Heiligabend, 24. Dezember 1968. Die Astronauten der Apollo-8-Mission erreichen den Mond. Sie waren die ersten Menschen, die den Mond umrundeten und die Rückseite des Mondes sahen. Weltweit verfolgten Millionen Menschen die Liveübertragung im Fernsehen und hörten die Worte, die in die Geschichte eingingen.
Eine besondere Botschaft
Die Crew der Apollo 8 hatte nämlich eine besondere Botschaft für alle Menschen unten auf der Erde im Gepäck: "Im Anfang erschuf Gott Himmel und Erde." Die Astronauten James A. Lovell Jr., William A. Anders und Frank Borman lasen zehn Verse aus der Schöpfungsgeschichte vor. "Gott sah, dass es gut war." Sie waren so ergriffen von der Schönheit des Planeten Erde und wussten schon damals, dass dieser Planet geschützt werden muss.
Die Schöpfungsgeschichte zieht sich wie ein roter Faden durch die Story des Musicals "Judith und das Wunder der Schöpfung" und ist dabei immer auch willkommene Atempause. Denn es geht um mehr: Klimakrise. Migration. Spaltung der Gesellschaft. Und hinter allem die Frage: Wie können globale Probleme gemeinsam gelöst werden?
Missständen begegnen
Die Protagonistin Judith will alle um sich herum aufmerksam machen auf die Missstände der Welt und aufrütteln. Jeder und jede von uns kann etwas erreichen. Das gelingt dem Musical gut. "Ich bin nachdenklich geworden", sagt Anja Wittberg aus Castrop-Rauxel nach dem Finale. "Dieses Musical sollte eine Pflicht-Show werden", meint Gesine Schultheis aus Bochum.
Neben den darstellerischen Leistungen ist es vor allem der Chor mit über 3.000 Stimmen, der das Musical zu einem Erlebnis der besonderen Art macht. Die ehrenamtlichen Sängerinnen und Sänger haben monatelang in ihren Gemeinden vor Ort geprobt. Die jüngste Sängerin ist sieben Jahre jung, die älteste Sängerin bringt es auf stolze 91 Jahre.
Die frohe Botschaft musikalisch einem neuen Publikum vorstellen. Kann das klappen? Für den Paderborner Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz kein Widerspruch: "Musik schafft etwas, was Worte alleine oft nicht können. Musik erreicht sehr leicht das Herz. Das Evangelium hat über Jahrhunderte hindurch die Musik und die Kultur bereichert. Und dann ist doch völlig klar, dass die fantastische Botschaft des Evangeliums auch heute für die Popkultur eine Brücke und ein Türöffner sein kann, um die Menschen von heute zu erreichen."
Wie dem Fremdenhass entgegenstellen? Wie kann die Gesellschaft wieder miteinander und nicht gegeneinander arbeiten? Wie kann man das Klima retten?
Gerade die Klimafrage ist seit letzter Woche erneut schwerer zu beantworten, nachdem der US-Präsident Donald Trump Kohlenstoffdioxid (CO₂) als nicht klimaschädlich eingestuft hat. "Wir sollten uns nicht abschrecken lassen davon, was andere versuchen, zu vernichten", so Neubaur. Im DOMRADIO.DE-Interview ermutigt sie dazu, sich auf "unsere Stärken zu besinnen. Wir haben eine Verantwortung für das, was wir heute entscheiden, für den Planeten und für die, die heute noch gar nicht geboren sind."
Lob für ehrenamtliches Engagement
Die stv. Ministerpräsidentin des Landes NRW ist Projektpartnerin des Chormusicals. An diesem Projekt hat die Stiftung Creative Kirche drei Jahre gearbeitet. Mehr als 3000 Chorsängerinnen und Chorsänger bringen sich ehrenamtlich ein und verwandeln die Westfalenhalle Dortmund in einen riesigen Chorraum.
Das freut auch Erzbischof Bentz. "Dieses Musical ist ein gutes Beispiel dafür, wie sich Ehrenamt verändert hat. Projektbezogen kreativ sein, einen festen Start- und Endpunkt haben", so Bentz. "Ehrenamt will kreativ sein, und somit ist es ein tolles, ein schönes Zeichen, dass sich so viele Menschen begeistern lassen für ein Projekt, das Botschaft und Musik miteinander verbindet."
Mona Neubaur ergänzt, dass ohne Ehrenamt das Land NRW "ganz schön arm dran" wäre. "Alle, die davon reden, dass man in 'Lifestyle-Teilzeit' unterwegs ist, verkennen, dass sich ganz viele Menschen zum Gemeinwohl orientieren und ihre Arbeitszeit dafür reduzieren. Das ist ein unbezahlbarer Wert, ein Wert, der NRW auszeichnet. Ehrenamt und NRW ist ein Match!"
Mehr wir! Weniger ich! Eine Botschaft, die hörbar wird. Kurz vor Schluss singt das Publikum mit, dirigiert von Judith.
Die Vorstellungen in Dortmund waren ein voller Erfolg, 2027 geht das Projekt auf Tour durch Deutschland – dann mit neuen Chormitgliedern.