Budapester Gemeinde vor dem Papstbesuch

"Der Besuch dient nicht dem Land Ungarn"

Seit vergangenen Sonntag tagt in Budapest der "Eucharistische Weltkongress", für dessen Abschluss Papst Franziskus persönlich anreist. Sollte ein Papst ein autoritär regiertes Land besuchen? Darüber wurde vorab viel diskutiert.

Kettenbrücke in Budapest / © Apostolis Giontzis (shutterstock)
Kettenbrücke in Budapest / © Apostolis Giontzis ( shutterstock )

DOMRADIO.DE: Seit Sonntag läuft bei Ihnen der "Eucharistische Weltkongress". Was ist los in Budapest?

Bernhard Kollmann (Pfarrer der deutschen Gemeinde St. Elisabeth in Budapest): Es hat schon am vergangenen Sonntag begonnen. Es hat eine sehr lange Vorbereitungszeit gegeben, weil der Kongress ja wegen der Pandemie verschoben werden musste. Dazu war vielleicht auch eine gewisse Müdigkeit in der Vorbereitung dabei, weil man nochmal ein Jahr verschieben musste.

Aber jetzt ist der Kongress in der Stadt sehr präsent. Es sind viele Leute da. Es waren überraschend viele bei der Eröffnungsveranstaltung am vergangenen Sonntag, eine Messe mit Erstkommunion, viele Bischöfe aus dem Ausland. Also der Eindruck ist gut, besser als befürchtet. Denn die Angst war, dass nicht so viele Menschen kommen.

DOMRADIO.DE: Was denken Ihre Gemeindemitglieder über den Kongress? Spielt das eine Rolle für Sie?

Kollmann: Ja doch. Es sind einige von uns zur Eröffnungsveranstaltung und zur Schlussveranstaltung angemeldet. Ich kenne sogar jemanden, der eine Prozessionsfahne extra dafür angefertigt hat. Wir gehen nicht geschlossen als Gemeinde dorthin, aber einige nehmen an verschiedenen Veranstaltungen teil.

DOMRADIO.DE: Und am Sonntag kommt Papst Franziskus. Wie sieht es da mit den Vorbereitungen aus? Ist man da schon aufgeregt?

Kollmann: Es gibt natürlich viele Vorbereitungen im Sicherheitsbereich, aber auch in der Bühnentechnik für die Abschluss-Messe. Dadurch sind Verkehrs-Beschränkungen in der Stadt spürbar. Aber sonst denke ich, herrscht eine gelöste und gute Stimmung.

DOMRADIO.DE: Das ist offiziell kein Staatsbesuch. Es gab im Vorhinein Bedenken, wenn der Papst offiziell in ein autoritär geführtes Land reist. Aber das macht im Ablauf wahrscheinlich gar nicht so viel Unterschied. Denn Regierungschef Orban wird der Papst ja trotzdem treffen.

Kollmann: Es ist nicht einmal ein Pastoralbesuch. Das ist eigentlich wichtig zu beachten. Deshalb ist auch der Papst so kurz hier, also sein Besuch dient nicht dem Land Ungarn, sondern dem Eucharistischen Weltkongress. Die werden immer von einem päpstlichen Sondergesandten abgeschlossen und in einigen wenigen Fällen sogar vom Papst selber. So auch in diesem Fall. Insofern erwarte ich nicht einmal eine besondere Botschaft an das Land Ungarn.

Das Interview führte Dagmar Peters.

Bernhard Kollmann (privat)
Bernhard Kollmann / ( privat )
Quelle:
DR
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