Caritas kritisiert Zugang zu Integrationskursen als unzureichend

Ungleichheiten und Unsicherheiten

Der viel kritisierte Zulassungsstopp für freiwillige Integrationskurse soll teilweise gelockert werden. Profitieren sollen vor allem ukrainische Geflüchtete und EU-Bürger. Aus Sicht der Caritas reicht das nicht aus.

Sprachkurs für Geflüchtete / © Cristian Gennari/Romano Siciliani (KNA)
Sprachkurs für Geflüchtete / © Cristian Gennari/Romano Siciliani ( KNA )

Der Deutsche Caritasverband begrüßt zwar die Korrektur der Bundesregierung beim Zugang zu Integrationskursen, hält sie aber nicht für ausreichend. 

Oliver Müller wird zum 1. Januar 2025 sein Amt als Vorstand Internationales, Migration und Katastrophenhilfe des Deutschen Caritasverbands antreten / © Philipp von Ditfurth (dpa)
Oliver Müller wird zum 1. Januar 2025 sein Amt als Vorstand Internationales, Migration und Katastrophenhilfe des Deutschen Caritasverbands antreten / © Philipp von Ditfurth ( dpa )

"Wer Integration will, muss das Erlernen der deutschen Sprache verlässlich, frühzeitig und ausreichend ermöglichen und auch die notwendigen Sprachkurse finanzieren", sagte Caritas-Vorstand Oliver Müller der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Nach einem generellen Zulassungsstopp für die freiwillige Teilnahme an Integrationskursen haben sich Union und SPD nun auf eine begrenzte Kontingentlösung verständigt. Sie soll nach Angaben aus der Koalition bereits ab 1. Juni gelten. Profitieren sollen vor allem ukrainische Geflüchtete und EU-Bürger. Asylbewerber und Geduldete sollen weiterhin nicht mehr zum Zug kommen.

Diesen Ausschluss sieht Müller besonders kritisch, da viele Betroffene lange in Deutschland blieben. Zudem drohe ein begrenztes Kontingent beim Zugang zu den Kursen neue Bürokratie, regionale Ungleichheiten und Unsicherheit bei den Anbietern zu schaffen.

Noch 600 Millionen Euro für Kurse

Laut Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) sollen für Integrationskurse im kommenden Jahr etwa 600 Millionen Euro zur Verfügung stehen. Zugleich sollen Orientierungskurse, die einen geringeren Umfang haben, ausgebaut werden. Zuletzt waren die Kosten für Integrationskurse laut Dobrindt auf fast 1,3 Milliarden Euro gestiegen.

Integrationskurse richten sich an Menschen mit keinen oder geringen Deutschkenntnissen. Da das Bundesinnenministerium Geflüchtete mit dauerhafter Bleibeperspektive bei der Teilnahme bevorzugen will, hat das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge die Möglichkeit einer freiwilligen Teilnahme eingeschränkt. Das hatte für breite Kritik gesorgt, von Experten ebenso wie von Kommunen, Verbänden und Kirchen.

Caritas Deutschland

Der Deutsche Caritasverband (DCV) ist der größte Wohlfahrtsverband Europas. Die Dachorganisation katholischer Sozialeinrichtungen setzt sich für Menschen in Not ein. Mit rund 700.000 hauptamtlichen Mitarbeitern - 80 Prozent sind Frauen - ist die Caritas zudem der größte private Arbeitgeber in Deutschland. Der Begriff "caritas" stammt aus dem Lateinischen und bedeutet Nächstenliebe. Der 1897 in Köln gegründete Verband unterhält Geschäftsstellen in Freiburg, Berlin und Brüssel.

Hinweisschild der Caritas / © Michael Althaus (KNA)
Hinweisschild der Caritas / © Michael Althaus ( KNA )
Quelle:
KNA