischofskonferenz bestehen, mahnte er die Bischöfe immer wieder zur Einheit - so auch im vergangenen Herbst bei deren Vollversammlung in Fulda. Die Einheit der Kirche sei eines der zentralen Anliegen von Papst Leo XIV., so Eterovic.

Als Apostolischer Nuntius in Deutschland ist er nicht nur für die offizielle Kommunikation zwischen den deutschen Ortskirchen und dem Vatikan zuständig. Er steht in Berlin auch dem Diplomatischen Korps vor, also der Gesamtheit aller in die Bundesrepublik entsandten Botschafter. Als Doyen hat er ein zeremonielles Vorrecht und kann bei Konflikten innerhalb des Diplomatischen Korps vermitteln. In vielen Ländern wird das Ehrenamt des Doyens traditionell durch den jeweiligen Papstbotschafter übernommen.

Wie lange Eterovic sein Amt noch innehaben wird, wird sich schon bald entscheiden. Nuntien müssen, ähnlich wie Ortsbischöfe, mit Erreichen des 75. Lebensjahres dem Papst ihren Rücktritt anbieten.

Papst Leo XIV. empfängt Erzbischof Nikola Eterovic, Apostolischer Nuntius in Deutschland, am 17. Januar 2026 im Vatikan / © Romano Siciliani (KNA)
Papst Leo XIV. empfängt Erzbischof Nikola Eterovic, Apostolischer Nuntius in Deutschland, am 17. Januar 2026 im Vatikan / © Romano Siciliani ( KNA )
Quelle:
KNA