Das Hilfswerk Oxfam wurde vor 80 Jahren gegründet

Bekämpfung von Hunger bleibt Herausforderung

Betroffen über das Leid der griechischen Bevölkerung unter den Nazis gründete sich in Oxford ein Hilfskomitee. Bei Oxfam, so der Name, ging es zunächst um Hungerbekämpfung. In 80 Jahren hat sich das Feld aber geweitet.

Oxfam / © Electric Egg (shutterstock)

Nur 17 Tage - länger dauerte es nicht, bis die Wehrmacht im April 1941 zuerst das Königreich Jugoslawien und kurz danach auch das Königreich Griechenland zur Kapitulation zwingen konnte. Nach dem Balkanfeldzug war das Deutsche Reich auf dem Höhepunkt seines Erfolges im Zweiten Weltkrieg. Diese Machtstellung zu halten, das ging freilich nur mit großem Ressourcenaufwand, für den sich die Besatzer erbarmungslos bedienten. Leidtragend - wie so oft im Krieg - war die Zivilbevölkerung.

Schlimmste Hungersnot in der Geschichte

Tatsächlich war die Große Hungersnot im Winter 1941/1942 die schlimmste der Geschichte Griechenlands. Je nach Schätzungen starben 100.000 bis 400.000 Menschen direkt oder indirekt an den Folgen. Ihr Schicksal sorgte international für große Aufregung: Hellas, Wiege von Demokratie und Philosophie, wurde von den "Hunnen" unterworfen und ausgeplündert.

Auch in der altehrwürdigen britischen Universitätsstadt Oxford weigerte sich eine kleine Gruppe von Ehrenamtlichen, dem Sterben in Griechenland weiter zuzuschauen - und das, obwohl Großbritannien selbst mit den Folgen des Krieges gegen Deutschland zu kämpfen hatte. Am 5. Oktober 1942 konstituierten sich die Helfer offiziell unter dem Namen Oxford Committee for Famine Relief (Oxforder Komitee zur Linderung der Hungersnot).

Globale Hilfsorganisation

Aus den Anfängen mit wenigen Humanisten, die Nahrung ins besetzte Europa lieferten, wurde bald eine globale Hilfsorganisation. Seit 1985 kennt man sie offiziell unter dem Kürzel Oxfam, obwohl dieser inzwischen eigentlich überholt ist. Statt in Oxford arbeiten die Mitarbeiter heute in über 90 Ländern; der Hauptsitz befindet sich in Kenias Hauptstadt Nairobi. Unter dem Dachverband sind derzeit 21 nationale Gruppen tätig.

Und auch das Themenspektrum hat sich erweitert: Neben der akuten Linderung des Hungers durch Nahrungslieferungen steht auch die Bekämpfung seines Ursprungs auf der Agenda - mit Themen wie Klimawandel, Landverteilung und Geschlechtergerechtigkeit. Vor allem in armen Staaten mit schwachen Regierungen und Strukturen sieht sich Oxfam gefordert.

Über 25 Millionen Menschen weltweit unterstützt

Allein im vergangenen Jahr hat die Organisation nach eigenen Angaben über 25 Millionen Menschen weltweit unterstützt und dafür Finanzmittel von rund 910 Millionen Euro aufgebracht. Das meiste Geld wurde mit 29 Millionen Euro zuletzt für Programme im Südsudan eingesetzt, gefolgt vom Irak (22 Millionen), der Demokratischen Republik Kongo (21 Millionen) und dem Jemen (19 Millionen).

Über 4.100 Partner in 93 Ländern arbeiten den Angaben zufolge mit dem Netzwerk zusammen. Zu den Partnern und Geldgebern zählen lokale Initiativen, staatliche Stellen, Nichtregierungsorganisationen und Stiftungen sowie teilweise auch internationale Konzerne - gerade letzteres wird mitunter kritisch gesehen. Allerdings beharrt das Hilfswerk diesbezüglich stets auf seiner Unabhängigkeit.

Private Spenden

Ein Teil des Geldes stammt aus privaten Spenden und wird außerdem in den Oxfam-Läden selbst erwirtschaftet. Die Shops entstanden bald nach der Gründung der Organisation ab 1947: Sie nehmen aller Art gut erhaltene Gebrauchtwaren an und verkaufen diese in "Second Hand"-Manier weiter. Weltweit gibt es inzwischen weit über 1.200 Oxfam-Läden, davon 55 in Deutschland.

Mit dem Geld soll vor allem die Arbeit der Menschen vor Ort unterstützt werden. Dazu zählen Projekte, die Schulen stärken oder die Gleichberechtigung fördern, ebenso wie Initiativen zum Katastrophenschutz und zur medizinischen Versorgung. Daraus könne, so die Hoffnung der Hilfsorganisation, am Ende eine krisenfestere Gesellschaft erwachsen, die den Hunger überwinden kann.

Hunger als Dreh- und Angelpunkt

Hunger - das bleibt weiterhin Oxfams Dreh- und Angelpunkt. Dieser ist aktuell präsent wie lange nicht mehr: Nach Angaben der Vereinten Nationen leiden weltweit rund 828 Millionen Menschen Hunger, 345 sind akut von Ernährungsunsicherheit bedroht. Die UNO spricht von einer "noch nie da gewesenen Hungerkatastrophe" in diesem Jahr, ausgelöst durch die Effekte des Klimawandels und verschärft durch die Auswirkungen des russischen Krieges in der Ukraine. Im 80. Jahr ihres Bestehens ist die Hilfsorganisation nun also offenbar gefordert wie selten zuvor.

Oxfam

Oxfam ist eine globale Nothilfe- und Entwicklungsorganisation. Die Organisation bekämpft nach eigenen Angaben extreme Armut und soziale Ungleichheit seit über 75 Jahren. Zusammen mit 4.100 Partner­organisationen ist Oxfam in 90 Ländern aktiv. 

 Internationale Nothilfe- und Entwicklungsorganisation Oxfam / © chrisdorney (shutterstock)
Internationale Nothilfe- und Entwicklungsorganisation Oxfam / © chrisdorney ( shutterstock )

Autor/in:
Johannes Senk
Quelle:
KNA