Chaldäische Christen wählen Erzbischof von Sydney zum Oberhaupt

Unermüdlicher Einsatz im Dienst für Gott

Einst lebten mehrere Hunderttausend chaldäische Christen im Irak. Nach Krieg und Auswanderung leben heute die meisten von ihnen im Westen. In Australien lebt auch ihr neues Oberhaupt, das sie kürzlich in Rom wählten.

Vier Männer, chaldäische Christen, warten an einem großen Kreuz an einer Straße auf die Durchfahrt von Papst Franziskus nach Erbil am 7. März 2021 in Karamless, Irak. / © Jean-Matthieu Gautier (KNA)
Vier Männer, chaldäische Christen, warten an einem großen Kreuz an einer Straße auf die Durchfahrt von Papst Franziskus nach Erbil am 7. März 2021 in Karamless, Irak. / © Jean-Matthieu Gautier ( KNA )

Amel Shamon Nona (58), Erzbischof von Australien und Neuseeland, ist neues Oberhaupt der chaldäischen Kirche, der größten christlichen Gemeinschaft im Irak. Er wurde zum Nachfolger des seit 2013 amtierenden Patriarchen Kardinal Louis Raphaël Sako (77) gewählt, wie die mit Rom unierte katholische Kirche am Sonntag mitteilte.

Oper in Sydney / © Pandora Pictures (shutterstock)

Nonas Wahl erfolgte während der Synode der Chaldäer in Rom. Der gebürtige Iraker war ab 2010 Erzbischof von Mossul, 2015 wurde er Erzbischof im australischen Sydney. Er sei bekannt für seinen unermüdlichen Einsatz im Dienst für Gott, den Glauben und die chaldäischen Christen, hieß es. "Wir freuen uns sehr über seine Wahl und hoffen auf seine weitere Führung der Kirche."

Chaldäische Bischöfe bei Papst Leo

Bei einer Audienz am Freitag hatte Papst Leo XIV. die aus dem Irak stammenden Christen zu einem kirchlichen Neuanfang ermutigt. Er würdigte die Chaldäer als eine Kirche, die "Narben der Geschichte trägt". Er erinnerte an Kriege und Verfolgungen, durch die sie gezeichnet sei und die zur Verteilung vieler Gläubiger in der Diaspora im Ausland geführt haben.

Papst Leo XIV. empfängt Mitglieder der Bischofssynode der chaldäisch-katholischen Kirche von Bagdad, die zur Wahl eines neuen Patriarchen im Vatikan zusammengekommen sind, am 10. April 2026 im Vatikan / © Vatican Media/Romano Siciliani (KNA)
Papst Leo XIV. empfängt Mitglieder der Bischofssynode der chaldäisch-katholischen Kirche von Bagdad, die zur Wahl eines neuen Patriarchen im Vatikan zusammengekommen sind, am 10. April 2026 im Vatikan / © Vatican Media/Romano Siciliani ( KNA )

Mit Blick auf die anstehende Wahl eines Nachfolgers von Patriarch Sako erklärte Leo XIV., das neue Oberhaupt solle ein Vater im Glauben und ein Zeichen der Gemeinschaft sein. Ausdrücklich forderte er Transparenz in der Vermögensverwaltung sowie Besonnenheit in der öffentlichen Kommunikation. Auf beiden Gebieten hatte es in der Vergangenheit erkennbare Mängel gegeben. Gleichwohl lobte der Papst die Verdienste des zurückgetretenen Patriarchen für seine Gemeinschaft.

Krieg als Gotteslästerung

Die chaldäisch-katholische Kirche ist eine mit Rom unierte Ostkirche. Ihre Wurzeln reichen bis ins erste Jahrhundert. Sie feiert eine eigene Form des Gottesdienstes, erkennt aber den Primat des Papstes an. Das Patriarchat hat seinen Sitz traditionell in Bagdad, der scheidende Patriarch Sako hielt sich jedoch oft im kurdischen Siedlungsgebiet im Norden des Iraks auf. Die meisten chaldäischen Christen leben heute außerhalb des Iraks, vor allem in Europa, Nordamerika und Australien.

Mit Blick auf die Lage in Nahost forderte Leo XIV. volle Religionsfreiheit und Gleichberechtigung für die christliche Minderheit. Krieg verurteilte er als Gotteslästerung. "Kein Interesse kann das Leben der Schwächsten, der Kinder und der Familien wert sein; keine Sache kann vergossenes unschuldiges Blut rechtfertigen", betonte der Papst.

Chaldäisch-katholische Kirche

Die chaldäisch-katholische Kirche ist eine katholische Ostkirche, die ihre Gottesdienste im ostsyrischen Ritus und in altsyrischer Sprache zelebriert. Im 16. Jahrhundert haben Bischöfe und Gläubige sich von ihrer Mutterkirche, der Apostolischen Assyrischen Kirche des Ostens, getrennt und eine Union mit der Römisch-Katholischen Kirche geschlossen. Die chaldäische Kirche steht in voller Kirchengemeinschaft mit dem Papst von Rom.

Chaldäische Christen warten im März 2021 am Straßenrand auf die Durchfahrt von Papst Franziskus nach Erbil / © Jean-Matthieu Gautier (KNA)
Chaldäische Christen warten im März 2021 am Straßenrand auf die Durchfahrt von Papst Franziskus nach Erbil / © Jean-Matthieu Gautier ( KNA )
Quelle:
KNA