Zum Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung fordert die Caritas eine bessere Förderung junger Betroffener. "Die finanziell angespannte Situation vieler Kommunen birgt die Gefahr, dass Inklusion und Barrierefreiheit ins Hintertreffen geraten - in Sportstätten ebenso wie im Schulalltag", sagte die Präsidentin des größten katholischen Sozialverbands, Eva Welskop-Deffaa, der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).
Das Ziel einer besseren Teilhabe von jungen Menschen mit Beeinträchtigung drohe bei den aktuellen Reformen verfehlt zu werden, wenn diese nicht eng mit denen abgestimmt würden, "die Inklusion umsetzen sollen und wollen - mit Lehrern, Wohlfahrtsverbänden, Eltern und mit den Jugendlichen selbst. Gerade in Zeiten demografischen Wandels und rückläufiger Geburtenzahlen können wir uns einen exklusiven Sozialstaat nicht leisten, der die Teilhabechancen junger Menschen mit Behinderung aufs Spiel setzt."
Bischöfe kritisieren Hindernisse
Am Montag hatten bereits die katholischen Bischöfe Hindernisse im Leben von Menschen mit Behinderung kritisiert: "Fehlende Barrierefreiheit, lange Wartezeiten bei Unterstützungsleistungen oder unzureichende Assistenz erschweren den Zugang zu Bildung, Arbeit und gesellschaftlichem Leben."
Zugleich gerieten Hilfen zunehmend unter Kostendruck und Diskussionen über Einsparungen erweckten zu oft den Eindruck, Teilhabeleistungen seien ein verzichtbarer Luxus.
Was steckt hinter dem Protesttag?
Der Europäische Protesttag am Dienstag macht seit mehr als 30 Jahren auf Benachteiligungen aufmerksam und fordert die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen. In diesem Jahr lautet das Leitthema "Menschenrechte sind nicht verhandelbar". Menschen mit Behinderung fühlen sich mehr als doppelt so häufig diskriminiert wie Menschen ohne Behinderung. Das geht aus Daten aller EU-Länder hervor, die das Statistikamt Eurostat am Montag in Luxemburg mit Blick auf den Protesttag veröffentlichte.
Mehr als 9 Prozent der Menschen mit Behinderung in der EU gaben dabei an, sich 2024 beim Kontakt mit Behörden diskriminiert gefühlt zu haben - bei Menschen ohne Behinderung waren es nur 4 Prozent.
Nachteile bei Wohnungssuche und im Alltag
Bei der Wohnungssuche fühlten sich rund 8 Prozent der Menschen mit einer gesundheitlichen Einschränkung diskriminiert, verglichen mit etwa 5 Prozent der Menschen ohne Behinderung. Auch im Alltag berichteten Menschen mit Behinderung häufiger von Diskriminierung: 5 Prozent fühlten sich in Geschäften, Cafés oder Freizeiteinrichtungen diskriminiert (ohne Behinderung: 3 Prozent), 4 Prozent in Bildungseinrichtungen (ohne Behinderung: 2 Prozent).