Caritas warnt vor Gefahren eines militärischen Eingriffs in Libyen

"Gut überlegen"

Das katholische Hilfswerk Caritas International befürchtet im Falle einer militärischen Intervention des Westens in Libyen Gefahren für die Flüchtlinge, die sich noch im Land aufhalten. Gaddafi würde dann wohl "noch massiver" mit seiner Armee vorgehen, so Christoph Klitsch-Ott im Interview mit domradio.de. Die internationale Hilfe für die libysche Bevölkerung stößt derweil auf Probleme.

 (DR)

Das Welternährungsprogramm WFP teilte am Freitag (04.03.2011) in Rom mit, dass ein von der UN-Organisation beauftragtes Schiff mit Hilfslieferungen wegen Sicherheitsrisiken nicht den libyschen Hafen in Benghazi anlaufen konnte. Die Ladung von 1.000 Tonnen Weizenmehl, geordert vom Roten Halbmond im östlichen Libyen, habe nicht entladen werden können. Das Schiff musste nach Malta zurückkehren.



"Dringend fordern wir sicheren humanitären Zugang nach Libyen", sagte die WFP-Exekutivdirektorin Josette Sheeran. Laut WFP wurden außerhalb der Hafenstadt Benghazi Luftangriffe gemeldet. Die Besitzer von Frachtschiffen zögerten, ihre Schiffe in Gebiete zu schicken, in denen ihre Besatzung in Gefahr ist oder die Ladung beschädigt werden könnte.



"Wir erkunden jeden erdenklichen Korridor für die humanitäre Hilfe, um vorbereitet zu sein, falls die Not weiter zunimmt", fügte Sheeran hinzu. "Wir haben bereits angereicherte Energiekekse an die tunesische Grenze transportiert und bringen nun Weizen in die Region." Das WFP hatte zurdem angekündigt, eine dreimonatige regionale Notoperation mit einem Volumen von 39,2 Millionen US-Dollar (Tageskurs 28,2 Millionen Euro) zu starten, um in Libyen, Tunesien und Ägypten Ernährungshilfe zu leisten.



Unicef besorgt

Unterdessen zeigte sich das UN-Kinderhilfswerk Unicef besorgt über die Lage der Kinder in Nordafrika. Drei Flüge mit mehr als 16 Tonnen Hilfsgütern sollten am Wochenende in Tunis und Kairo eintreffen. "Die Fähigkeit von Gemeinden und Behörden zur grundlegenden Versorgung der Bevölkerung nimmt ab. Es gibt ein hohes Potenzial an Gewalt und Missbrauch", sagte der Leiter der weltweiten Unicef-Nothilfe, Louis-Georges Arsenault.



Das Hilfswerk befürchtet, dass mit den Flüchtlingsströmen auch die Zahl der Kinder wachse, die von ihren Eltern getrennt werden. Bereits durch die Kämpfe in Ägypten und Tunesien seien in den vergangenen Wochen Tausende Kinder traumatisiert worden. In mehreren Regionen Tunesiens seien Schulen zur Zielscheibe von Gewalt geworden.



Neudeck befürwortet Intervention

Der Gründer der Hilfsorganisation Grünhelme, Rupert Neudeck, befürwortete unterdessen eine internationale Intervention in Libyen. Er riet am Freitag im Deutschlandfunk dazu, militärische Ziele aus der Luft anzugreifen. Zugleich warnte er vor einem rein westlichen Eingreifen.



Die Staatengemeinschaft sei durch das Völkerrecht verpflichtet, einzugreifen, wenn ein Volk zugrunde gerichtet wird, sagte Neudeck. Sie müsse in den nächsten Tagen zeigen, dass sie wehrhaft genug ist, um "das Drangsalieren eines großen Teils der Bevölkerung von Libyen zu verhindern". Es dürfe nicht passieren, dass die Industriestaaten wie in Ruanda all ihre Leute aus Libyen evakuierten, aber die einheimische Bevölkerung ihrem Schicksal unter Gaddafi überließen: "Das hätte desaströse Konsequenzen für das Image des Westens, Europas und Amerikas in der arabischen Welt."



Neudeck sprach sich für ein UNO-Mandat aus. Wichtig sei aber, dass sich afrikanische und arabische Staaten an der Intervention beteiligen. Er verwies darauf, dass eine von einer afrikanischen Staatengruppe geleitete Truppe erfolgreich in Liberia eingegriffen habe.



Der Herausgeber der algerischen Tageszeitung "El Watan", Omar Belhouchet, warnte unterdessen in dem Sender vor einem Eingreifen der Staatengemeinschaft. "Eine Intervention des Auslands könnte in den Augen der Araber das Gegenteil bewirken. Die Libyer selbst sagen, dass sie nicht um ihre Revolution gebracht werden wollen. Sie wissen, dass noch Blut vergossen werden muss, um die Diktatur loszuwerden", sagte er. Denkbar sei höchstens eine Flugverbotszone.