Thomas Backsmann wird zum Diakon geweiht

"Das Stichwort ist Glaubwürdigkeit"

Thomas Backsmann ist einer von sieben Männern, die an diesem Sonntag im Kölner Dom die Diakonenweihe empfangen. Im Interview erklärt er, warum er Priester werden möchte und welchen Weg er für die Kirche in stürmischen Zeiten sieht.

Kandidaten für die Diakonenweihe am 2. Mai 2021 (Erzbistum Köln Presse)

DOMRADIO.DE: Was bedeutet es Ihnen, heute die Diakonenweihe zu empfangen?

Thomas Backsmann (Praktikumsgemeinde: Seelsorgebereich Brauweiler/Geyen/Sinthern/Pulheim; Heimatgemeinde: St. Johannes der Täufer in Meckenheim​; empfängt an diesem Sonntag die Diakonenweihe im Kölner Dom): Das ist natürlich ein sehr großer Schritt. Es ist eine lange Entwicklung, die jetzt zurückliegt. Fünf Jahre Theologiestudium sind nicht mal eben so gemacht. Die lange pastorale Ausbildung. Fast sechs Jahre bin ich jetzt unterwegs, einige meiner Mitbrüder sogar noch länger. Also es ist jetzt schon ein wichtiger Tag, quasi ein vorgezogenes Finale, wenn man so auf die Priesterweihe blickt, das jetzt einen wichtigen Schritt auf diesem Berufungsweg markiert.

DOMRADIO.DE: Sind Sie aufgeregt?

Backsmann: Ja, durchaus. Langsam steigt die Nervosität schon ein bisschen.

DOMRADIO.DE: Es ist ja alles ein bisschen anders während der Corona-Pandemie. Wie viele Bekannte, Freunde und Verwandte dürfen denn überhaupt mitfeiern?

Backsmann: Das sind tatsächlich nicht so viele. Wir durften 27 Leute einladen. Das klingt zwar erst mal gar nicht so wenig, aber Sie müssen das ins Verhältnis setzen. Wenn Sie beispielsweise eine Hochzeit feiern und Sie dürfen nur 27 Gäste einladen, dann müssen Sie schon überlegen, wen laden Sie ein und wen nicht.

Das ist gar nicht so einfach gewesen und es hat auch viele Stunden gekostet. Dann haben natürlich einige auch wieder abgesagt. Manchen ist das halt einfach auch jetzt zu riskant, weil sie von weit her kommen. Aber wir haben jetzt eine Gästeliste, die steht - und wir gehen jetzt davon aus, dass das alles funktioniert und dann sind wir damit hoffentlich dann auch nachher zufrieden.

DOMRADIO.DE: Es geht ja auch nicht um die Planung einer dicken Party, denn danach wird nicht gefeiert, sondern es geht wirklich jetzt um die Weihe an sich. Welche Verpflichtungen gehen Sie mit dieser Diakonenweihe ein?

Backsmann: Das ist eine spannende Frage. Ich glaube, das ist gar nicht so im Bewusstsein vieler Menschen verankert. Fast alle Pflichten, die man mit dem Priestertum verbindet, treten jetzt schon mit der Diakonenweihe ein. Das heißt, das Zölibatsversprechen und die Feier des Stundengebetes werden für uns ab heute verpflichtend, auch das Gehorsamsversprechen gegenüber dem Bischof.

Wir treten jetzt quasi ein bisschen in Vorleistung. Wir müssen schon mal alle Pflichten eingehen. Die volle Palette der Möglichkeiten der Weihevollmacht, wie beispielsweise die Eucharistie zu feiern, die kommt dann erst nächstes Jahr mit der Priesterweihe.

DOMRADIO.DE: Und das haben Sie sich alles gut überlegt, ja?

Backsmann: Das haben wir uns alle gut überlegt. Dafür hatten wir jetzt sehr viel Zeit. Es kann heute keiner mehr sagen, er hätte nicht gewusst, worauf er sich einlässt.

DOMRADIO.DE: Warum möchten Sie Priester werden?

Backsmann: Das ist eine ebenso schwierig wie einfach zu beantwortende Frage. Irgendwann in meinem Leben habe ich eine Reihe von Erfahrungen gemacht, die mich haben fragen lassen, ob das Priestertum etwas für mich wäre. Mit dieser Frage bin ich dann ins Priesterseminar gegangen nach dem Abitur.

Innerhalb dieser fünf Jahre im Seminar hat sich dieses Gefühl, berufen zu sein, immer weiter verstärkt, sodass ich jetzt heute gut sagen kann: Das ist der Weg, den ich gehen möchte, den ich mit Jesus Christus gehen möchte und den ich auch mit der Kirche gehen möchte. Und das geht meinen Mitbrüdern ähnlich.

DOMRADIO.DE: Welche Erfahrungen haben Sie in den Gemeinden bisher gesammelt? In dieser Zeit mit wenigen Kontakten ist das ja auch sicher völlig anders, als es vor ein paar Jahren noch gewesen ist.

Backsmann: Ja, das stimmt. Wir sind ab Dezember, ab Advent in den Gemeinden gewesen und haben da ein längeres Praktikum gemacht. Das heißt, wir haben die meiste Zeit davon im Lockdown verbracht. Da war natürlich vieles nicht möglich. Also normale pastorale Arbeit haben wir jetzt zumindest in der Funktion als Seminaristen noch gar nicht erlebt.

Ich erlebe - und das geht meinen Mitbrüdern ähnlich - viele Bemühungen, Möglichkeiten zu schaffen für die Menschen, Christus zu begegnen und den Glauben irgendwie aktiv zu leben. Da sind viele gute Ansätze dabei. Manches davon funktioniert nicht, aber vieles davon funktioniert auch gut. Und das ist so ein bisschen ein Ringen der Möglichkeiten, wovon ja im Moment alle Menschen irgendwie betroffen sind. Davon bleibt auch die Kirche nicht verschont.

DOMRADIO.DE: Die Kirche durchlebt gerade stürmische Zeiten. Wie möchten Sie dazu beitragen, dass Kirche wieder für die Gläubigen einen guten und glaubwürdigen Weg zu Gott bieten kann?

Backsmann: Sie haben das Stichwort schon genannt, das Stichwort ist Glaubwürdigkeit. Ich glaube, das ist immer zu allen Zeiten, egal wie bewegt sie sind, das gleiche Rezept. Wenn wir es schaffen - damit meine ich nicht nur die Amtsträger, sondern alle Christen, die ja berufen sind, Christus nachzufolgen - wenn wir es schaffen, authentisch und glaubwürdig unseren Glauben zu leben, dann wird das anstecken. Dann werden Leute wieder zu Christus finden.

Wenn uns das nicht gelingt, dann klappt das eben nicht. Das wird auch so nicht bei allen gelingen, aber an der Glaubwürdigkeit, an der Authentizität hängt da eigentlich fast alles.

Das Interview führte Dagmar Peters.

 

Thomas Backsmann / © Henning Schoon (Erzbistum Köln)
Quelle:
DR