Bundespolitik singt "Großer Gott" auf Dächern des Bundestags

"Heiliger Cringe" auf Social Media

Mit der "Te-Deum-Challenge" bringt Bruder Lukas Politikerinnen und Politiker zum Singen eines alten Kirchenlieds. Er will zeigen, dass Glaube nicht privat ist. Gott gehöre in den Bundestag und zurück in die gesellschaftliche Mitte.

Autor/in:
Moritz Mayer
 © Shutterstock/Janez Zalaznik (shutterstock)

DOMRADIO.DE: Ihr erster Kandidat fürs Singen war der Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, Daniel Günther. Wie viele Sonntage haben Sie von der Kirche gewartet, bis Sie ihn endlich vor das Mikrofon bekommen kamen? 

Bruder Lukas Boving OSB: Daniel Günther ist zu uns ins Kloster Nütschau gekommen. Bei uns finden die Kirchenstaatsgespräche mit dem Erzbischof und dem Ministerpräsidenten einmal im Jahr statt. Da habe ich ihn mir geschnappt und ihm ein paar Fragen über das Kloster und seinen Glauben gestellt. Am Ende habe ich getestet, wie katholisch er ist und "Großer Gott..." vorgesungen und er konnte direkt gesanglich antworten mit: "...wir lo-o-ben dich."

DOMRADIO.DE: Das Ganze nennen Sie Te-Deum-Challenge. Was steckt dahinter?

Bruder Lukas: Te Deum ist das lateinische Wort für "Gott, wir loben dich" – einen Hymnus, den die Kirche schon seit Jahrtausenden weltweit in Kathedralen, Basiliken, Klosterkirchen und Kapellen singt. Denn Gott ist nicht privat, sondern auch politisch. Wenn wir beten: "Dein Reich komme", dann meinen wir damit nicht nur am Sonntagvormittag in der Kirche, sondern auch am Montagmorgen im Bundestag.

DOMRADIO.DE: Wieso haben Sie sich ausgerechnet Politikerinnen und Politiker ausgesucht? Es hätten auch Menschen aus dem Sport singen können.

Bruder Lukas: Gott gehört dahin – natürlich auch in Sport – aber eben auch in die Politik. Das war Zufall, dass Daniel Günther darauf angesprungen ist und es hat mich gefreut, dass Frau Klöckner weitergemacht hat. Die Challenge zeigt, dass Christen im Bundestag sind und dass sie eine Stimme haben, singende Stimme. Es kommen nicht nur Menschen aus der Partei mit dem großen "C" im Namen vor, sondern auch aus anderen Parteien und Konfessionen, um zu zeigen, dass Gott dorthin gehört.

Bruder Lukas

"Wenn jetzt noch so ein bisschen 'heiliger Cringe' dazu kommt, ist das doch auch ganz schön."

DOMRADIO.DE: Die Gesellschaft wird immer säkularer. Worin sehen Sie da aber auch Chancen und Möglichkeiten zur Entwicklung?

Bruder Lukas: Wir sehen auf TikTok und Instagram, glaube ich, genug "Cringe". Wenn jetzt noch ein bisschen "heiliger Cringe" dazu kommt, ist das doch auch ganz schön. Wer sich zu Gott bekennt, bekennt sich zur Würde, zur Verantwortung und zur Hoffnung. Ich glaube, dass das unsere Chance ist, das zu zeigen – mit einem ganz einfachen Lied wie "Großer Gott", das so viele Christen kennen. 

Natürlich habe ich Kommentare unter den Videos erhalten, die meinten, dass Politikerinnen und Politiker lieber handeln statt singen sollen. Das seien ja nur Worte. Aber ich finde das einen wunderbaren Anfang, dass Menschen auf dem Bundestagsdach diesen uralten Hymnus singen. Das zeigt, Gott ist nicht vergessen. Gott gehört in die Mitte unserer Gesellschaft zurück.

Bruder Lukas

"Das zeigt, Gott ist nicht vergessen. Gott gehört in die Mitte unserer Gesellschaft zurück."

DOMRADIO.DE: Wen wollen Sie noch unbedingt vors Mikrofon und vor die Kamera bekommen?

Bruder Lukas: Ich habe mit Julia Klöckner schon die Nummer zwei des deutschen Staates, dann fehlen noch Nummer eins und Nummer drei. Also Herr Steinmeier und Herr Merz. 

Mal schauen, ich finde wichtig, dass wir einen guten Mix hinbekommen. Dass Katrin Göring-Eckardt und ihr Team auf dem Bundestagsdach stehen, ist großartig. Das zeigt die Vielfalt im Glauben und in unserer Kirche. Jetzt ist Bodo Ramelow nominiert und mit ihm kommt wieder eine andere Partei vor. Ich bin gespannt, ob Ramelow da mitmachen wird.

Das Interview führte Moritz Mayer.

Quelle:
DR

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