Bibelwerk fordert mehr Einsatz für Inklusion in der Kirche

"Da ist noch viel zu tun"

Kanzlerin Merkel hat Papst Franziskus zu ihren Abschiedsbesuch drei Bände der "Bibel in leichter Sprache" geschenkt. Dieter Bauer sieht darin eine hohe Wertschätzung für die Arbeit, Menschen mit Behinderung das Wort Gottes verständlich zu machen.

Bibel in leichter Sprache / © Christian Wölfel (KNA)
Bibel in leichter Sprache / © Christian Wölfel ( KNA )

DOMRADIO.DE: Warum ist das so wichtig, dass es zentrale Bibeltexte auch in leichter Sprache gibt?

Dieter Bauer (Katholisches Bibelwerk): Weil es Menschen gibt, die die Bibeltexte nur sehr schwer verstehen können. Das sind vor allem Menschen mit geistiger Einschränkung. Leichte Sprache ist wichtig, damit alle Menschen teilhaben können. Das hat im Endeffekt mit der Inklusion zu tun und das ist auch unsere erste Zielgruppe von dieser Bibel in leichter Sprache gewesen.

DOMRADIO.DE: Tatsächlich handelt es sich jetzt nicht um die komplette Bibel, sondern um zentrale Texte aus den Evangelien.

Bauer: Genau! Denn der Ort für unsere Übersetzungen sind eigentlich die Gottesdienste. Das heißt, wenn Menschen mit Behinderung an Gottesdiensten teilnehmen, dann sollen sie auch die Botschaft der Bibel verstehen können. Dafür haben wir das übertragen. Und deswegen sind es die Texte, die in der Sonntagsmesse der katholischen Kirche vorkommen - alle drei Lesejahre.

DOMRADIO.DE: Ich zitiere dazu eine Textstelle: "Gott hatte einem Mann einen Auftrag gegeben. Der Mann hieß Johannes. Johannes sollte den Menschen sagen: Bald kommt Jesus. Jesus kommt von Gott." Was macht leichte Sprache aus?

Bauer: Leichte Sprache macht vor allem Textverständlichkeit aus. Das Hauptziel von jeder Übertragung von uns ist, dass Menschen das leicht verstehen können. Da müssen viele andere Dinge, die auch noch wichtig wären, eher zurückstehen, weil es überhaupt nichts bringt, wenn es zu kompliziert ist.

DOMRADIO.DE: Aber besteht da nicht die Gefahr, dass beim Übertragen des Originaltextes, des gängigen Textes in leichte Sprache die Botschaft Jesu verwässert wird?

Bauer: Die Gefahr besteht aus unserer Sicht nicht. Klar ist, dass das natürlich laufend Übersetzungsentscheidungen getroffen werden müssen, die natürlich subjektiv sind. Aber das ist bei jeder Übersetzung so. Wir haben vor allem eine sehr gute Kontrolle, auch eine theologische Kontrolle.

Das heißt, die Texte werden nicht nur von Menschen mit Behinderung prüfgelesen, sie werden auch von Theologinnen und Theologen angeschaut. Ob die Botschaft noch erhalten geblieben ist in einen Text in leichter Sprache. Das ist eine sehr hohe Qualität von diesen Bibeltexten, die wir anstreben.

DOMRADIO.DE: Und haben Sie selbst und die Kollegen der anderen Organisationen das dann übersetzt oder hatten Sie eigene Übersetzer dafür?

Bauer: Die Schwester M. Paulis Mels von den Franziskanerin von Thuine macht immer noch die Rohübersetzungen, die ersten Übersetzungen. An den Texten arbeiten dann Menschen mit Behinderung weiter. Da arbeiten Theologinnen und Theologen weiter. Und am Ende kommt dann dieser Endtext heraus.

Die Schwester ist geprüfte Übersetzerin für leichte Sprache. Dazu braucht man eine Ausbildung. Das kann man nicht einfach so machen.

DOMRADIO.DE: Papst Franziskus hat sich sehr über die Bibel in leichter Sprache gefreut, wie die erzählen, die bei der Übergabe dabei waren. Das freut sie, nehme ich an. Was bedeutet das jetzt für Ihre Arbeit?

Bauer: Wenn natürlich der Papst feststellt, dass eine solche Bibelübertragung wichtig ist und vielleicht hat er sich auch gefreut, weil sein Deutsch wahrscheinlich noch nicht so sehr gut ist und er auch das lesen kann. Aber das ist natürlich eine ganz hohe Wertschätzung für Menschen mit Behinderung und für Inklusion auch in diesem biblischen Bereich.

Da ist noch viel zu tun und das läuft immer so ein bisschen am Rande mit, auch in der Kirche leider. Und wenn der Papst sich selbst dafür einsetzt und auch die Kanzlerin - das hat uns natürlich sehr gefreut -, als Pfarrerstochter einmal für eine katholische Bibel Werbung zu machen, dann kann uns das natürlich helfen, das ist klar.

Das Gespräch führte Hilde Regeniter.

Papst Franziskus und Angela Merkel / © Vatican Media/Romano Siciliani (KNA)
Papst Franziskus und Angela Merkel / © Vatican Media/Romano Siciliani ( KNA )
Quelle:
DR
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